Reaktion auf US-Handelspolitik Jaguar stoppt US-Lieferungen wegen Trump-Zöllen

Donald Trumps Zölle stellen die globalisierte Produktion von Fahrzeugen infrage. Jetzt ziehen die ersten Autobauer Konsequenzen.
Der britische Fahrzeughersteller Jaguar Land Rover (JLR) hat die Auslieferung seiner in Großbritannien produzierten Fahrzeuge in die Vereinigten Staaten vorübergehend gestoppt. Wie der "Guardian" berichtet, will das Unternehmen prüfen, wie die Auswirkungen der von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle auf Importe gemindert werden können.
Die Maßnahme reiht sich ein in eine Serie internationaler Reaktionen auf die US-Zollpolitik. Präsident Donald Trump hatte am 3. April die Einfuhrzölle für ausländische Autos drastisch angehoben. Statt wie bisher 2,5 Prozent fallen für Pkw nun 25 Prozent an. Fahrzeugteile sind ebenfalls betroffen. Die Maßnahme trifft damit nicht nur europäische und asiatische Hersteller, sondern auch US-Autobauer mit internationalen Lieferketten.
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Jaguar Land Rover zieht Konsequenzen wegen Trumps Zöllen
Jaguar Land Rover reagiert mit der Lieferpause auf die unmittelbaren Folgen der Zölle. In einer Erklärung am Samstag sagte ein Sprecher des Unternehmens: "Die USA sind ein wichtiger Markt für die Luxusmarken von JLR. Während wir daran arbeiten, die neuen Handelsbedingungen mit unseren Geschäftspartnern zu klären, ergreifen wir einige kurzfristige Maßnahmen, darunter eine Lieferpause im April, während wir unsere mittel- bis langfristigen Pläne entwickeln." Laut "Times" verfügt JLR derzeit noch über ausreichende Lagerbestände in den USA, doch die Zukunft der US-Auslieferungen sei angesichts der gestiegenen Importkosten ungewiss.
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Jaguar Land Rover, einer der volumenstärksten Autohersteller Großbritanniens, verkauft jährlich rund 400.000 Fahrzeuge, darunter insbesondere große SUVs. Fast ein Viertel der Gesamtverkäufe entfällt auf den US-Markt.
Die britische Autoindustrie blickt mit Sorge auf die Entwicklungen. Die USA sind nach der EU der zweitgrößte Exportmarkt für Fahrzeuge aus dem Vereinigten Königreich. Laut Branchenverband SMMT liegt der Anteil der US-Exporte bei rund 20 Prozent. Eine längere Lieferunterbrechung könnte die gesamte Branche belasten. Die britische Autoindustrie beschäftigt rund 200.000 Menschen.
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Auch andere Hersteller ergreifen erste Maßnahmen
Neben Jaguar Land Rover hat auch Nissan auf die neuen US-Zölle reagiert. Der japanische Hersteller erklärte, dass man keine neuen Bestellungen aus den USA für die in Mexiko gefertigten Infiniti-SUVs QX50 und QX55 mehr annehmen werde. Die Fahrzeuge werden im COMPAS-Werk in Aguascalientes produziert, das Nissan gemeinsam mit Mercedes-Benz betreibt.
Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte am Samstag, dass die Produktion für andere Märkte fortgesetzt werde. Die SUVs wurden bislang ausschließlich von Mexiko in die Vereinigten Staaten exportiert. Infolge der Zollanhebung sei eine Fortführung in dieser Form wirtschaftlich nicht tragbar.
Zudem passte Nissan seine Produktionsplanung in den USA an: Im Werk Smyrna in Tennessee wird die Fertigung des Rogue-SUVs künftig nur noch in zwei Schichten erfolgen. Das Unternehmen hatte bereits im Januar angekündigt, eine Schicht abzubauen. Nissan leidet unter einem veralteten Modellangebot und fehlenden Hybridfahrzeugen. Die neuen Importzölle verschärfen die wirtschaftliche Lage weiter. Der neue Vorstandschef Ivan Espinosa will nun die Entwicklungszeiten für neue Modelle verkürzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
- reuters.com: Nissan says it will not take new US orders for Mexican-built Infiniti SUVs
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