"Kriegserklärung" und "Frontalangriff" So reagiert die internationale Presse auf Trumps Zölle

Mit harscher Kritik und Besorgnis reagieren internationale Medien auf Trumps neue Zollpolitik. Europas Presse warnt vor Handelskonflikten und wirtschaftlicher Instabilität.
US-Präsident Donald Trump hat mit der Ankündigung umfassender Importzölle weltweit für Aufsehen gesorgt. Medien aus Europa, Asien und Amerika reagieren mit deutlicher Kritik, strategischen Überlegungen und einer Prise Ironie.
Europa zwischen Widerstand und Sorge um Eskalation
In Spanien fordert die wirtschaftsliberale Zeitung "El Economista" aus Madrid eine entschlossene Reaktion der EU auf die "Zolloffensive" Trumps. Zwar bestehe im Warenhandel ein Überschuss zugunsten Europas, doch im Dienstleistungsbereich sei die EU stark abhängig von US-Techkonzernen. Gerade darin sieht das Blatt ein mögliches Druckmittel: Die Besteuerung dieser Konzerne, der "Magnificent Seven", könne Brüssel nutzen, um Trump auf Augenhöhe zu begegnen.
Deutlich zurückhaltender argumentiert die wirtschaftsliberale "Neue Zürcher Zeitung" aus der Schweiz. Europa solle auf Gegenzölle verzichten und stattdessen Freihandel mit gleich gesinnten Partnern stärken. Andernfalls drohe ein Rückfall in merkantilistische Denkmuster mit globalen Folgen.
Der Zürcher "Tages-Anzeiger" hingegen sieht in Trumps Vorgehen den Beginn eines offenen Handelskriegs mit der EU. Die geplanten Zölle könnten europäische Unternehmen empfindlich treffen, die Reaktionen Brüssels seien bislang nicht absehbar – doch wirtschaftliche Belastungen für Europa seien nahezu unausweichlich.
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Auch "De Tijd", eine wirtschaftsnahe Zeitung aus Belgien, zeigt sich alarmiert. Die Maßnahmen seien ein "Frontalangriff" auf globale Handelsströme, zumal viele Unternehmen – etwa in der Autoindustrie – auf internationale Lieferketten angewiesen seien. Die erwarteten Einnahmen aus den Zöllen stünden auf wackeligen Beinen.
In Österreich spricht die konservative Tageszeitung "Die Presse" von einem möglichen Übergang vom Handelskrieg zu einem Währungskrieg. Da europäische Produkte durch den abgewerteten Euro günstiger würden, sei mit Gegenmaßnahmen aus Washington zu rechnen. China, das seinen Wechselkurs kontrolliert, werde seinerseits nicht untätig bleiben.
Die italienische "La Repubblica", traditionell mitte-links orientiert, deutet Trumps Zolloffensive als "Kriegserklärung". Die wirtschaftlichen Risiken seien massiv, bis hin zu Parallelen zur Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre.
Die linksliberale ungarische Zeitung "Nepszava" sieht in Trumps Politik einen Bruch mit internationalen Normen. Verträge und Bündnisse würden entwertet, doch gleichzeitig könnten die Entwicklungen in Europa zu einer Stärkung der EU und einer Abkehr von rechten Parteien führen.
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Die britische "Financial Times", wirtschaftsliberal, mit globalem Fokus, stellt die Frage, ob Trump seine aggressive Handelspolitik überhaupt dauerhaft durchhalten kann. Politischer und wirtschaftlicher Gegenwind – etwa von Unternehmen, Gerichten oder dem Kongress – könnten ihn zum Umdenken zwingen.
In Irland bezeichnet die "Irish Times", traditionell mitte-links positioniert, Trumps Kurs als Wendepunkt in der Wirtschaftsgeschichte. Die kurzfristigen Schäden seien erheblich, ein langfristiger Nutzen fraglich. Der Präsident werde seine Strategie dennoch weiterverfolgen, koste es, was es wolle.
Kritisch äußert sich auch "Aktualne.cz" aus Tschechien. Trump sei bei Zöllen bemerkenswert konsequent, unabhängig vom jeweiligen Gegner. Seine Maßnahmen zielten vor allem auf die eigene Wählerschaft im strukturschwachen Nordosten der USA ab.
Skandinavien und China: Verbraucherpreise und Systemkritik
Die norwegische Boulevardzeitung "Verdens Gang" warnt vor Preissteigerungen für Konsumgüter – von Autos bis Streamingdiensten. Ökonomen erwarteten Arbeitsplatzverluste, während Trump weiter von einem wirtschaftlichen Aufschwung spreche. Die Hoffnung liege auf einem Rückzug des Präsidenten von seinem eigenen Kurs.
In China kommentiert die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, Sprachrohr der KP, die US-Zollpolitik als Angriff auf das internationale Handelssystem. Trumps Strategie verkenne grundlegende Prinzipien des globalen Austauschs wie Spezialisierung und Effizienz. Ironischerweise seien es vor allem amerikanische Unternehmen und Konsumenten, die unter der neuen Politik litten.
USA: Zweifel an Strategie und geopolitischen Folgen
Das wirtschaftsliberale, republikanisch-konservative "Wall Street Journal" stellt fest, dass Trumps Zölle keineswegs ausgewogen seien. Vielmehr nutze China die Situation, um sich anderen Ländern als Handelspartner anzubieten – darunter Japan, Südkorea und die EU. Das könnte die US-Bemühungen um Exportkontrollen für Hochtechnologie erheblich schwächen.
- Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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