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Trumps Zölle: USA droht dieses Szenario


Durch Trumps Zollpolitik
Dieses Szenario droht jetzt in den USA


Aktualisiert am 04.04.2025 - 20:55 UhrLesedauer: 4 Min.
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Mit einer großen Tafel in der Hand präsentiert Trump seinen Zoll-Plan. (Quelle: reuters)
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Durch die restriktive Zollpolitik Donald Trumps droht den USA ein seltener wirtschaftlicher Zustand. Experten befürchten ernsthafte Stagflationsrisiken.

Als US-Präsident Donald Trump die neuen Zölle gegen die EU, China und weitere Staaten verkündet, ruft er im Rosengarten des Weißen Hauses einen "Tag der Befreiung" aus. Doch das Vorgehen ist politisch riskant – weil die Folgen für die Wirtschaft erheblich sind. Experten warnen gar, dass die USA durch Trumps Zollpolitik auf ein besonderes wirtschaftliches Szenario zusteuern.

Der seit 20. Januar amtierende US-Präsident hatte zunächst Mexiko, Kanada und China mit Strafzöllen überzogen. Diese reagierten ihrerseits mit Handelshürden für US-Waren. Trump ließ nun in einem Rundumschlag weitere Sonderzölle gegen eine Vielzahl von Ländern rund um den Globus folgen, womit ein weltweiter Handelskrieg heraufzieht.

Allerdings werden die Zölle nicht von einzelnen Ländern bezahlt, sondern von den Importeuren. Diese geben die zusätzlichen Kosten in der Regel an die Verbraucher weiter. Auch importierte Güter wie Autos oder Sportschuhe dürften bald teurer werden. Denn die werden vielfach im Ausland hergestellt. Auch weitere Produkte dürfte es betreffen.

Angst vor weiter stark steigenden Preisen

Kaum verwunderlich also, dass Experten vor steigenden Preisen infolge der Trump'schen Zollpolitik auch in den USA warnen, vor allem, wenn die EU und andere Länder Gegenmaßnahmen ergreifen und sich die Zollspirale immer weiter dreht. "Das wird nicht als Befreiungstag in die Geschichte eingehen, sondern als Belastungstag – vor allem für die amerikanischen Konsumenten", sagt etwa der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Volker Treier, in einer Stellungnahme.

Die oppositionellen Demokraten rechneten vor, Trumps Zölle würden auch US-Bürgern massiv schaden. "Die durchschnittliche amerikanische Familie wird im Jahr 5.000 Dollar mehr bezahlen", sagte der Fraktionsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, dem Sender CNN. Nach Schätzungen von EY-Chefökonom Gregory Daco könnte Trumps jüngste Zollrunde die Kosten für Haushalte mit niedrigem Einkommen um 1.000 Dollar erhöhen – und das jährlich.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat berechnet, dass die angekündigten Zölle für die US-Wirtschaft binnen eines Jahres ein Minus von fast 1,7 Prozent bedeuten dürften, Preissteigerungen von mehr als sieben Prozent und ein Exportminus von fast 20 Prozent. In US-Medien geistert derzeit die Sorge vor einem Szenario um: einer Stagflation.

Ein ungewöhnliches Szenario droht

Eine Stagflation ist ein ungewöhnliches wirtschaftliches Phänomen. Das Wort "Stagflation" setzt sich aus den Begriffen "Stagnation" und "Inflation" zusammen. Dabei treffen also eine hohe Inflation, die typischerweise mit einem wirtschaftlichen Aufschwung und sinkender Arbeitslosigkeit einhergeht, auf eine stagnierende Konjunktur.

Der Grund dafür, dass die Phänomene eigentlich nicht zusammen auftauchen, liegt in der üblichen Wechselwirkung zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum: In Zeiten des Wachstums steigt die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, was Unternehmen dazu veranlasst, ihre Produktion auszuweiten und mehr Mitarbeiter einzustellen, um die gestiegene Nachfrage zu decken.

Gleichzeitig sind im Zuge eines Konjunkturaufschwungs viele Kunden bereit, mehr Geld auszugeben. Grund dafür ist, dass durch vermehrte Neueinstellungen mehr Menschen im Durchschnitt über ein höheres Einkommen verfügen. Arbeitnehmer haben zudem bessere Chancen, Gehaltserhöhungen durchzusetzen. Diese gesteigerte Zahlungsbereitschaft in Kombination mit der wachsenden Nachfrage nach Waren erleichtert es Unternehmen, Preiserhöhungen durchzusetzen. Dies führt letztlich zu steigender Inflation und einem schnelleren Wertverlust des Geldes.

