Unbewohntes Gebiet Trump erhebt Zölle für Inseln, auf denen nur Pinguine leben

Trumps Liste an Ländern, die künftig Zölle an die USA zahlen sollen, ist lang. Wie die Auswahl zustande kam, lässt sich zumindest in diesem Fall nicht nachvollziehen.
Die antarktische Inselgruppe der Heard- und McDonaldinseln dient als Rückzugsort für Vögel, Robben und Kaiserpinguine – ein Naturschutzgebiet weitab jeglicher Zivilisation. Trotz ihrer nahezu übersehenen Existenz und der ungestörten Tierwelt scheint es nun, als sollten auch diese Inseln Strafzölle an den US-Präsidenten Donald Trump zahlen.
Im Zuge des von Trump ausgerufenen "Befreiungstags" für die amerikanische Wirtschaft verkündete der Präsident ein umfassendes neues Zollpaket. Am Mittwoch mussten nahezu alle Länder feststellen, dass sie auf der langen Liste der Strafzölle verzeichnet sind. Nur wenige Ausnahmen blieben verschont – darunter ausgerechnet Russland und Nordkorea. Umso größer war das Erstaunen über andere Namen auf der Liste.
Zölle auf unbewohnte Inseln
Wie es die Heard- und McDonaldinseln auf Trumps Liste geschafft haben, bleibt rätselhaft. Offiziell gelten sie als Außengebiet Australiens, sind jedoch nur über eine zweiwöchige Schiffsreise ab Perth erreichbar. Die Inseln sind unbewohnt, der letzte bekannte menschliche Besuch liegt vermutlich fast zehn Jahre zurück. Dennoch sollen – ebenso wie für Australien – künftig Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Waren von dort erhoben werden.
Nach der Verkündung der neuen Maßnahmen äußerte sich am Donnerstag Australiens Premierminister Anthony Albanese: "Nirgendwo auf der Welt ist man sicher." Die Heard- und McDonaldinseln gehören zu mehreren australischen Außengebieten, die auf Trumps Zollliste separat aufgeführt werden.
Millionenimporte von unbewohnter Insel
Obwohl es auf der Insel keine Bewohner und keine Infrastruktur gibt, zeigen Daten der Weltbank, dass die USA im Jahr 2022 Produkte im Wert von rund 1,4 Millionen US-Dollar von den Inseln importierten – fast ausschließlich "Maschinen und Elektrogeräte", wie es im Bericht heißt. In den fünf Jahren zuvor lagen die Importwerte zwischen 15.000 und 325.000 US-Dollar pro Jahr.
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Der britische "Guardian" hat das Weiße Haus, das australische Außen- und Handelsministerium sowie die australische Antarktisabteilung um Stellungnahmen gebeten. Bislang ist jedoch unklar, wie es zu den Statistiken kam.
Weitere kuriose Fälle
Auch bei anderen Territorien größerer Länder, die wegen ihrer geographischen Lage häufig eigene Zollregelungen haben, als eigenständige Handelsakteure, gibt es Kuriositäten. Ein Zollsatz von 29 Prozent auf Einfuhren aus der abgelegenen und kaum bevölkerten Norfolkinsel im pazifischen Ozean etwa gab nun Australiens Premierminister Anthony Albanese Rätsel auf.
"Als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, war die Norfolkinsel ein Teil Australiens", sagte er. Australien soll aber nur zehn Prozent Zoll zahlen. "Ich bin mir nicht sicher, was die Hauptexportgüter der Norfolkinsel in die Vereinigten Staaten sind und warum sie herausgegriffen wurden, aber sie wurden herausgegriffen", sagte Albanese weiter.
Ähnlich erging es dem französischen Übersee-Territorien Saint-Pierre-et-Miquelon vor der Ostküste Kanadas, das 50 Prozent Aufschlag zahlen soll. Für Frankreich und die EU sind es 20 Prozent. Für Exporte aus Französisch-Polynesien im südlichen Pazifik wiederum gelten nur zehn Prozent.
- guardian.com: "Donald Trump says he’ll impose tariffs on uninhabited Antarctica, Heard and McDonald Islands" (Englisch)