t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online - Nachrichten für Deutschland
Such IconE-Mail IconMenü Icon



HomeGesundheitYael Adler: Gesundheit!

Kaffee senkt Krebs-Risiko: Diese Wirkung sollten Sie kennen


Risiko sinkt
Diese kaum bekannte Wirkung sollten Kaffeetrinker kennen

MeinungEine Kolumne von Dr. med. Yael Adler

05.04.2025 - 06:40 UhrLesedauer: 5 Min.
imago images 0807553262Vergrößern des Bildes
Kaffee zum Frühstück: Das beliebte Heißgetränk hat viele gesundheitliche Vorteile. (Quelle: IMAGO)
News folgen

Kaffee hat weit mehr gesundheitliche Vorteile, als viele vermuten. Wichtige Inhaltsstoffe stärken das Herz-Kreislauf-System und könnten bestimmte Krebsrisiken senken.

"Ei! Wie schmeckt der Coffee süße, lieblicher als tausend Küsse …", klingt es schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus der musikalischen Feder Johann Sebastian Bachs in seiner "Kaffeekantate". Heute ist Kaffee eines der meistkonsumierten Getränke der Welt und wird in mehr als 70 Ländern angebaut, in mehr als 120 Sorten, und die Vielfalt seiner Aromen ist enorm. Doch von all diesen Sorten stecken am Ende nur zwei in 99 Prozent aller angebotenen Produkte:

Arabica – hauptsächlich aus Brasilien, Kolumbien und Äthiopien – liegt mit rund 60 bis 70 Prozent der Weltproduktion auf Platz eins. Mild und aromatisch im Geschmack, wird er als komplex mit fruchtigen, schokoladigen, süßen und feineren Nuancen beschrieben. Sein Koffeingehalt liegt mit etwa 1,2 bis 1,5 Prozent niedriger als der des Hauptkonkurrenten.

Robusta – mit etwa 30 bis 40 Prozent die Nummer zwei beim Produktionsanteil – stammt aus Vietnam, Brasilien und westafrikanischen Ländern. Der Geschmack ist kräftig, erdiger und mit einem höheren Anteil an Bitterstoffen. Robusta enthält mit etwa 2 bis 2,7 Prozent doppelt so viel Koffein wie Arabica, deshalb wird diese Sorte in guten Espressomischungen verwendet.

(Quelle: Promo)

Zur Person

Dr. med. Yael Adler ist Fachärztin für Dermatologie, Venerologie, Phlebologie und Ernährungsmedizin (DGEM). Ihre Bücher "Haut nah" und "Darüber spricht man nicht" standen auf Platz 1 der "Spiegel"-Bestsellerliste. Ihr neuestes Buch "Genial ernährt! – Klüger essen, entspannter genießen, besser leben" wurde gerade veröffentlicht. Mehr

Nachdem Kaffee bei uns lange Zeit vor allem in zwei Formen auf den Tisch kam – mit reichlich aufgeschäumter Milch oder als schwarze Plörre, vielleicht noch mit Kondensmilch oder Zucker –, wird der Kaffeegenuss inzwischen regelrecht zelebriert. Die "Baristas" beherrschen die ganze Klaviatur – mannigfaltige Varianten, auch langsames Filtern wie zu Omas Zeiten oder kalten Kaffee unter dem Trendnamen "Cold brew" (mit kaltem Wasser aufgießen, über Nacht stehen lassen und dann filtern). Kaffee enthält Koffein und zahlreiche bioaktive Substanzen wie Polyphenole und Chlorogensäuren. Polyphenole wirken als starke Antioxidantien, schützen die Zellen vor oxidativem Stress und gelten als entzündungshemmend. Zudem enthält Kaffee überraschend viele Ballaststoffe – bis zu 1,5 Gramm pro 100 ml –, bei zwei Tassen also mehr als eine Banane. Er leistet so einen Beitrag zur Darmgesundheit und zur Sättigung.

Alzheimer und Parkinson wird vorgebeugt

Erwiesenermaßen senkt regelmäßiger Konsum das Risiko für Typ-2-Diabetes und für bestimmte Krebsarten, darunter Gebärmutterkrebs, Leber-, Darm-, Mund- und Rachenkrebs. Außerdem scheint er neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer vorzubeugen.

Die Antioxidantien im Kaffee können die Zellen vor Schäden schützen und entzündungsbedingten Erkrankungen trotzen, indem sie freie Radikale im Körper neutralisieren. Darüber hinaus können sie positiv auf das Herz-Kreislauf-System wirken. Studien legen nahe, dass moderater Kaffeegenuss das Risiko für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, für Herzinsuffizienz und für Schlaganfälle senken kann.

Bei einem empfindlichen Magen oder Reizdarm ist Espresso die bessere Wahl als Filterkaffee, weil durch spezielle Röstverfahren weniger Säure enthalten ist. Die Zufuhr von bis zu 400 mg Koffein pro Tag – das entspricht etwa drei bis vier Tassen – wird von Experten für gesunde Erwachsene als sicher und gesund eingestuft; für Schwangere bitte nur die Hälfte, weil Koffein das Risiko für Abgänge, Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht erhöhen kann. Zum Glück sorgt unser Körper umsichtig selbst dafür, dass Kaffee mit Beginn der Schwangerschaft bei den meisten Frauen Ekel hervorruft.

