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Rückzug von Elon Musk? Vom Schattenpräsidenten zum Problemfall


Elon Musk soll sich zurückziehen
Darum muss der Staatszerstörer gehen


Aktualisiert am 03.04.2025 - 08:07 UhrLesedauer: 5 Min.
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Politologe Bierling sieht Parallelen zu einem anderen politischen Berater. (Quelle: t-online)
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Elon Musk, eben noch Trumps mächtiger Zerstörer des "Deep State", stolpert nun über seine eigene Unberechenbarkeit: Er soll aus der ersten Reihe verschwinden. Die Gründe dürften bei ihm selbst, dem Präsidenten und den Aktionären liegen.

Bastian Brauns berichtet aus Washington

So schnell kann es gehen. Vor wenigen Wochen noch galt Elon Musk als die prägende und zerstörerische Kraft in Donald Trumps zweiter Amtszeit. Ein Tech-Milliardär, der die Macht übertragen bekam, ganze Behörden und Ministerien ohne Rücksicht zu zerschlagen, und den vermeintlichen liberalen und korrupten "Deep State" in Washington trockenzulegen.

Dem US-Präsidenten sollte er helfen, seine radikale Vision von Regierungseffizienz umzusetzen. Er sollte ursprünglich bis mindestens 2026 das neu geschaffene Ministerium für Regierungseffizienz (Doge) leiten. Ein bedeutungsvolles Datum, denn Trump will seine Amtszeit mit dem 250. Jubiläum der Vereinigten Staaten und seinem propagierten "goldenen Zeitalter" in Einklang bringen. Doch dieser ambitionierte und kühne Plan ist nun offenbar gescheitert.

Trumps engster Kreis hat laut Recherchen des US-Magazins "Politico" bestätigt, dass Musk sich schon in den kommenden Wochen aus seiner fragwürdigen Rolle zurückziehen wird. Der Multimilliardär hatte zwar zuletzt in einem Interview beim Fernsehsender "Fox News" gesagt, nicht 2026, sondern schon nach 130 Tagen wäre für ihn wohl Schluss mit seinem Ausflug in die US-Regierung. Durch die internen Äußerungen aber bekommt der bevorstehende Schritt eine neue Brisanz.

Denn die Entscheidung kommt nicht aus dem Nichts. Seit Wochen wachsen die Bedenken, dass Musk – der inzwischen als fast unverzichtbarer Verbündeter von Donald Trump galt – zu unberechenbar und politisch toxisch geworden ist. Sein Rückzug folgt auf eine ganze Reihe von Fehlern – allen voran sein chaotischer und aggressiver Kommunikationsstil.

Nachdem Musk und Trump am Dienstag in Wisconsin eine erste vernichtende Niederlage einstecken mussten, scheint es nun an der Zeit zu sein, Konsequenzen zu ziehen. In dem nördlichen US-Bundesstaat hatte Elon Musk mit rund 20 Millionen Dollar die Wahl des konservativen Richters Brad Schimel unterstützt, um den dortigen Obersten Gerichtshof zugunsten der Republikanern auszurichten. Der Plan schlug fehl, die von den Demokraten unterstützte Kandidatin Susan Crawford gewann. Hinzu kommt der seit Monaten andauernde massive Kursverfall von Musks Tesla-Aktie.

Eine fortwährende politische Belastung

Musks Zeit in Washington war von Beginn an nicht konventionell, sondern äußerst disruptiv. Zunächst zelebrierte er mit Trump seine Rolle als gnadenloser Zerstörer des verhassten Staates. Drastische Kürzungen bei Regierungsbehörden, Tiraden gegen verdiente Karrierebeamte und Hohn für die Demokraten prägten seinen aggressiven Stil. Der führte aber bald auch zu internen Reibungen. Kabinettsmitglieder reagierten zunehmend frustriert auf Musks unkoordinierte Entscheidungen, die auch das Weiße Haus oft überraschten.

Einer, der früh vor Elon Musk warnte und ihm drohte, war ausgerechnet Trumps früherer Chefstratege, der rechtsextreme Steve Bannon. Er ließ verlauten, Musk stehe nicht wirklich hinter der nationalistischen MAGA-Idee. Der Tesla-Boss würde lieber billige Arbeitskräfte aus dem Ausland haben, statt Amerikanern einen guten Job zu geben, sagte Bannon in Interviews. Schon vor Wochen sagte er voraus, Musk würde herausgeworfen werden. Er sei nicht weniger als ein "parasitärer illegaler Einwanderer", hetzte Bannon.

Dabei flog auch Bannon einst in Trumps erster Amtszeit schnell zu hoch und konkurrierte mit Donald Trump um die Aufmerksamkeit in den Medien. Trump ist bekannt dafür, selbst engsten Verbündeten zu grollen, wenn sie übermäßige mediale Aufmerksamkeit erhalten. So war es auch, als Steve Bannon 2017 auf der Titelseite des bekannten Time-Magazins landete. Schließlich musste Bannon gehen.

