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US-Strafzölle: Berechnung löst bei Experten Kopfschütteln aus


"Ausgemachter Blödsinn"
US-Strafzölle lösen bei Experten Kopfschütteln aus

Von t-online, mk

Aktualisiert am 03.04.2025 - 16:23 UhrLesedauer: 3 Min.
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US-Präsident Donald Trump präsentiert eine Tabelle mit angeblichen Zöllen anderer Länder auf US-Waren: Die zugrunde liegende Rechnung wird infrage gestellt. (Quelle: Mark Schiefelbein/AP/dpa/dpa-bilder)
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Die US-Regierung verweist auf eine komplizierte mathematische Formel als Grundlage für ihre Strafzölle. Doch Experten sind nicht überzeugt.

Praktisch über Nacht hat Donald Trump einem Großteil der Welt den Handelskrieg erklärt. Dutzende Länder, aber auch einzelne Territorien und die EU als Ganzes hat der US-Präsident mit Strafzöllen belegt. Die Spannbreite liegt zwischen 10 und 50 Prozent. Das wirft die Frage auf: Wie kommt die Regierung in Washington eigentlich auf diese Zahlen?

Besonders dringlich dürfte sich diese Frage in Vietnam, Sri Lanka, Myanmar und Kambodscha stellen. Auf Waren aus diesen Ländern erheben die USA künftig Importabgaben zwischen 44 und 49 Prozent. Nur für das französische Überseegebiet Saint-Pierre und Miquelon sowie den südafrikanischen Kleinstaat Lesotho liegen die Strafzölle mit 50 Prozent noch höher. Für die meisten anderen Länder gelten Zölle zwischen 10 und 40 Prozent, während andere wie Russland, Belarus und Nordkorea von Strafzöllen verschont bleiben.

US-Regierung präsentiert komplizierte Formel

Die US-Regierung behauptet, dass ihren Strafzöllen angebliche Zölle der betroffenen Länder zugrunde liegen, "inklusive manipulierter Wechselkurse und Handelsbarrieren". Die US-Strafzölle liegen dann etwa in halber Höhe dieser behaupteten Zölle der Gegenseite. So erhebt Kambodscha angeblich Zölle auf US-Waren in Höhe von 97 Prozent, geteilt durch zwei, entspricht das annähernd den 49-Prozent-Zöllen der USA für Waren aus Kambodscha. Dass die US-Zölle nur etwa halb so hoch sind, bezeichnet die US-Regierung als "Nachlass".

In der Summe würden die Zölle dazu führen, die jeweiligen Handelsbilanzdefizite der USA auf Null zu senken, heißt es aus Washington. Den angeblichen Zöllen der betroffenen Länder liegt dem US-Finanzministerium zufolge eine genaue Berechnung zugrunde, die auch Faktoren wie Steuern und Regulierungen in den jeweiligen Ländern berücksichtigt.

In einer Mitteilung präsentierte das Finanzministerium eine komplizierte mathematische Formel mit vielen griechischen Buchstaben und Sonderzeichen. Doch tatsächlich ist die Rechnung hinter den Zöllen wohl viel simpler als behauptet – und lässt obendrein viele Faktoren außer Acht.

"Gebracht hat es ihnen auch nichts"

So hat der US-Finanzjournalist James Surowiecki am Beispiel von Indonesien vorgerechnet, wie die Trump-Regierung offenbar auf die 64 Prozent kommt, die Indonesien angeblich an Zöllen auf US-Waren erhebt. Die Zahl 0,64 kommt nämlich heraus, wenn man das US-Handelsbilanzdefizit gegenüber Indonesien in Höhe von 18 Milliarden US-Dollar durch den 28 Milliarden Dollar Warenwert der indonesischen Exporte in die USA teilt.

Dieses Schema scheint bei allen Ländern angewendet worden zu sein, die mehr in die USA exportieren als von dort importieren. Gegen Länder mit einem Handelsbilanzdefizit gegenüber den USA wurden einfach pauschal Strafzölle in Höhe von zehn Prozent erhoben. "Was für ein ausgemachter Blödsinn", schrieb Surowiecki auf X. Die Höhe der US-Strafzölle seien völlig willkürlich.

Die Wirtschaftsexpertin Trinh Nguyen sagte dem Sender CNBC, dass es der US-Regierung weniger darum gehe, tatsächliche Handelsbarrieren in anderen Ländern zu kontern, als darum, mehr US-Waren im Ausland abzusetzen. Dafür seien Strafzölle allerdings keine gute Option, da die Kaufkraft in den am stärksten von den Zöllen betroffenen Ländern deutlich schwächer sei als in den USA.

"Vietnam zum Beispiel, das den vierthöchsten Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA hat, hat seine Zölle auf US-Waren schon vor der jüngsten Zollrunde abgebaut", erklärt Nguyen. "Gebracht hat es ihnen aber auch nichts."

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