Er kann beim Abnehmen helfen

Schwarzer Kaffee ist kalorienarm. Löffelweise Zucker, die Zugabe von Sirup, Eis, Milch oder Sahne können daraus aber ziemliche Bomben machen: Ein gezuckerter Latte macchiato mit Kuhmilch bringt es auf 228 kcal – ungezuckert und schwarz sind es gerade mal 2 kcal.

Die wach machende Wirkung schwarzen Kaffees hält etwa vier Stunden an. Durch etwas Fett wie einen Schuss Milch wird dieser Effekt verlängert. Für eine halbe Stunde klettert der Blutdruck, pendelt sich dann aber wieder ein. Auch der Wasserverlust nach Kaffeegenuss ist bei geübten Konsumenten nicht erhöht: Kaffee, regelmäßig getrunken, wirkt nicht austrocknend; der Körper passt sich an die harntreibende Wirkung des Koffeins an.

Kaffee zügelt leicht den Appetit, fährt den Grundumsatz rauf und energetisiert für eine Sporteinheit, weshalb er Figurbemühten helfen kann. Moderate Mengen scheinen auch den Knochen gutzutun, es war lange in der Diskussion, ob Kaffee das Risiko für Osteoporose erhöht, weil Koffein eine erhöhte Calciumausscheidung bewirkt. Bei moderatem Konsum hat Kaffee seinen Ruf als Calciumräuber inzwischen abgelegt.

Den einen Ruf wird Kaffee nicht los

Auch die Sorge, ob der frühmorgendliche Kaffee nicht doch auf den Vormittag verlegt werden sollte – um die natürliche Cortisolspitze nach dem Aufstehen nicht noch zusätzlich zu verstärken und später in ein Energieloch zu fallen –, ist unbegründet. Einen anderen Ruf wird Kaffee aber wohl nicht loswerden, dafür sorgt das Koffein: Es verlängert die Einschlafzeit, mindert die Schlafqualität und lässt uns nachts wach liegen. Koffein blockiert nämlich die Wirkung von Adenosin, einem Molekül, das Müdigkeit signalisiert – allerdings ist genau das auch ein vor Demenz schützender Mechanismus.

Eine weitere gute Nachricht: Schlafprobleme plagen meist nur Menschen, deren Körper Koffein erblich bedingt langsamer abbaut. Hier ist ab Nachmittag bei Empfindlichen zum koffeinfreien Kaffee zu raten. Bei regelmäßigem Genuss von Koffein stellt sich auch eine gewisse Toleranzwirkung ein – hier muss jeder für sich selbst herausfinden, ob der Espresso nach dem Abendessen schlafraubend wirkt oder schon der am Nachmittag.

Vorischt vor Acrylamid

Neben Koffein enthält Kaffee auch Pflanzenstoffe (genannt Diterpene), die sich, je nach Zubereitung, in unterschiedlichen Mengen im Kaffee finden. Ihnen werden zwar krebshemmende Eigenschaften zugeschrieben, allerdings können sie den LDL-Cholesterinspiegel erhöhen. Diese Diterpene finden sich in höheren Konzentrationen vor allem in ungefiltertem Kaffee (French Press und türkischer Kaffee), in moderaten Mengen auch im Espresso. Gefilterter Kaffee hingegen enthält nur wenig davon, weshalb er bei erhöhtem Cholesterin die bessere Wahl ist. Ein doppelter Espresso nach dem Essen nimmt allerdings keinen großen Einfluss auf das Cholesterin.

Eine andere, unerfreuliche Substanz ist Acrylamid, von der WHO als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Es bildet sich, sobald bestimmte Zucker und Eiweiße bei Hitze miteinander reagieren, und wird von Enzymen in der Leber zu Glycidamid umgesetzt, einem reaktiven Stoff, der sich an die DNA, die Moleküle in unserem Erbgut, heften kann. Dort kann es zu Mutationen kommen, die wiederum Krebs auslösen können. Acrylamid entsteht beim Frittieren von Pommes ebenso wie bei der Röstung von Kaffee. Dunklere Röstungen zeigen niedrigere Werte, denn die Bohnen werden über einen längeren Zeitraum bei niedrigeren Temperaturen geröstet. Nebeneffekt: Die Aromen können sich besser entfalten, unerwünschte Säuren verdampfen, was den Kaffee bekömmlicher macht.

Die Tücke des To-go-Bechers

Löslicher Kaffee und Ersatzprodukte wie "Muckefuck" (Getreidekaffee) können dagegen mehr Acrylamid enthalten. Alles in allem gelten aber die Acrylamid-Mengen im Kaffee als nicht besorgniserregend hoch. Augen auf allerdings bei den beliebten To-go-Bechern: Sie sind oftmals mit PFAS (ungesunde Ewigkeitschemikalien) beschichtet; die Kollegen aus Bambus mit dem netten Natur-Image können Melamin und Formaldehyd freisetzen, die Organe schädigen und Krebs erregen können. Wer dies umschiffen und zudem Müllberge reduzieren möchte, sollte dem eigenen wiederbefüllbaren Mehrwegbecher den Vorzug geben.

Bleiben Sie – mit oder ohne Koffein – wach und kommen Sie gesund durch die Zeit!

Verwendete Quellen
  • Eigene Meinung
Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.

Quellen anzeigenSymbolbild nach unten

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingAnzeigen

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
Themen A bis Z



Telekom