"Anweisungen lauteten, alle zu töten" Tatverdächtiger von Würzburg hörte wohl Stimmen

Fast ein Jahr nach dem tödlichen Messerangriff in Würzburg hat der Prozess vor dem Landgericht begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 33-Jährigen mehrfachen Mord vor. Ob er schuldfähig war, ist fraglich.
Der Messerstecher von Würzburg handelte nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft aus Hass. "Der Beschuldigte nutzte die Arg- und Wehrlosigkeit dieser Opfer bewusst aus", sagte Oberstaatsanwältin Judith Henkel von der Generalstaatsanwaltschaft München am Freitag zu Prozessbeginn.
"Er handelte in feindseliger Willensrichtung, und es kam ihm gerade darauf an, den Opfern keine Chance zu geben, sich gegen ihn zur Wehr zu setzen." Der Mann habe zudem Stimmen in seinem Kopf gehört, die ihn angewiesen hätten, sich in einem Kaufhaus ein Messer zu beschaffen: "Die Anweisungen der Stimmen lauteten schlichtweg, alle zu töten – zuerst im Geschäft und anschließend draußen."
Henkel schilderte vor dem Landgericht Würzburg die dramatischen Minuten am Tattag, dem 25. Juni 2021. Es gilt als erwiesen, dass der Flüchtling kurz nach 17.00 Uhr in dem Kaufhaus drei Frauen tötete. Vier weitere Frauen, ein damals 11-jähriges Mädchen und ein 16-Jähriger überlebten die Attacke schwer verletzt. Zudem gab es drei Leichtverletzte. Einer der Angegriffenen bleibt unversehrt.
33-Jähriger soll schon zuvor auffällig gewesen sein
Die Generalstaatsanwaltschaft München wirft dem 33-Jährigen unter anderem Mord in drei Fällen, versuchten Mord in elf Fällen und gefährliche Körperverletzung vor. Der Prozessauftakt fand in Veitshöchheim bei Würzburg in einer Veranstaltungshalle statt, um einen coronakonformen Verlauf zu ermöglichen.
Bis Ende September könnte das Schwurgericht in dem sogenannten Sicherungsverfahren verhandeln. Der Somalier, der 2015 erstmals in Deutschland registriert wurde und seither mehrmals wegen psychischer Probleme aufgefallen war, soll nach dem Willen der Generalstaatsanwaltschaft in einer Psychiatrie unterkommen – womöglich lebenslang. Er war zwei Gutachtern zufolge bei der Tat wohl schuldunfähig und könnte für die Allgemeinheit dauerhaft gefährlich sein.
Zuletzt wohnte der 33-Jährige in einer Obdachlosenunterkunft in Würzburg. Zum Prozessauftakt wirkte er verloren, wohl wegen des Medieninteresses an ihm, aber wohl auch, weil er nach Angaben seines Verteidigers Medikamente nimmt. Er sei 1989 geboren, sagte er vor dem Landgericht. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, an welchem Tag dies gewesen sei, sagte der 33-Jährige mithilfe einer Übersetzerin: "Ich meine, mich zu erinnern, dass meine Mutter gesagt hat, im Dezember."
- Nachrichtenagentur dpa