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Steigende Beiträge: Diese Krankenkassen haben besonders hohe Kosten


Krankenversicherung
Bei diesen Kassen dürfte es 2025 teurer werden

Von dpa, saz

Aktualisiert am 31.08.2024Lesedauer: 4 Min.
KrankenversicherungskartenVergrößern des BildesGesetzliche Krankenversicherung: Kommen im nächsten Jahr wieder höhere Beiträge? (Quelle: Jens Kalaene/dpa/dpa-bilder)

Wegen steigender Ausgaben und Reformen zeichnen sich fürs nächste Jahr neue Finanzlöcher bei den Krankenkassen ab. Einige Kassen sind besonders stark betroffen.

300 Milliarden Euro haben die gesetzlichen Krankenkassen pro Jahr für Leistungen für die rund 75 Millionen Versicherte ausgegeben. Die Einnahmen lagen aber deutlich darunter: Allein im ersten Quartal 2024 betrug das Defizit rund 776 Millionen Euro. Tendenz steigend.

Denn nicht nur klettern die Kosten für Medikamente, Behandlungen, Pflege und Energie. Die Regierung will auch die Kliniken und Versorgung besser aufstellen. Das soll für Einsparungen sorgen, kostet aber erst einmal Geld. Und dieses soll nach Aussagen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auch von den Versicherten kommen:

"Jetzt ist die Phase, in der wir Geld in die Hand nehmen müssen, auch das der Beitragszahler", sagte er dem Magazin "Stern". Nur so gelinge die Strukturreformen, die "langfristig die Kostenentwicklung dämpfen und das System besser mache". Er wolle das System jetzt "nicht kaputtsparen", sondern "wir brauchen diese Investitionen".

Experte: ein Prozentpunkt höherer Zusatzbeitrag

Mehr Einnahmen können die Krankenkassen erzielen, indem sie den sogenannten Zusatzbeitrag anheben. 2024 sind das im Durchschnitt 1,7 Prozent. Diese kommen auf den allgemeinen Beitrag von 14,6 Prozent obendrauf. Arbeitgeber und Versicherte zahlen diese Beiträge jeweils zu Hälfte.

Um wie viel der Zusatzbeitrag steigen könnte, darüber sagte der Minister bislang nichts. Dafür äußerten sich Experten. So sagte Gesundheitsökonom Prof. Günter Neubauer etwa der "Bild", er halte Erhöhungen zum Jahreswechsel um bis zu einem Prozentpunkt für möglich. Es könne auch zu Fusionen von Krankenkassen kommen.

Diese Kassen könnten teurer werden

Besonders solche Kassen werden den Zusatzbeitrag erhöhen müssen, die aktuell eine schwache finanzielle Gesamtsituation aufweisen. Für "Focus Money" hat das Deutsche Finanz-Service Instituts (DFSI) in Köln sich daher die Liquidität, das Nettovermögen, die Verwaltungskosten sowie die Entwicklung der zahlenden Mitglieder von 46 Krankenkassen angesehen und ein Ranking erstellt.

Demnach erreichten insgesamt 14 Kassen ein "hervorragendes" und "sehr gutes" Gesamturteil, darunter die mitgliederstärkste Kasse Deutschlands TK und eine der bis dato günstigsten Krankenkassen, die hkk. Dagegen kamen unter anderem die IKK Classic, KKH, mkk, Mobil Krankenkasse und Pronova BKK auf die Note "befriedigend". Auf diesen Kassen lastet aufgrund hoher Ausgaben und geringer Rücklagen besonders viel Druck – der Zusatzbeitrag könnte also für 2025 steigen.

Versicherte können wechseln und dreistellig sparen

Gerade, wenn 2025 die Zusatzbeiträge steigen, sollten Sie vergleichen: Ein höherer Zusatzbeitrag mag sich auszahlen, wenn Sie kassenindividuellen Zusatzleistungen – etwa die Kostenübernahme für spezielle Behandlungen, Impfungen, Zahnleistungen oder Leistungen rund um die Familie – in Anspruch nehmen. Falls das nicht der Fall ist, sollten Sie einen Wechsel zu einer günstigeren Kasse in Betracht ziehen. Das geht problemlos, sollte Ihre aktuelle Kasse den Beitrag erhöhen.

