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Vulkanausbruch mit globalen Folgen: 1816 – Das Jahr ohne Sommer


Europa in der "Kleinen Eiszeit"
Dieser Ausbruch brachte den Sommer zum Erliegen

Von t-online, dwb

04.04.2025 - 09:27 UhrLesedauer: 2 Min.
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Der Tambora befindet sich auf der östlich von Java gelegenen Insel Sumbawa. (Quelle: EyeEm Mobile GmbH/getty-images-bilder)
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Im Jahr 1816 geriet das globale Klima aus dem Gleichgewicht. In großen Teilen der nördlichen Hemisphäre gab es Schneefall im Sommer, Missernten und Hungersnöte. Der Auslöser war eine Naturgewalt am anderen Ende der Welt.

Es war der Sommer, der nie kam. Statt wärmender Sonnenstrahlen kam kalter Regen vom Himmel, es stürmte und schneite. Und dies mitten im Hochsommer. In weiten Teilen Europas verdorrte das Getreide, die Kartoffelernte verfaulte und ein unheilvoller Schleier verdunkelte den Himmel. Das Jahr 1816 ging als das "Jahr ohne Sommer" in die Geschichte ein – eine globale Klimakatastrophe mit Millionen von Betroffenen.

Super-Eruption veränderte die Welt

Was viele damals noch nicht wissen konnten: Der Auslöser des dramatischen Wetterumschwungs lag tausende Kilometer entfernt – in Indonesien. Dort hatte sich im April 1815 der Vulkan Tambora mit ungeheurer Wucht entladen. Die Eruption gilt als eine der heftigsten der letzten 2.000 Jahre. Rund 150 Kubikkilometer Gestein, Asche und Schwefelpartikel wurden in die Atmosphäre geschleudert.

Die Folge war ein feiner, weltumspannender Ascheschleier, der das Sonnenlicht blockierte und die Temperaturen weltweit um bis zu zwei Grad Celsius sinken ließ. Diese gering anmutende Temperatursenkung hatte nicht zuletzt deshalb dramatische Auswirkungen, da sie sich in einer Zeit bereits kühlerer Temperaturen ereignete: die sogenannte "Kleine Eiszeit", die in Europa schon seit dem Spätmittelalter herrschte.

"Achtzehnhundertunderfroren"

Besonders hart traf es Mitteleuropa und Nordamerika. In der Schweiz sprach man vom "Jahr ohne Brot", in Deutschland von "Achtzehnhundertunderfroren". Noch im Juni fiel Schnee, Juli und August brachten keine Erholung. Es gab Frost, Dauerregen und Hagel. In England, Frankreich und dem heutigen Deutschland kam es zu massiven Ernteausfällen.

Die Preise für Nahrungsmittel explodierten, Hunger machte sich breit. Die Menschen aßen Gras und Baumrinde, in Süddeutschland wurden Lagerhäuser geplündert, in England demonstrierten verzweifelte Bauern gegen Preiswucher. Auch in Nordamerika fiel Schnee mitten im Sommer, in Regionen, in denen eigentlich Mais und Weizen hätten wachsen sollen.

Not, Tod und neue Wege

Die Auswirkungen des Jahres 1816 reichten weit über das Wetter hinaus. Historiker sprechen von einer der schlimmsten sozioökonomischen Krisen des 19. Jahrhunderts. In der Not kam es vielerorts zu gesellschaftlicher Radikalisierung. Politische Proteste, Unruhen und Massenarmut waren die Folge.

Gleichzeitig setzte aber auch ein Umdenken ein. In Europa entstanden Sparkassen und Hilfsvereine, vielerorts wurden landwirtschaftliche Innovationen vorangetrieben, um künftige Ernteausfälle besser verkraften zu können. Auch die Migration nahm zu: Viele verzweifelte Europäer suchten in Amerika ihr Glück – nur um auch dort weiter unter extremen Wetterbedingungen zu leiden.

Denn noch Jahre nach dem Ausbruch des Tambora spürte die Welt die Folgen. Erst ab etwa 1819 kehrten die Temperaturen zu ihrem langjährigen Mittel zurück.

Verwendete Quellen
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