Polizei veröffentlicht Fotos Frau hält Stiefsohn jahrelang in "Haus des Schreckens" gefangen

Eine Frau sperrt ihren Stiefsohn jahrelang in einem Haus ein. Dem inzwischen erwachsenen Mann gelingt die Flucht. Unter welchen schockierenden Bedingungen er hauste, machte nun die Polizei bekannt.
Die Polizei von Waterbury im US-Bundesstaat Connecticut hat Dutzende Fotos von dem Haus veröffentlicht, in dem eine Frau mehr als 20 Jahre lang ihren Stiefsohn misshandelt haben soll. Die Aufnahmen zeigen die erbärmlichen Bedingungen, unter denen der Mann gelebt hat: Demnach sperrte ihn seine Stiefmutter in einem winzigen Zimmer ein. In seinem verzweifelten Versuch, dem Martyrium zu entkommen und seine Freiheit wiederzuerlangen, zündete er das Haus an. Mehr dazu lesen Sie hier.
Die Fotos, die am Montag von der Polizei von Waterbury veröffentlicht wurden, zeigen mehrere Räume in dem Haus. Zu sehen ist, dass dort Unordnung herrscht. Schmutz und Unrat verteilen sich in mehreren Zimmern. Zudem sind infolge des Brandes einige Wände verkohlt. In dem baufälligen Gebäude sind auch Berge von Kleidung und Schutt verstreut. Eine ausgebrannte Kommode mit noch mehr Kleidung ist mit Ruß und Asche bedeckt.
Zu sehen sind auch mehrere beschädigte Türen. An einer wurde das Türschloss offenbar mit Sperrholz verstärkt. Es sei noch unklar, ob es sich dabei um den kleinen Raum handelte, in dem der Mann angeblich jahrzehntelang eingesperrt war, berichtet die "New York Times".
Die Fotos wurden von der Polizeibehörde nach einer Anfrage der amerikanischen Nachrichten-Webseite "CT Insider" zur Veröffentlichung bereitgestellt und dort auch zuerst gezeigt.
Tatverdächtige beteuert ihre Unschuld
Nachdem der inzwischen 32-jährige Mann von der Feuerwehr aus den Flammen gerettet wurde, erzählte er der Polizei, dass seine Stiefmutter, die 57-jährige Kimberly Sullivan, seit seinem elften Lebensjahr seine "grausame Kerkermeisterin" gewesen sei. Sullivan, die im März verhaftet worden war und gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 300.000 Dollar (rund 278.000 Euro) wieder freigelassen wurde, beteuert ihre Unschuld. Ihr werden unter anderem Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Misshandlung vorgeworfen.
Ihr Stiefsohn, dessen Identität nicht öffentlich bekannt ist, sagte den Ermittlern, dass ihm die meiste Zeit seines Lebens regelmäßig Nahrung und Wasser vorenthalten wurden. Um am Leben zu bleiben, habe er manchmal aus der Toilette getrunken. Als Kind sei er oft so ausgehungert gewesen, dass er seinen Klassenkameraden das Mittagessen stahl oder Lebensmittelreste aus Mülltonnen gegessen habe.
Schulmitarbeitern fiel das Verhalten des Jungen schließlich auf. Daraufhin wurde die Kinder- und Familienbehörde eingeschaltet, die Sullivan Anfang der 2000er-Jahre zweimal besuchte. Laut einem Bericht der Zeitung "The Connecticut Post" war das gefangen gehaltene Opfer bei den Ermittlungen damals "gesund" gewesen. Die Frau nahm ihren Stiefsohn danach von der Schule. Er kehrte nie dorthin zurück.
Seine verfaulten Zähne beim Essen zersplittert
Nach dem Tod seines leiblichen Vaters im Jahr 2024 sei das Martyrium des Opfers noch schlimmer geworden: Bis er das Feuer legte, sei er fast 24 Stunden am Tag in dem winzigen provisorischen Raum eingesperrt gewesen. Ob der Vater die Handlungen von Sullivan gebilligt hatte, ist bislang nicht bekannt.
Das Opfer schilderte weiter, dass die Stiefmutter ihm mit Ausgangssperren und komplettem Nahrungsentzug gedroht habe, wenn er jemandem erzählt hätte, was sich im Haus abspielte. Das habe ihn davon abgehalten, Hilfe zu holen.
Der Mann habe sich auch selbst die Haare geschnitten, sich seit Jahren nicht gewaschen und sei nie bei einem Zahnarzt gewesen. Seine verfaulten Zähne seien manchmal zersplittert, wenn er in die geringen Essensportionen, die ihm zugeteilt wurden, biss. Meistens seien das ein oder zwei Sandwiches pro Tag gewesen.
Das Opfer war völlig abgemagert
Als er am 11. März aus den Flammen gezogen wurde, habe er nur noch 30 Kilogramm gewogen, hieß es. Der Polizeichef von Waterbury, Fernando Spagnolo, bezeichnete die Einzelheiten in dem Fall als "erschütternd". Er sagte, in seinen 33 Dienstjahren habe er noch nie erlebt, dass ein Mensch derart schlimm behandelt worden sei. Das Haus bezeichnete er als "Haus des Schreckens".
Die leibliche Mutter des Opfers, Tracy Vallerand, war anwesend, als Sullivan in der vergangenen Woche vor Gericht auf nicht schuldig plädierte. Sie bezeichnete es als "ekelerregend", der mutmaßlichen Peinigerin ihres Sohnes so nahe zu sein. Warum die Frau offenbar jahrelang keinen Kontakt zu ihrem Sohn hatte und nicht wusste, dass er an einem "geheimen Ort" festgehalten wurde, ist ebenfalls noch unklar. Sie habe erst von der Polizei erfahren, was vorgefallen war. Die Ermittlungen dauern an.
- nypost.com: "Connecticut ‘house of horrors’ revealed for first time as pictures show squalid hellhole where stepmom allegedly abused stepson for decades" (Englisch)
- ctinsider.com: "Waterbury police release photos of conditions inside home where man was held captive for decades" (Englisch. Bezahlschranke)
- ctpost.com: "Victim held captive in Waterbury home was 'healthy' when police investigated in 2005, reports show" (Englisch)