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AfD-Politikerin Andrea Zürcher wegen Freiheitsberaubung verurteilt


Frühere Weidel-Mitarbeiterin
AfD-Politikerin wegen Freiheitsberaubung verurteilt


Aktualisiert am 02.04.2025 - 21:58 UhrLesedauer: 3 Min.
Andrea Zürcher: Die Bundestagskandidatin bei den beiden jüngsten Wahlen stand in Waldshut-Tiengen wegen Freiheitsberaubung vor Gericht.Vergrößern des Bildes
Andrea Zürcher: Die Bundestagskandidatin bei den beiden jüngsten Wahlen stand in Waldshut-Tiengen wegen Freiheitsberaubung vor Gericht. (Quelle: Andreas Haas/imago-images-bilder)
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Urteil gegen eine langjährige Vertraute von AfD-Chefin Alice Weidel: Die AfD-Mitarbeiterin ist selbst kriminell geworden, um einen Angriff auf ihren Sohn aufzuklären.

Andrea Zürcher, mehrfache AfD-Bundestagskandidatin und frühere Mitarbeiterin der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel, muss wegen Freiheitsberaubung und versuchter Nötigung eine Geldstrafe zahlen. Am Amtsgericht Waldshut-Tiengen wurde sie am Mittwoch zu 50 Tagessätzen à 60 Euro verurteilt. Sie hat demnach einen Bekannten ihres Sohnes mit einer Schreckschusswaffe in ihrer Gewalt gehalten. Zürcher kann gegen das Urteil noch vorgehen.

Der eigentliche Vorfall hat eine Vorgeschichte: Bei einer nächtlichen Auseinandersetzung vor einer Spielhalle wurde ihr Sohn im November 2023 von mehreren Personen angegriffen. Zürcher war ihm offenbar zu Hilfe geeilt und dann mit ihm nach Hause gefahren. Wegen dieser Vorgeschichte laufen auch nach Auskunft der Staatsanwaltschaft gegen zwei Personen noch Ermittlungen, weitere mögliche Beteiligte sind unbekannt.

Dort klingelte es später an der Tür. Laut Staatsanwaltschaft stand dort, der in den Vorfall vor der Spielhalle involviert war, ein Bekannter ihres Sohnes. Der heute 20-Jährige wollte demnach erklären, dass er mit dem Angriff nichts zu tun hatte. Zürcher soll daraufhin laut Staatsanwaltschaft das Verhalten gezeigt haben, das sie schließlich vor Gericht brachte: Sie habe den Mann in die Wohnung gezogen, eine Schreckschusswaffe in die Hand genommen.

Anklage: Zürcher hielt Mann ohne rechtfertigenden Grund fest

Sie wollte so von ihm die Namen der Angreifer erfahren. "Über einen nicht unerheblichen Zeitraum" habe sie den Mann "ohne rechtfertigenden Grund" in ihrer Wohnung festgehalten – Freiheitsberaubung. Der 20-Jährige sagte im Gericht als Zeuge aus: "Es war das erste Mal, dass ich mit einer Knarre bedroht wurde." Die mit Sonnenbrille erschienene Zürcher ließ die Vorwürfe über ihren Anwalt zurückweisen, der Anwalt forderte Freispruch.

Das Gericht glaubte aber dem Zeugen. Die Waffe sei zumindest kurze Zeit auf ihn gerichtet gewesen, er habe keinen Grund für eine Falschaussage. Das Gericht verhängte schließlich die Geldstrafe. Auf das Delikt stehen bis zu fünf Jahre Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Auf eine Anfrage von t-online reagierte Zürcher zunächst nicht. Sie hatte im Februar zum zweiten Mal für den Bundestag kandidiert. Dabei war sie im Wahlkreis Waldshut mit 18,5 Prozent* knapp hinter dem SPD-Kandidaten auf dem dritten Platz gelandet. Damit lag Zürchers persönliches Ergebnis leicht unter dem Zweitstimmenanteil der AfD, die in dem Wahlkreis auf 19,1 Prozent gekommen ist.

Sie war zwei Jahre lang Referentin der AfD-Parteivorsitzenden Alice Weidel und danach in der Landespolitik für AfD-Abgeordnete tätig. Der Kreis Waldshut, wo sie für die AfD auch Mitglied des Kreistags ist, führt die gelernte Bürokauffrau als Parlamentarische Mitarbeiterin, sie betreut offenbar vor allem Auftritte in den sozialen Medien.

Ärger über Arzt, Bericht über Anschlag

Sie ist selbst dort rege mit oft polarisierenden Inhalten unterwegs. Auf TikTok, wo sie besonders aktiv war, ist ihr Account allerdings nicht mehr erreichbar. Überregional hatte Aufsehen erregt, dass in einem Video in ihrem Kanal ein Flyer mit dem Konterfei eines Grünen-Wettbewerbers in ihrem Wahlkreis verbrannt wurde, während dazu der AfD-Wahlkampfsong "AfD, Deutschland braucht die AfD" erklang. Schlagzeilen hatten auch ihre Schilderungen gemacht, ihr Hausarzt wolle sie wegen ihres AfD-Engagements nicht mehr behandeln.

Im Mai 2021 machte sie zudem publik, dass sie Ziel eines Anschlags geworden sei. Auf der Terrasse sei sie mit einer Stahlkugel beschossen worden, aber unverletzt geblieben. Ein entsprechendes Ermittlungsverfahren wurde eingestellt, ein Täter konnte nicht ermittelt werden.

Der AfD gehört sie nach ihren Angaben seit 2016 an. Zu der Zeit war sie Mitorganisatorin von "Merkel muss weg"-Demos im Bodenseeraum. Im Wahlkreis Konstanz war sie Vize-Vorsitzende, ehe sie im Mai 2022 an die Spitze des Kreisverbands Waldhut gewählt wurde: Das Amt gab sie im Januar 2023 aber vorzeitig wieder ab.

*Wir hatten an dieser Stelle zunächst 8,5 Prozent geschrieben. 18,5 Prozent sind richtig.

Verwendete Quellen

Quellen anzeigenSymbolbild nach unten

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