Auch Musk fand sich kürzlich auf dem Time-Magazin-Cover wieder. Ob Trump das missfiel, ist nicht bekannt. Vorstellbar ist es. Zumindest könnte es Trumps Ansicht verstärkt haben, dass der Milliardär zu sehr im Rampenlicht steht.

Das Tesla-Desaster

Auch in anderen Bereichen steht Musk zunehmend unter hohem Druck. Ausgerechnet sein Wirtschaftsimperium zeigt empfindliche Risse. Die Tesla-Aktie befindet sich seit vielen Wochen in einer Abwärtsspirale, geplagt von nachlassender Nachfrage, insbesondere in Europa. Die Gründe dafür liegen in wachsender Konkurrenz, aber auch in Musks umstrittenem Wirken in Washington. Milliardenbeträge wurden vernichtet, Investoren wurden unruhig.

Damit steht auch Musk selbst vor einer unmittelbaren Bedrohung – sein eigenes Vermögen ist plötzlich in Gefahr. Denn der fallende Aktienkurs von Tesla ist nicht nur ein theoretisches Problem, sondern führte zu ganz realen finanziellen Verlusten für den Milliardär, dessen Reichtum zu einem erheblichen Teil an den Wert des Unternehmens gebunden ist.

Der wachsende öffentliche Widerstand verschärfte die Krise zusätzlich. In vielen amerikanischen Städten brachen Proteste aus, gewaltbereite Demonstranten setzten Teslas in Brand und verwüsteten Geschäfte – ein mehr als deutliches Zeichen für die Wut über Musks Kahlschlag beim Staat und den Sozialausgaben. Zuletzt machte Trumps eigens inszenierte Tesla-Verkaufs-Show vor dem Weißen Haus, die eigentlich wirtschaftliche Stärke demonstrieren sollte, auch dem letzten klar, dass Musks Präsenz in Washington zunehmend zur Belastung wurde – auch für ihn selbst. Denn sein gesamtes Imperium ist mittlerweile in Gefahr.

Ein Rausschmiss, getarnt als langsamer Ausstieg

Trump, im Herzen ein skrupelloser Geschäftsmann, hat wenig Geduld für Verlierer. Er erwartet von seinen Verbündeten, dass sie Stärke ausstrahlen. Und Musks jüngste Rückschläge – vom Tesla-Niedergang bis zur Unfähigkeit, einen konservativen Sieg in Wisconsin zu erzielen – waren das Gegenteil davon. Für einen Präsidenten, der Siege über alles stellt, könnte Musk inzwischen eher eine Belastung als ein Gewinn sein. Dass Trump wiederholt öffentlich betonen musste, wie gut er sich mit Elon verstehe, ist ein weiteres Indiz für die wachsenden Probleme.

Es folgt ein Ausstieg auf Raten. Musk selbst signalisierte den Wandel bereits, als er vergangene Woche bei Bret Baier von Fox News andeutete, seine Arbeit in Washington sei fast erledigt. Musk sagte: "Ich denke, wir werden die meiste Arbeit, die nötig ist, um das Staatsdefizit um eine Billion Dollar zu reduzieren, innerhalb dieses Zeitrahmens erreicht haben." Dabei verwies er auf einen Zeitraum von 130 Tagen.

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Trump inszeniert nun den weiteren Verlauf von Musks langsamen Ausstieg. Kürzlich stellte er bei einer Kabinettssitzung Musks Abgang bereits vorsorglich als Übergang anstatt als Entlassung dar. Öffentlich lobte er ihn mehrfach als "Patrioten" und "Freund". Hinter den Kulissen dürften viele von Trumps Verbündeten erleichtert sein: Musks unberechenbare Amtszeit als Doge-Chef hat ihnen große Kopfschmerzen verursacht.

Musk soll nun aber nicht vollständig aus Trumps Umfeld verschwinden. Laut dem "Politico"-Bericht wird er informeller Berater bleiben. Sein Einfluss, nicht zuletzt über seine Social-Media-Plattform X, würde also weiterhin spürbar sein. Trump braucht Elon Musk immer noch, nur eben nicht mehr direkt neben sich. Musks hochkarätige Rolle in der ersten Reihe der Regierung neigt sich dem Ende zu.

Es ist eine bemerkenswerte Wendung in Washington, wo Musk bis soeben noch als eine der mächtigsten Figuren in Trumps Regierung galt und sogar als "Schattenpräsident" bezeichnet wurde, der in Wahrheit hinter Trump die Strippen ziehe. Der verschleierte Rauswurf von Musk wird Donald Trump aber nicht zwangsläufig schaden. Er kann auch als Warnung des machtbewussten Präsidenten gelesen werden: Wer glaubt, sich mit ihm anlegen oder ihm die Show stehlen zu können, der wird hier nicht lange überleben.

Verwendete Quellen

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