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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Kuschel-Talk bei "Caren Miosga" Klingbeil: "Merz hat mir das Du angeboten"

Bei Caren Miosga erzählt der SPD-Vorsitzende, dass er sich mit Friedrich Merz jetzt duzt. Kritik an Saskia Esken nennt er "unfair", um die USA sorgt er sich.
"Ist auf Trumps Amerika noch Verlass?" – Mit dieser wohl eher rhetorisch gemeinten Frage hatte Caren Miosga ihren Sonntagabendtalk überschrieben. Bevor es um Weltpolitik ging, befragte sie ihren Stargast Lars Klingbeil aber erst mal 20 Minuten zu den laufenden schwarz-roten Koalitionsverhandlungen.
Ins Schwitzen kam der SPD-Vorsitzende dabei nicht. Vielmehr durfte er davon erzählen, dass er nach der Wahl über den Unions-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz "das ein oder andere neu gelernt" habe. "Ein Vertrauensverhältnis ist gerade dabei zu wachsen", berichtete Klingbeil.
Zudem habe ihm Merz das Du angeboten, was er natürlich gerne angenommen habe. "Er hat mir in der Woche jetzt das Du angeboten. Also drei Tage duzen wir uns jetzt. Das fiel dann sofort am Freitag bei den Koalitionsverhandlungen natürlich allen auf und war für manche eine große Meldung", so Klingbeil. Auch ihre unterschiedlichen Fußball-Präferenzen (Merz: Dortmund, Klingbeil: Bayern) stellten kein Problem dar.
Die Gäste
- Lars Klingbeil (SPD), Partei- und Fraktionsvorsitzender
- Florence Gaub, Politikwissenschaftlerin
- Rieke Havertz, Journalistin "Zeit Online"
Streitpunkte wie die von Merz initiierte gemeinsame Bundestags-Abstimmung von Union und AfD zur Migrationspolitik seien inzwischen ausgeräumt, erklärte Klingbeil. "Das wird nicht noch mal passieren", zeigte er sich überzeugt.
Seine eigene Entscheidung, neben dem SPD-Partei- auch den Fraktionsvorsitz zu übernehmen, sei am Wahltag selbst gefallen, versicherte er. Und selbstverständlich sei Saskia Esken in diese Entscheidung eingebunden gewesen. Die von Caren Miosga angesprochene parteiinterne Kritik an seiner Co-Vorsitzenden nannte er "unfair", er arbeite "eng und vertrauensvoll" mit ihr zusammen. Mit Verweis auf einstige Intrigen gegen Martin Schulz und Andrea Nahles nannte er sich "ein gebranntes Kind", er wolle nicht, dass "Leute fertig gemacht werden".
Einmal fragt Miosga kritisch – und attestiert der SPD "Chuzpe"
Einen Hauch von Kritik legte Caren Miosga in ihre Frage, mit "welcher Chuzpe" die SPD angesichts ihres miserablen Bundestagswahlergebnisses von 16,4 Prozent in den Koalitionsverhandlungen so "kompromisslos und unnachgiebig" auftrete.
Hier konterte Klingbeil mit Verweis auf Zugeständnisse, die seine Partei in der Migrationspolitik – Stichworte: mehr Grenzkontrollen, mehr Zurückweisungen, eingeschränkter Familiennachzug – bereits gemacht habe. Und er verwies auf Veränderungen, die am Bürgergeld vorgenommen werden sollten. Es sei der Eindruck entstanden, die SPD würde sich zu sehr um die kümmern, "die Geld vom Staat bekommen, und zu wenig um die, die jeden Tag fleißig sind und arbeiten gehen". Das werde jetzt korrigiert.
Beim Streitthema Steuern, welche die SPD für Vielverdiener erhöhen will, was die Union ausschließt, während aber gleichzeitig die Unternehmenssteuern gesenkt werden sollen, gab sich Klingbeil ausweichend: "Alles, was im Koalitionsvertrag steht, muss finanziert sein", sagte der Parteichef lediglich.
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Zu den von der Moderatorin angesprochenen Personalfragen – ob Klingbeil Finanzminister werde, ob Boris Pistorius Verteidigungsminister bleibe? – hielt er sich ebenfalls bedeckt. Es benötige eine stabile Regierung, es stehe viel auf dem Spiel, "es muss gelingen, wir sind dazu verdammt", fasste er seine Sicht auf die Koalitionsverhandlungen zusammen.
Was Trump in Sachen Ukraine will? "Das Thema vom Tisch haben"
Mit einem Einspielfilm über die US-amerikanisch-russischen Verhandlungen zu einem möglichen Waffenstillstand in der Ukraine leitete Miosga dann zur Titelfrage und in die erweiterte Runde über.
Angesichts nachträglich formulierter Bedingungen der russischen Seite wie der Aufhebung des Embargos für Landwirtschaftstechnik sowie des Wiederanschlusses an das internationale Zahlungsnetz SWIFT zeigte sich die Politikwissenschaftlerin Florence Gaub überzeugt, dass Kremlchef Wladimir Putin in Wahrheit keinen Waffenstillstand wolle. Vielmehr habe er es darauf abgesehen, weitere Gebiete zu erobern. "Und was will Trump?", wandte sich die Moderatorin an die "Zeit Online"-Journalistin Rieke Havertz. Die antwortete knapp: "Das Thema vom Tisch haben."

Auch auf die Frage nach der Befähigung des US-Sondergesandten Steve Witkoff hatte Havertz eine bündige Einschätzung parat: "Es befähigt ihn nichts außer der Loyalität zu Trump." Düster beurteilte sie die Verlässlichkeit des Nato-Partners USA: Diese sei "nicht mehr gegeben", so die Co-Gastgeberin des Podcasts "OK, America?".
Mit dem SPD-Vorsitzenden war sie sich darin einig, dass man sich dennoch nicht von den Vereinigten Staaten abwenden solle. "Wir müssen die Hand immer ausgestreckt lassen", forderte Klingbeil, der zugleich bekannte, sich um die USA zu sorgen. Der Eklat zwischen Donald Trump, Wolodymyr Selenskyj und J. D. Vance im Oval Office habe ihn "richtig geschockt, man hat ja mitgelitten".
Dass in der Konsequenz Europa eigenständiger werden müsse, war in der Runde Konsens – verbunden mit der Selbstkritik, sich zu lange "zurückgelehnt" (Klingbeil) und auf den Schutz der Amerikaner vertraut zu haben.
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Florence Gaub, Forschungsdirektorin an der Nato-Militärakademie in Rom, brachte am meisten Verständnis für die Positionen der Trump-Administration auf.
Sie vermutete, dass nicht nur ein Gefühl des Ausgenutztwerdens die neue Distanz zu Europa befördert habe. Sondern auch der Umstand, dass die USA nicht mehr die militärischen Kapazitäten für einen Zwei-Fronten-Krieg hätten – sich aber verstärkt auf die strategische Bedrohung durch China konzentrieren müssten.
- ARD: Sendung "Caren Miosga" vom 30. März 2025