Ein Beispiel: Wer im Jahr 45.000 Euro verdient und angestellt ist, bezahlt monatlich etwa im Bundesdurchschnitt gut 300 Euro an seine Krankenkasse. Der Arbeitgeber bezahlt ebenso viel – Zusatzbeitrag eingerechnet. Steigt letzterer um einen Prozentpunkt, steigt Ihr monatlicher Beitrag auf etwa 325 Euro. Im Jahr zahlen Sie also etwa 300 Euro mehr. Der Unterschied ist umso höher, je mehr Sie verdienen. Den Höchstbeitrag zahlen 2024 alle, die 69.300 Euro oder mehr pro Jahr verdienen.

Kassen üben Kritik an Lauterbach – mehr Steuerzuschuss gefordert

Der Spitzenverband der Krankenkassen kritisierte die Äußerungen Lauterbachs. "Statt eines Maßnahmenplans, wie die Versorgung der rund 75 Millionen gesetzlich Versicherten endlich wieder auf eine solide finanzielle Basis gestellt werden kann, kündigt er anscheinend gleichmütig immer weiter steigende Zusatzbeiträge an", sagte Verbandschefin Doris Pfeiffer.

Der Sozialverband Deutschland monierte: "Bei allem Reformbedarf im Gesundheitswesen dürfen die Kosten nicht einseitig auf die Schultern der Beitragszahler abgewälzt werden." Zur Finanzierung müsse auch auf Steuermittel zurückgegriffen werden – in einer gerechten Lastenverteilung für alle.

Wann ist klar, wie viel teurer es wird?

Amtlich bestimmt wird der durchschnittliche Zusatzbeitrag für das nächste Jahr wie üblich Anfang November. Dies ist ein Orientierungswert, die Kassen können je nach ihrer Finanzlage auch davon abweichen. Der Spitzenverband warnte, dass Anfang 2025 rechnerisch eine Anhebung um mindestens 0,6 Punkte nötig werden dürfte. Der Grund: Die "Ausgaben treibende" Gesetzgebung der vergangenen zehn Jahre, Mehrkosten für die Krankenhausreform noch gar nicht eingerechnet. In den ersten drei Monaten 2024 verbuchten die Kassen ein Minus von 776 Millionen Euro.

"Teuerster Gesundheitsminister aller Zeiten"

Die Pflegeversicherung erwartet für 2024 und 2025 rote Zahlen. Im nächsten Jahr würde das rechnerisch eine Beitragsanhebung von 0,2 Punkten erfordern, ermittelte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen, der auch die Pflegekassen vertritt. "Statt auf die Ausgabenbremse zu treten, damit die Sozialbeiträge nicht weiter aus dem Ruder laufen, will der Minister das Geld der Beitragszahlenden weiter mit vollen Händen ausgeben", kritisierte die Chefin des Bundesverbands der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), Carola Reimann. "Damit entwickelt sich Karl Lauterbach zum teuersten Bundesgesundheitsminister aller Zeiten."

Verschiedene Gründe für steigende Kosten

Dabei entstehen Deutschland mit seiner alternden Bevölkerung zum einen höhere Ausgaben wegen des wachsenden Bedarfs an Pflege und Gesundheitsversorgung – für Medikamente und Behandlungsmethoden, Pflegekräfte oder Sachkosten wie Energie. Dazu kommt aber noch eine ganze Palette an Vorhaben, mit denen die Koalition die Versorgung verbessern will – von der Notfallbehandlung über höhere Vergütungen zum Erhalt des Netzes der Hausarztpraxen bis zu mehr Vorsorge gegen Herzinfarkte. Im Gegenzug sollen auch Einsparungen entstehen.

Zweite Pflegereform in Sicht

Wie Lauterbach schloss Kanzler Olaf Scholz (SPD) Leistungskürzungen für die Versicherten wegen der schwierigen Finanzaussichten aus. Für die Pflege ist eine nächste Stabilisierungsaktion angekündigt – nachdem die Koalition eine erste schon umgesetzt hatte. Sie brachte Entlastungen für Pflegebedürftige bei Eigenanteilen, aber auch einen höheren Beitrag: Für Menschen ohne Kinder stieg er Mitte 2023 auf 4 Prozent und für Beitragszahler mit einem Kind auf 3,4 Prozent. Familien mit mindestens zwei Kindern zahlen – bezogen auf den Arbeitnehmeranteil – nun weniger als zuvor.

Verwendete Quellen
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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