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Ukraine-Krieg: Kiew setzt auf Tochka-U-Raketen aus Sowjetzeiten


Sowjetwaffen sehen aus wie neu
Das unverhoffte Raketenarsenal der Ukraine

Von t-online, mk

Aktualisiert am 04.04.2025 - 07:22 UhrLesedauer: 3 Min.
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Mobile Abschussrampen für Tochka-U-Raketen bei einer Parade in Kiew 2016 (Archivbild): Etwa 500 Stück davon blieben nach dem Ende der Sowjetunion im Arsenal der Ukraine. (Quelle: imago stock&people)
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Die meisten Tochka-U-Raketen der Ukraine galten als nicht mehr einsetzbar. Doch in ihrer Not setzen Kiews Ingenieure die alten Sowjetwaffen wohl wieder instand.

Sie sind ein Relikt der Sowjetzeit und eigentlich Sondermüll: die Kurzstreckenraketen vom Typ Tochka-U. Etwa 500 Exemplare verblieben nach der Unabhängigkeit 1991 im Arsenal der Ukraine, doch zu Beginn des russischen Überfalls 2022 hieß es, die meisten davon sein nicht wiederherzustellen. In ihrer Not scheint den ukrainischen Ingenieuren nun aber genau das zu gelingen.

Darauf deuten Aufnahmen der 19. ukrainischen Raketenbrigade hin, die neben der Tochka-U auch über US-Raketenwerfer vom Typ Himars verfügt. Immer wieder berichtet die Einheit von Angriffen auf russische Stellungen, zuletzt im Januar und im März. Die Angriffe erfolgen meistens in der Region Donezk oder in der russischen Region Belgorod. Auffallend an den Bildern der Brigade: Die Tochka-U-Raketen sehen fabrikneu aus, obwohl sie eigentlich vor langer Zeit in Russland gefertigt wurden. Dieses Video soll die jüngsten Einsätze der Waffe zeigen:

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Tochka-U: Das können die Raketen aus Sowjetzeiten

Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass die Ukraine eine eigene Produktionslinie für die Tochka-U eingerichtet hat, dies gilt aber als unwahrscheinlich. Die Priorität der ukrainischen Regierung liegt auf der Neu- und Weiterentwicklung anderer Raketen wie der Neptun, deren neueste Version kürzlich zum ersten Mal gegen eine russische Ölraffinerie eingesetzt wurde. Wahrscheinlicher ist, dass die Ukraine ihre alten Tochka-U in einem aufwendigen Prozess zerlegt, mit neuem Brennstoff ausstattet und wieder zusammensetzt.

Auf dem Schlachtfeld dürfte die Tochka-U den Ukrainern noch immer gute Dienste leisten. Die zwei Tonnen schwere Feststoffrakete hat eine Reichweite von mehr als 110 Kilometern und kann einen 1.000 Kilogramm schweren Sprengkopf ins Ziel bringen. Zum Vergleich: Mit ihren Himars-Systemen kann die Ukraine bis zu 150 Kilometer weit feuern. ATACMS-Raketen schaffen zwar bis zu 300 Kilometer, doch davon hat die US-Regierung unter Joe Biden der Ukraine nur wenige Exemplare geliefert.

Doch die Wiederaufbereitung der alten Tochka-U-Raketen ist nicht ungefährlich. Raketen mit Flüssigbrennstoff werden erst kurz vor dem Start betankt und sind daher einfacher zu transportieren und zu warten. Feststoffraketen wie die Tochka-U tragen ihren Brennstoff dagegen immer mit sich, um im Ernstfall schnell einsatzbereit zu sein. Der Nachteil ist, dass es schon im Normalbetrieb zu Unglücken mit Feststoffraketen kommen kann. Je nach Lagerbedingungen wächst diese Gefahr mit der Zeit noch, da sich die chemischen Eigenschaften des Brennstoffs verändern können.

Ukraine arbeitet an Nachfolgerin der Tochka-U

Die Wiederaufbereitung der Tochka-U-Raketen erfolgt offenbar im Juschmasch-Industriekomplex in der Stadt Dnipro. An dem Standort werden seit 1944 Waffen produziert, auch die erste sowjetische Atomrakete wurde dort gefertigt. Wie "Forbes" berichtet, lässt die ukrainische Regierung in Dnipro auch eine Nachfolgeversion der Tochka-U entwickeln, die Hrim-2. Sie soll das Land unabhängiger machen von westlichen Systemen wie ATACMS.

Die Hrim-2 soll bis zu 700 Kilometer weit fliegen und fast 500 Kilo Sprengstoff tragen können. Nach Angaben des Militärexperten Fabian Hoffmann soll sie einen Sprengkopf bekommen, der eine ähnliche Durchschlagskraft hätte wie der in Deutschland entwickelte Marschflugkörper Taurus. Unklar ist, wie weit fortgeschritten die Entwicklung der Hrim-2 ist. Bestätigte Berichte über Einsätze der Rakete gibt es bislang nicht. Trotzdem ist es nicht verwunderlich, dass Russland wiederholt versucht hat, das Raketenwerk in Dnipro zu zerstören.

Schon im April 2023 behauptete der Kreml, die Tochka-U-Fabrik in Dnipro bei einem Raketenangriff zerstört zu haben. Im November desselben Jahres feuerte Russland eine Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik auf die Stadt ab. Die Bilder vom Einschlag der einzelnen Gefechtsköpfe lösten auch im Westen Besorgnis aus. Doch laut "Forbes" hat die Ukraine beschädigte Gebäude auf dem Juschmasch-Komplex wieder aufgebaut und die Anlagen dort räumlich weiter verteilt. Putins Truppen in der Ukraine dürften also weiter von Waffen getroffen werden, die einst im eigenen Land produziert wurden.

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