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Israelische Siedler greifen deutschen Aktivisten im Westjordanland an


Im Westjordanland
Deutscher offenbar von israelischen Siedlern verletzt

Von t-online
Aktualisiert am 23.07.2024Lesedauer: 3 Min.
Ausschreitungen bei Protesten im Westjordanland (Archivbild): Der Internationale Gerichtshof hat die Siedlungspolitik im Westjordanland als völkerrechtswidrig eingestuft.Vergrößern des BildesAusschreitungen bei Protesten im Westjordanland (Archivbild): Erneut ist es zu einem gewaltsamen Vorfall gekommen. (Quelle: Shadi Hatem/imago)

Bei einem Angriff auf palästinensische Bauern im Westjordanland haben israelische Siedler auch Aktivisten verletzt, die diese begleitet haben. Darunter war auch ein Deutscher.

Israelische Siedler haben pro-palästinensische Aktivisten im Westjordanland angegriffen und dabei offenbar auch einen Deutschen verletzt. Nach CNN-Angaben sollen zwei US-Amerikaner und der Deutsche nach dem Vorfall am Sonntag in ein Krankenhaus eingeliefert worden sein. Sie erlitten offenbar Knochenbrüche. Ein weiterer US-Amerikaner und ein Bauer sollen bei dem Angriff zudem leicht verletzt worden sein.

Laut CNN hätten die maskierten Siedler in der Stadt Qusra im Westjordanland eine Gruppe von palästinensischen Bauern und acht internationalen Aktivisten angegriffen, die sie begleitet hatten, um sie vor ebensolchen Angriffen zu beschützen.

Die Opfer beschrieben laut CNN, die Siedler hätten mit dicken Holzstöcken ähnlich wie Baseballschläger auf sie eingeschlagen. Außerdem hätten die Angreifer mit Steinen geworfen und das Telefon einer Aktivistin zerstört.

Deutscher Aktivist: "Wir haben nichts getan"

"Wir haben nichts getan", sagte der verletzte deutsche Aktivist David Hummel. "Unsere Hände waren oben und wir haben versucht, uns gegenseitig zu schützen. Schließlich versuchten wir, uns zurückzuziehen, weil wir so oft geschlagen worden waren."

Die Attacke wurde von Aktivisten aufgenommen und in den sozialen Medien verbreitet. Darin ist zu sehen, wie sie versuchen, sich zurückzuziehen, als sie angegriffen werden. Einer der Aktivisten fällt zu Boden, ein anderer versucht, sich mit seinen Armen zu schützen, als er geschlagen wird.

Auch der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, teilte die Aufnahmen bei X. "Diese Angriffe sind ein gut dokumentiertes kriminelles Verhalten und müssen mit allen rechtlichen Mitteln verfolgt werden", schrieb er dazu.

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Die israelischen Verteidigungskräfte (IDF) bestätigten den Angriff gegenüber CNN und erklärten, dass "eine Reihe von maskierten israelischen Zivilisten eine Gruppe ausländischer Bürger angegriffen haben, während sie in der Gegend Bäume pflanzten". Sie beteuerten, dass sie die Sicherheit in dem Gebiet aufrechterhalten werden. Die Soldaten seien zum Tatort geschickt worden und hätten Warnschüsse in die Luft abgegeben, woraufhin die Angreifer geflohen seien.

Auswärtiges Amt: Israel könnte für Siedlungsbau Entschädigung zahlen müssen

Die israelische Siedlungspolitik steht derweil seit langer Zeit in der Kritik. Die Bundesregierung schließt nicht aus, dass Israel Palästinenser für den nach internationalem Recht illegalen Siedlungsbau in den besetzten palästinensischen Gebieten entschädigen muss.

"Vorbehaltlich weiterer Prüfungen ist nicht auszuschließen, dass in gewissem Umfang auch die Zahlung von Entschädigungen durch Israel notwendig sein wird", teilte ein Sprecher des Außenministeriums am Dienstag in Berlin mit. Dies habe auch die Bundesregierung bereits in Einzelfällen etwa im Rahmen des sogenannten West Bank Protection Consortiums gefordert.

Der Internationale Strafgerichtshof (IGH) hatte Israel in einem am Freitag veröffentlichten Gutachten aufgefordert, die als illegal eingestufte Siedlungspolitik in den Palästinensergebieten einzustellen. Eine Pflicht zu Schadensersatz hat das höchste UN-Gericht für Fälle vorgesehen, in denen die Wiederherstellung der Situation vor dem Siedlungsbau nicht mehr möglich ist.

Zahlreiche Kinder im Westjordanland getötet

Im Westjordanland und Ost-Jerusalem sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerk Unicef in den vergangenen neun Monaten 143 Kinder und Jugendliche getötet worden. Außerdem seien 440 junge Palästinenser durch Munition verletzt worden, teilte Unicef weiter mit. Diese Zahlen seien eine "unnötige und exzessive Ausübung von Gewalt gegen die Verwundbarsten".

Sie bedeuteten eine Verdreifachung der Opferzahlen im Vergleich zum Neun-Monats-Zeitraum davor. Auf israelischer Seite seien im Westjordanland in den vergangenen neun Monaten zwei Kinder getötet worden, ergänzte Unicef.

"Die Situation hat sich erheblich verschlechtert, was mit der Eskalation der Feindseligkeiten im Gazastreifen zusammenfällt", so Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell. Es gebe häufig Vorwürfe, dass palästinensische Kinder auf dem Heimweg von der Schule festgehalten oder beim Gehen auf der Straße erschossen würden.

"Die Gewalt muss jetzt aufhören", sagte Russell. Die israelisch-palästinensischen Spannungen wirkten sich auf das Wohlergehen Tausender Kinder und Familien aus, die täglich in Angst um ihr Leben rennen würden, so Unicef.

Die Lage im Westjordanland hat sich seit Beginn des Gaza-Kriegs nach dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 noch einmal deutlich verschärft. Seitdem wurden bei israelischen Militäreinsätzen, Konfrontationen oder eigenen Anschlägen nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Westjordanland mehr als 550 Palästinenser getötet.

Verwendete Quellen
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