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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Volksleiden Migräne Neues Schmerzmittel könnte Millionen Patienten helfen
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Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz: Sie beeinträchtigt das Leben vieler Menschen erheblich. Ein neues Arzneimittel soll da Abhilfe schaffen.
Migräne ist ein weit verbreitetes Leiden. Mehr als zehn Prozent der deutschen Bevölkerung sind betroffen. Die Symptome sind quälend – hämmernde, pulsierende Kopfschmerzen, Überempfindlichkeit gegen Licht, Geräusche und Gerüche, sowie Übelkeit bis hin zum Erbrechen.
Ebenso vielfältig ist auch die Liste möglicher Auslöser. Das macht ihre Behandlung schwierig. Ab dem 1. März ist nun aber ein neues Medikament erhältlich, das vielen Betroffenen Erleichterung bringen könnte.
Medikament Atogepant mit neuem Wirkansatz
Der US-Pharmakonzern Abbvie bringt mit Atogepant ein neues Medikament unter dem Handelsnamen Aquipta auf den deutschen Markt. Es gehört zur Klasse der sogenannten Gepante, die gezielt das Neuropeptid CGRP im Gehirn hemmen. CGRP spielt eine Schlüsselrolle bei der Schmerzentstehung und Entzündung während einer Migräneattacke. Indem Atogepant diesen CGRP-Rezeptor blockiert, soll es Migräneanfälle verhindern beziehungsweise ihre Häufigkeit reduzieren.
Das Medikament ist für Erwachsene in Deutschland zugelassen, die mindestens vier Migränetage pro Monat haben. Dabei eignet es sich sowohl für Patienten mit episodischer Migräne als auch für jene mit chronischer Migräne, die an 15 oder mehr Kopfschmerztagen pro Monat leiden.
Was bedeutet episodische Migräne?
Üblicherweise tritt Migräne in unregelmäßigen Abständen als anfallsartiger Kopfschmerz auf. Diese gut voneinander abgrenzbaren Kopfschmerzattacken werden auch Episoden genannt.
Studien: weniger Migränetage dank neuer Therapie
Die Zulassung von Atogepant in Europa erfolgte bereits im Sommer 2023. Sie basiert auf zwei großen Studien, denen zufolge Atogepant die Anzahl der Tage, an denen Patienten unter Migräne leiden, reduziert. So habe in einer Studie mit 882 Betroffenen (mindestens vier Migräneanfälle pro Monat) eine zwölfwöchige Behandlung mit Atogepant die Zahl der Migränetage pro Monat von durchschnittlich acht auf drei bis vier gesenkt. In der Placebogruppe verringerte sich die Zahl der Migränetage immerhin noch auf fünf.
Gut zu wissen
Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) sind 14,8 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer in Deutschland von Migräne betroffen. Weitere 13,7 Prozent der Frauen und 12 Prozent der Männer haben wahrscheinlich Migräne, so eine Erhebung von 2020.
Atogepant: Dosierung und mögliche Nebenwirkungen
Das Medikament wird einmal täglich als Tablette eingenommen. Es ist in Dosierungen von 10 Milligramm (mg) und 60 mg erhältlich, wobei die empfohlene Dosis 60 mg pro Tag beträgt. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.
Wie jedes Medikament kann auch Atogepant Nebenwirkungen verursachen. Am häufigsten traten in Studien Verstopfung, Übelkeit und Infektionen der oberen Atemwege auf. Insgesamt gilt der Wirkstoff aber als gut verträglich.
Wichtig ist auch: Patienten mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten Atogepant mit besonderer Vorsicht anwenden, da es hierzu noch keine umfassenden Studiendaten gibt. Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung derzeit nicht empfohlen.
- Lesen Sie auch: Diese Ernährung kann gegen Migräne helfen
Experte: sinnvolle Alternative, schneller Wirkeintritt
Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) bewerten Atogepant als vielversprechend: "Gerade für Patienten, die bisherige Migräneprophylaxen nicht gut vertragen, kann dies eine sinnvolle Alternative sein", sagte Dr. Christian Geber laut "Ärzteblatt". Bereits nach wenigen Woche zeige sich, dass Atogepant die Anzahl der Migräneattacken reduziere.
Eine neue Option für Migränepatienten
Atogepant könnte für viele Migränepatienten eine wirksame und gut verträgliche Behandlungsalternative sein. Wer unter regelmäßigen Migräneattacken leidet, sollte mit seinem Arzt besprechen, ob eine vorbeugende Medikamentengabe sinnvoll sein könnte.
In jedem Fall gilt: Die effektivste Migränebehandlung kombiniert medikamentöse Therapien mit nicht-medikamentösen Maßnahmen wie Entspannungstechniken, regelmäßiger Bewegung und ausgewogener Ernährung.
- ema.europa.eu: "Aquipta" (englisch)
- nejm.org: "Atogepant for the Preventive Treatment of Migraine" (englisch)
- pharmazeutische-zeitung.de: "Atogepant ab 1. März im Handel"
- aerzteblatt.de: "Gepante: Neue Wirkstoffklasse zur Migräneprophylaxe verfügbar"
- flexikon.doccheck.com: "Atogepant"
- Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
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