Ein Phänomen aus den 70er-Jahren

Dass indes die Inflation anzieht, während die Wirtschaftsleistung stagniert, ist ungewöhnlich. Ein solches Zusammenwirken tritt extrem selten auf. Stagflation entsteht meist infolge von Angebotsschocks, protektionistischen Handelsstrategien oder wirtschaftspolitischem Fehlverhalten.

In der Geschichte der USA gelten die 1970er-Jahre als warnendes Beispiel: Das Ölförderkartell Opec hatte die Rohölförderung verknappt, was den Ölpreis drastisch in die Höhe schießen ließ. Damals führten diese Ölkrise, schlechte politische Entscheidungen und schwaches Wachstum bei gleichzeitig hoher Inflation zu erheblichen Wohlstandsverlusten.

Ähnliche Muster sind heute erkennbar: Neben der Warnung vor der steigenden Inflation sinkt das Verbrauchervertrauen, Unternehmen reduzieren ihre Investitionen, und auch der Arbeitsmarkt zeigt erste Schwächen.

Mehrere Wirtschaftsinstitute rechnen mit einer geringeren Wirtschaftsleistung. Schätzungen zufolge wird das Bruttoinlandsprodukt in den USA im Jahr 2025 wegen der Zölle nur noch um maximal 1,5 Prozent wachsen. Die Inflation könnte – je nach Institut – auf bis zu 4,5 Prozent anziehen.

Der deutsche Ökonom Rudi Bachmann, der in den USA lehrt, sagte t-online: "Wir werden zumindest ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum sehen, möglicherweise auch eine Rezession. Schon jetzt sehen wir Einbrüche beim Konsumentenvertrauen und an den Aktienmärkten. Wir können zumindest kurzfristig auch eine höhere Inflation erwarten, weil eben alles teurer und schwieriger zu produzieren sein wird." Schon vor Trumps Zollhammer warnten Ökonomen vor einer Stagflation – nun haben sich die Sorgen nochmals deutlich verschärft.

Wie entkommt man einer Stagflation?

Das Problem: Aus einer Stagflation lässt sich nur sehr schwer entkommen. Auch die Stagflationsphase der 1970er-Jahre zog sich knapp acht Jahre bis in die 1980er-Jahre hinein.

Denn die Inflationserwartungen sind nicht mehr stabil. Vielmehr erwarten Firmen und Verbraucher, dass die Preise künftig weiter überproportional steigen. In der Folge stellen Unternehmen weniger Menschen ein, um die gestiegenen Lohn- und Materialkosten zu senken – was eine Abwärtsspirale in Gang setzt. Denn bei anziehenden Preisen geht die Nachfrage zurück – nicht zuletzt, weil mehr Menschen ihren Job verlieren.

Notenbanken müssen in einem solchen Szenario extrem vorsichtig agieren, um etwa der Wirtschaft nicht mit höheren Zinsen zu schaden. Aber auch mit sinkenden Zinsen nicht die Inflation weiter anzuheizen.

Fraglich ist aber, ob die Zentralbanken das Problem allein lösen können. Viel hängt wohl nun davon ab, ob die US-Regierung bereit ist, eine Korrektur ihres Zollkurses vorzunehmen. Sollte es zu Ausnahmen oder Rücknahmen bestimmter Zölle kommen, könnte das die schlimmsten Szenarien abmildern, schätzen Experten.

Etwas, das Trump wohl nicht einfach so tun wird. Immerhin zeigte sich der Präsident vom Tornado der Kritik völlig unbeeindruckt. "Die Wirtschaft wird boomen", verkündete Trump in Washington vor der Rückreise zu seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida.

Ob er das in den kommenden Monaten auch noch behauptet, wird sich zeigen. Spätestens in eineinhalb Jahren bei den sogenannten Midterms könnten die Republikaner abgestraft werden. Dann wird ein Drittel des Senats und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt – und Trump könnte eine Quittung für seine Zollpolitik bekommen.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
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