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Zum journalistischen Leitbild von t-online.AbiPaid auf Instagram Selbstversuch geht viral: Rapper steht mit Abschiebeticket bei der AfD
Ein 26-Jähriger nimmt das "Abschiebeticket" der AfD wörtlich und will es bei der AfD einlösen. Ihm ging es dabei nicht nur um ein Zeichen – sondern auch um seine Musikkarriere.
Und plötzlich ist die AfD mit ihren eigenen "Abschiebetickets" konfrontiert: An einem Wahlkampfstand im hessischen Bad Homburg hat sich ein junger Mann gemeldet, um den Flugschein in das "sichere Herkunftsland" einzulösen. Die AfD Karlsruhe hatte Empörung damit ausgelöst, im Wahlkampf in Form und Optik wie echte Flugscheine aussehende Flyer verteilen zu wollen, 30.000 waren produziert.
Der Rapper AbiPaid nahm das wörtlich, und seine Versuche, das Ticket einzulösen, verbreiten sich seit einigen Tagen viral. (Sehen Sie das Video hier oder oben im Text). Auf TikTok und Instagram gibt es Millionen Aufrufe der Videos davon, wie er am Flughafen, bei der Polizei und bei AfD-Wahlkämpfern mit dem Ticket steht und fragt, wie es jetzt weitergeht. "Ich möchte mich abschieben lassen."
AbiPaid ist Künstlername von 26-Jährigem
t-online hat ihn erreicht. Ein 26-Jähriger aus dem Rhein-Main-Gebiet, kurdische Wurzeln. Die AfD-Aktion hat ihn geärgert, "ich wollte eine Botschaft senden", sagt er. Seinen richtigen Namen möchte er vorerst nicht in der Öffentlichkeit sehen, AbiPaid ist sein Künstlername als Rapper. Und das ist auch ein Grund, weshalb er die Videos gemacht hat. Er hat als Musiker Aufmerksamkeit gesucht. Die hat er jetzt: "Ich bin schon auf der Straße angesprochen worden." Am Freitag erscheine sein erster Song. Dazu habe er mit einem Marketingteam über Möglichkeiten für Personal Brandbuilding überlegt. Wie kann er sich als Marke aufbauen und Öffentlichkeit bekommen? Der Ansatz: mit dem Ticket der AfD.
Die Partei kommt in seinen Videos unterschiedlich gut weg. Bei einem Anruf in der örtlichen Geschäftsstelle antwortet ihm jemand, das Ticket sei gar nicht von der AfD, sondern von Dritten erfunden worden, um der AfD zu schaden. Vertreter der Partei werteten die Ticket-Aktion offenbar als negativ für die AfD.
Am AfD-Stand wirkte ein Wahlkämpfer etwas überfordert mit der Frage. Das müsse man selbst kaufen, meinte er. "Da sind wir nicht die richtigen Ansprechpartner." Als der AfDler dann sagte, "da gibt es Behörden dafür, die das entsprechend einlösen, Ausländerbehörde, Jobcenter", senkte im Hintergrund eine Frau den Daumen nach unten. Das war offenbar ein Signal, das Gespräch lieber nicht fortzusetzen, wie in einer zweiten Einstellung zu sehen ist. AbiPaid filmte nicht nur selbst, er hatte auch noch einen weiteren Kameramann dabei.
Neu-Abgeordnete am AfD-Stand war lange Stewardess
Die AfD habe natürlich gewusst, dass er filme, er habe das angekündigt. Die Frau, die den Daumen nach unten senkte, stellte sich dann auch noch selbst zum Gespräch: Es war AfD-Landesvorstandsmitglied Nicole Hess, die sich auf Telegram "WiderständigesLuder" nennt und am Sonntag in den Bundestag gewählt wurde. Sie war selbst 26 Jahre Flugbegleiterin, bis sie nach eigenen Angaben wegen Facebook-Kommentaren über Klaus Schwab den Job verlor. Dem TikToker sagte sie zu den Tickets: "Es ist Wahlkampf, jeder führt den so, wie er es für richtig hält." Sie beklagte zugleich eine verzerrte Darstellung der AfD.
In den Szenen mit der AfD geht überhaupt niemand darauf ein, ob und wieso er überhaupt ein Fall für eine Abschiebung wäre. AbiPaid: "Ich habe nur den deutschen Pass, ich wäre von den bekannten Plänen nicht mal betrofffen."
Für die Videos hat er sich auch künstlerische Freiheit genommen. Am Flughafen zog er von einem Schalter einer Fluggesellschaft zum Infoschalter, filmte dann bei der Bundespolizei. Im Video ist mit verzerrter Stimme die Frage zu hören, ob er Anzeige erstatten wolle. Und dann: "Wir können da echt nichts machen, das ist eine ganz miese Masche von der AfD." In Kommentaren wird der Polizist wahlweise dafür kritisiert oder gefeiert.
So wörtlich seien die Sätze nicht gefallen, sagt AbiPaid auf Nachfrage. er habe auch den Text für die verzerrte Aufnahme selbst gesprochen. Da hatte er offenbar Sorge, wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes mit Sprachaufnahmen größeren Ärger zu bekommen.
In seinem Kanal soll es nun ohnehin erst einmal verstärkt um seine Musik gehen – Premierensong "o.m.w." ("On my way") kommt am Freitag raus. Auf diesen Weg hat er sich mit der spektakulären Abschiebeticket-Aktion gemacht, "und solche Aktionen wird es auch künftig geben".
- Telefonat mit AbiPaid
- Instagram.com: Account AbiPaid