Das steckt hinter dem "Dessertmagen" Warum unser Gehirn nach dem Essen noch etwas Süßes will
![Ein Stück Kuchen zum Nachtisch: Der Verzicht auf Süßes nach dem Essen fällt oft schwer. Ein Stück Kuchen zum Nachtisch: Der Verzicht auf Süßes nach dem Essen fällt oft schwer.](https://images.t-online.de/2025/02/ehcF7Ow8Ievx/0x0:4000x2250/fit-in/1920x0/ein-stueck-kuchen-zum-nachtisch-der-verzicht-auf-suesses-nach-dem-essen-faellt-oft-schwer.jpg)
Der Spruch "Nachtisch hat immer Platz" hat einen realen Hintergrund: Nervenzellen, wie eine Studie offenbart. Was steckt hinter der Lust nach Süßem?
Der Teller ist leer gegessen und es passt rein gar nichts mehr rein – außer vielleicht etwas Süßes? Dieses Gefühl kennen wohl die meisten: die Lust auf ein Dessert. Warum wir diesen Drang verspüren, hat nun ein internationales Forschungsteam unter Federführung des Kölner Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung untersucht.
Sie kamen zu dem Schluss, dass unser sogenannter Dessertmagen im Gehirn verankert ist: Dieselben Nervenzellen, die uns nach einer Mahlzeit ein Sättigungsgefühl geben, sind auch die Ursache dafür, dass wir dann noch Lust auf Süßigkeiten haben.
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In der Studie untersuchten die Forscher um Henning Fenselau die Reaktion von Mäusen auf Zucker. Dabei stellten sie fest, dass Mäuse auch dann Desserts essen, wenn sie völlig gesättigt sind, wie das Team im Fachjournal "Science" schreibt. Untersuchungen des Gehirns ergaben, dass dafür eine bestimmte Gruppe von Nervenzellen verantwortlich ist. Diese sogenannten POMC-Neuronen würden aktiv, sobald der Körper Nahrung aufgenommen habe.
Belohnungsgefühl durch Süßes
Wenn Mäuse satt sind und Süßes essen, schütten diese Nervenzellen nicht nur Botenstoffe aus, die Sättigung signalisieren, sondern auch ein körpereigenes Opiat, das ß-Endorphin. Dieses löst der Studie zufolge ein Belohnungsgefühl aus, das die Tiere dazu veranlasst, noch mehr Zucker zu essen. Der Mechanismus setzte in den Versuchen schon ein, wenn die Tiere Zucker nur wahrnahmen, ohne ihn zu essen.
Hirnuntersuchungen an Versuchspersonen ergaben, dass beim Menschen die gleiche Hirnregion auf Zucker reagiert. Dort befänden sich – wie bei Mäusen – viele Opiat-Rezeptoren in der Nähe von Sättigungsneuronen. "Aus evolutionärer Sicht macht das Sinn: Zucker ist in der Natur selten, liefert aber schnell Energie", sagte Studienleiter Fenselau. Das Gehirn sei so programmiert, dass es die Aufnahme von Zucker dann steuere, wenn er verfügbar sei.
Die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen enthalten spezielle Informationen für das Gehirn. Während bitter mit etwas Giftigem assoziiert wird, soll süßer Geschmack Nahrhaftigkeit signalisieren. Man kann die Wahrnehmung von süßem Geschmack übrigens auch aktiv verändern, wie das geht, erfahren Sie hier.
Therapiemöglichkeit bei Übergewicht
Die Ergebnisse der Studie könnten für die Behandlung von Übergewicht bedeutend sein. Zwar gebe es bereits Medikamente, welche Opiat-Rezeptoren im Gehirn blockierten. Doch der Gewichtsverlust sei geringer als bei Abnehmspritzen. Möglicherweise sei eine Kombination verschiedener Therapien sinnvoll, sagte Fenselau: "Das müssen wir aber noch untersuchen."
- Nachrichtenagentur dpa