Selbstverstümmelung aus Angst vor Rekrutierung Nordkoreaner im Ukrainekrieg: Verzweiflung und hohe Verluste
Über 10.000 nordkoreanische Soldaten kämpfen an der Seite Russlands in der Ukraine – mit hohen Verlusten. Die Furcht vor dem Kriegsdienst wächst.
Im November 2024 entsandte der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un mehr als 10.000 Soldaten nach Russland, nachdem er und Putin ein neues Partnerschaftsabkommen unterzeichnet hatten. Die nordkoreanischen Truppen kamen in der russischen Grenzregion Kursk zum Kampfeinsatz.
Wenig später häuften sich Berichte, wonach die nordkoreanischen Soldaten, die meist ohne nennenswerte Kampferfahrung an der Front eingesetzt wurden, hohe Verluste erlitten. Nun hat sich der Vorsitzende des südkoreanischen Nachrichtendienstausschusses, Lee Seong-kweun, mit einer konkreten Zahl geäußert: Demnach wurden bis Mitte März rund 4.000 nordkoreanische Soldaten entweder getötet oder verwundet.
So verwischen die Nordkoreaner ihre Spuren
Etwa in gleicher Zahl soll Nordkorea im Februar neue Truppen nach Russland entsandt haben, um die Verluste auszugleichen. Das erklärte Lee in einem Interview mit dem "Korea Herald". Er vermutet zudem, dass sich unter den Toten auch hochrangige Offiziere der nordkoreanischen Streitkräfte befinden könnten. Genau lasse sich das jedoch nicht sagen – die nordkoreanischen Einheiten versuchten offenbar, ihre Beteiligung am Krieg zu verschleiern und bergen die Leichen ihrer Gefallenen, um Spuren zu verwischen, erklärt der Vorsitzende.
Ukrainische Quellen berichten unterdessen, dass nordkoreanische Soldaten den Befehl erhalten haben sollen, sich im Fall einer drohenden Gefangennahme mit einer Granate selbst zu töten. In seltenen Fällen, in denen nordkoreanische Kämpfer gefangen genommen wurden, habe sich herausgestellt, dass viele von ihnen unter falschen Vorwänden zum Kriegseinsatz in die Ukraine gelockt worden seien.
Während ukrainische Stellen befürchten, dass die nordkoreanischen Truppen das militärische Momentum in der Grenzregion Kursk zugunsten Russlands verschieben könnten, teilt Lee diese Einschätzung nicht. Er geht davon aus, dass die nordkoreanischen Soldaten vielmehr als "Kanonenfutter" an der Front geopfert würden. Für die jüngsten militärischen Erfolge der russischen Armee in Kursk sei seiner Einschätzung nach nicht deren Einsatz verantwortlich, sondern vielmehr die Tatsache, dass die US-Administration unter Donald Trump zeitweise beschlossen hatte, die Ukraine nicht länger mit geheimdienstlichen Informationen zu versorgen.
Selbstverstümmelung aus Rekrutierungsangst
Unterdessen beobachtet der südkoreanische Geheimdienst beunruhigende Entwicklungen in Nordkorea. Obwohl das Regime offiziell nie bestätigt hat, Truppen nach Russland entsendet zu haben, wächst in der Bevölkerung offenbar die Angst, selbst für den Krieg rekrutiert zu werden. Einige Nordkoreaner sollen sich laut Lee sogar selbst verstümmeln, um einer möglichen Einberufung zu entgehen. Familien von Eingezogenen erhielten offenbar regelmäßig Geschenke von den Behörden – möglicherweise ein Versuch, denkbare Unruhen im Keim zu ersticken.
- koreaherald.com: "Interview: NIS tally of North Koreans killed or injured in Ukraine war rises over 4,000" (Englisch)