"Wissen nicht, was uns erwartet" Trumps Zollpläne stürzen Logistikbranche ins Chaos

Noch bevor die neuen US-Zölle verkündet sind, herrscht Chaos in den Lieferketten. Experten schlagen Alarm – und an den Häfen stapeln sich die Pakete.
Donald Trump hat mit seinen geplanten Einfuhrzöllen Verunsicherung und Chaos im internationalen Warentransport ausgelöst. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, steigen die US-Containerimporte per Schiff seit Monaten auf ein Rekordniveau. Unternehmen versuchen, ihre Waren möglichst noch vor Inkrafttreten neuer Abgaben in die USA zu bringen.
Auch der Luftfrachtverkehr hat demnach zugenommen: Pharmaprodukte oder Autoteile werden laut Lufthansa Cargo und DHL verstärkt per Flugzeug verschickt. Die Folge: Frachtraten steigen rasant. So verteuerte sich ein 40-Fuß-Schiffscontainer aus Fernost an die US-Westküste innerhalb eines Tages um 16 Prozent auf 2.844 Dollar.
Trumps Handelspolitik war bereits in seiner ersten Amtszeit durch aggressive Zollstrategien geprägt. Besonders China, aber auch Kanada, Mexiko und die Europäische Union wurden mit Sonderzöllen belegt. Ziel der Maßnahmen war es laut Trump, Handelsdefizite zu verringern und amerikanische Arbeitsplätze zu sichern. Kritiker werfen ihm jedoch vor, durch die Zölle globalen Protektionismus gefördert und die internationalen Handelsbeziehungen belastet zu haben.
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Die kurzfristigen und wechselnden Ankündigungen der Trump-Regierung setzen die gesamte Logistikbranche jetzt unter Druck, sagt Blake Harden. Der Vertreter des amerikanischen Einzelhandelsverbands RILA erklärt: "Die gestaffelte Einführung von Zöllen hat zu wachsender Verwirrung geführt." Dem Unternehmen fehle die Zeit, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen.
Hafengebühren könnten Agrar- und Energiebranche treffen
Der US-Präsident plant offenbar, am Mittwochabend deutscher Zeit neue Zollmaßnahmen anzukündigen. Wie US-Medien berichten, soll es sich bei dem "Zollhammer" um eine pauschale Erhöhung von rund 20 Prozent auf die meisten Importe handeln. Einzelne Länder könnten durch Abkommen verschont bleiben. Noch sei jedoch keine finale Entscheidung gefallen, so das US-Präsidialamt. Aus Insiderkreisen heißt es, die Regierung erwarte Mehreinnahmen in Billionenhöhe.
Zudem sind offenbar zusätzliche Hafengebühren für Schiffe mit Verbindungen zu China im Gespräch. Fachleute warnen, dass diese Regelung gerade jene Branchen treffen könnte, die Trump eigentlich unterstützen will – etwa Landwirtschaft und Energieexporte. So wie während der Corona-Pandemie könnten manche Häfen überlaufen und andere verwaisen, um höhere Gebühren zu vermeiden.
Peter Sand, Chefanalyst des Frachtberaters Xeneta, sagte: "Man kann keine wichtigen Entscheidungen über die Lieferkette treffen, wenn sich die Spielregeln ständig ändern." Schon jetzt zeigen sich Auswirkungen auf den Frachtmarkt: Laut S&P Global Market Intelligence dürften die US-Containerimporte im zweiten Quartal um 0,7 Prozent sinken. Die Analysten rechnen mit einem Rückgang, sobald die neuen Zölle greifen.
Zolldienstleister am Limit
Auch bei den Zolldienstleistern ist der Ausnahmezustand spürbar. Kit Johnson von der US-Zollagentur John S. James erklärte, seine Mitarbeiter leisteten derzeit 20 bis 30 Überstunden pro Woche. "Wir wissen nicht wirklich, was uns genau erwartet, bis wir die Durchführungsverordnung sehen. Und dann ist es ein verrücktes Gedränge, herauszufinden, was zu tun ist."
Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde arbeitet derweil fieberhaft an der Umprogrammierung ihrer Systeme. Erst im Februar hatte die Trump-Regierung geplante Zölle auf Billigimporte von Plattformen wie Temu und Shein verschoben, weil sich Pakete am New Yorker JFK-Flughafen gestapelt hatten. Der Zoll habe zu wenig Zeit, die Software umzuprogrammieren und zu testen, sagte Zollmakler Johnson. "Je mehr Zölle wir haben, desto schwieriger wird es für alle sein, Schritt zu halten."
- Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters
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