"Sagt, was er denkt" In seltenem Interview: Putin lobt Trump und seinen Vorschlag
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Wladimir Putin gewährt einem regierungsnahen Journalisten eine seiner seltenen Audienzen – und redet dabei auch über den US-Präsidenten. Die EU sieht er deutlich kritischer.
Wladimir Putin hat sich in einem Interview mit dem kremlnahen Journalisten Pavel Zarubin zu den Beziehungen zwischen Russland und den USA geäußert – und dabei auch den Politikstil von US-Präsident Donald Trump gelobt. Das Gespräch wurde auf Telegram veröffentlicht und fiel mit dem dritten Jahrestag der großangelegten russischen Invasion in die Ukraine zusammen.
Wie die das russische Oppositionsmedium "Meduza" schreibt, betonte Putin in dem Gespräch, dass sich der US-Präsident "in einer einzigartigen Position" befinde. Trump habe das "Privileg eines Führers einer der großen Mächte" – er könne "nicht nur sagt, was er denkt, sondern was immer er will".
Zudem nahm er die USA gegen Kritik an den jüngsten Vorstößen in Schutz: Das Wohlergehen der Ukrainer sei bei allem Trumps Hauptinteresse. Putin lobt den US-Präsidenten: "Er ist frei von den Zwängen, die ihn daran hindern würden, sich vorwärtszubewegen und auf eine Lösung des Konflikts hinzuarbeiten."
Putin bietet sich Trump als Geschäftspartner an
Auch zu dem von Trump ins Spiel gebrachten Vorschlag, dass beide Staaten ihre Verteidigungsausgaben reduzieren, äußerte sich Putin positiv: "Wir könnten zu einer Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten kommen, wir sind nicht dagegen." Laut Putin stünde im Raum, dass sowohl die USA als auch Russland ihre Verteidigungsausgaben um 50 Prozent senken.
Zudem sei das rohstoffreiche Land Russland für die Investitionen von "amerikanischen Partnern" bereit. Wie Putin betont, sei Russland deutlich rohstoffreicher als die Ukraine – eine Anspielung auf den Rohstoffdeal zwischen USA und Ukraine, den Präsident Trump immer wieder als Bedingung für weitere Militärunterstützung der Ukraine ins Spiel gebracht hatte. Auch in den "neuen Gebieten" – also den in der Ukraine besetzten Regionen – sei man für Investitionen bei den kostenintensiven Förderungen offen.
Putin: Selenskyj ohne Chance auf Wiederwahl
Putin nutzte das Interview gleichzeitig dazu, verschiedene Behauptungen über Wolodymyr Selenskyj und die Ukraine zu wiederholen – die auch an aktuelle Äußerungen von Trump erinnern. Selenskyj würde so Frieden in der Ukraine bewusst verhindern, um Wahlen hinauszuzögern und hätte bei diesen gegen den General Walerij Saluschnyj keine Chance. Putin führt aus: "Seine Chancen sind gleich null – es sei denn, natürlich, er würde auf die eine oder andere Art offenkundig die Wahl manipulieren."
Auch gegen die EU teilte Putin aus. Zu dem Fehlen von europäischen Diplomaten bei den Verhandlungen erklärte er: "Was haben die Europäer damit zu tun?" Die Verhandlungen über Frieden in der Ukraine seien eine Angelegenheit zwischen den USA und Russland.
Das Interview zwischen Putin und Zarubin fand in der Staatsresidenz Nowo-Ogarjowo statt. Er arbeitet als Moderator bei dem russischen Staatssender "Russia-1".