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Frankfurt Bahnhofsviertel: Drogenhilfe-Zentrum für Cracksüchtige geplant


Neues Suchthilfezentrum
So will Frankfurt das Bahnhofsviertel entlasten


03.04.2025 - 19:06 UhrLesedauer: 3 Min.
Bahnhofsviertel Frankfurt am MainVergrößern des Bildes
Drogenabhängige im Frankfurter Bahnhofsviertel (Archivbild): Die Stadt möchte sich mit einem neuen Angebot speziell an Cracksüchtige richten. (Quelle: Boris Roessler/dpa/dpa-bilder)
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Die Stadt Frankfurt plant ein neues Drogenhilfe-Zentrum. Damit sollen Süchtige besser betreut und das Bahnhofsviertel entlastet werden. Das stößt nicht nur auf Zustimmung.

Mit einem neuen Suchthilfezentrum will die Stadt Frankfurt gezielt Cracksüchtige ansprechen. Damit sollen Drogenkranke von den Straßen des Bahnhofsviertels geholt werden: Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl (Grüne) sagte dazu: "Wir erwarten uns eine spürbare Entlastung des öffentlichen Raums im Bahnhofsviertel und in der Folge mehr Aufenthaltsqualität für die Allgemeinheit." Die Dezernentin erklärte in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag ihre Drogenpolitik und die Ziele des neuen Zentrums.

Fokus auf Crack-Konsumenten

Das geplante Suchthilfezentrum soll Konsumierende dauerhaft in Betreuung bringen. "Die Einrichtung vereint spezialisierte Angebote unter einem Dach, die die Menschen in die Einrichtung bringen und dort halten sollen", sagte Voitl. Als erstes Drogenhilfezentrum Deutschlands richte es sich speziell an Menschen, die cracksüchtig sind – eine Zielgruppe, die laut Stadt besonders schwer zu erreichen ist.

Voitl machte klar, dass Repression – also ein Vorgehen gegen Kriminelle – weiterhin zum Frankfurter Weg in der Drogenpolitik gehöre. Die Grünen-Politikerin betonte aber auch: "Repression muss sich ausschließlich gegen Drogenkriminalität richten, niemals gegen schwer kranke drogenabhängige Menschen." Damit stellte Voitl sich erneut gegen die Forderung des hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein (CDU), das Viertel für Süchtige zu schließen.

Über Hotelzimmer raus aus der Sucht

Der CDU-Verordnete Martin-Benedikt Schäfer fragte, ob es der Stadt in den vergangenen Jahren gelungen sei, Süchtige von den Straßen zu bekommen. Sozialdezernentin Voitl verwies auf ein Modellprojekt: Seit eineinhalb Jahren bringe die Stadt besonders kranke Süchtige zunächst in Hotelzimmern unter. Dort erhalten sie medizinische Betreuung und Pflege. "Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren nur über dieses Projekt über 30 Menschen erfolgreich aus dem Bahnhofsviertel herausgeführt", sagte Voitl. "Die sind nicht mehr in der Szene."

Kritik im Stadtparlament

In der Stadtverordnetenversammlung äußerten mehrere Fraktionen Bedenken. CDU-Mann Schäfer sagte, der Frankfurter Weg in der Drogenpolitik sei gescheitert. Er warnte, Frankfurt könne durch das neue Zentrum zusätzliche drogenabhängige Menschen anziehen. Voitl entgegnete: "Der Grund, warum Menschen nach Frankfurt kommen, sind die Drogen." Die Straßen seien geflutet von Drogen und sie seien hier sehr gut erhältlich. Voitl betonte, dass der Großteil der Drogenhilfeangebote ohnehin nicht im Bahnhofsviertel liege, sondern in anderen Stadtteilen.

Yanki Pürsün, Fraktionsvorsitzender der FDP, kritisierte die fehlenden Angebote in der Drogenhilfe in anderen Städten. So seien außerhalb Frankfurts in den vergangenen 30 Jahren keine Drogenkonsumräume entstanden. Pürsün stellte die Frage, ob das Land Hessen aus Voitls Sicht genug unternommen habe. Voitl antwortete: "Nein, das habe ich bisher nicht wahrgenommen." Sie habe sich erneut schriftlich an die Landesregierung gewendet – mit der Bitte, niedrigschwellige Hilfsangebote in der Region zu fördern.

Immobilie für Suchtzentrum gefunden

Auch Ursula Busch (SPD) sprach sich für das Zentrum aus. Es müsse Orte geben, an denen Drogenkranke sich aufhalten könnten, ohne Passanten oder Anwohnende zu belästigen. "Genau das ist der Anspruch", sagte Voitl.

Jüngst verkündete die Stadt, dass sie eine passende Immobilie für das Zentrum gefunden habe. In der Niddastraße 76 im Bahnhofsviertel stehe ein Gebäude zur Verfügung, das laut Voitl alle Anforderungen erfüllt. Darin soll es ein Konsumareal speziell für Crack-Konsumenten geben. Es soll unter einem Dach sämtliche Arten von Hilfe anbieten: Aufenthalts- und Konsumräume, Ruhebetten und Übernachtungsmöglichkeiten bis hin zu medizinischer Behandlung und psychosozialer Beratung.

Noch ist der Mietvertrag nicht unterschrieben, doch der Magistrat soll zeitnah über die Anmietung entscheiden.

Verwendete Quellen
  • Reporter vor Ort
  • Eigene Beobachtungen
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