Im Onlineshop Discounter verkauft Panikräume und Gasmasken

Norma entdeckt die Marktlücke im Katastrophenschutz. Die Produktpalette ist groß, die Preise reichen von 200 bis 12.000 Euro.
Kein echter Waffenstillstand in Sicht in der Ukraine, Israel startet wieder Angriffe auf Gaza, die Franzosen rechnen mit einem Konflikt mit dem Iran, und Deutschland rüstet für viele Milliarden Euro auf: Es geht kriegerisch zu in aller Welt, und die Sorge der Menschen wächst. Auch viele Deutsche wollen sich auf Notlagen vorbereiten und finden beim Kauf notwendiger Ausrüstung zurzeit einen ungewöhnlichen Partner – den Discounter Norma.
Norma ist bekannt für seine Filialen, die hauptsächlich Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs anbieten. Online ist im sogenannten Non-Food-Geschäft (zu Deutsch: alles außer Lebensmittel) aber eine große Bandbreite an günstigen Produkten zu haben – auch im Segment Katastrophenschutz.
Panikraum ist in Panzerstahl lieferbar
Ein Beispiel: Ein Atemschutz-Katastrophenset mit Gasmaske und Filter für 209 Euro verspricht "Schutz gegen organische Gase und Dämpfe, anorganische Gase und Dämpfe, Schwefeldioxid und Ammoniak sowie Partikel giftiger und hochgiftiger Stoffe". Mario Piejde, technischer Leiter des Schutzraumspezialisten, berichtet in der "Lebensmittel Zeitung": "Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben wir stark steigendes Interesse an unseren Produkten festgestellt und nach neuen Absatzkanälen gesucht."

Aber nicht nur kleinere Produkte wie das Atemschutz-Set oder ein Notfallrucksack der Firma BSSD sind online bei Norma zu haben. Ganze Panikräume können Interessierte hier erstehen, Kostenpunkt etwa 12.000 Euro. In dem Pop-up-Raum (zu Deutsch: leicht überall aufzubauen) ist in der günstigsten Variante Baustahl verbaut, für einen Aufpreis kann er auch in Panzerstahl geliefert werden. "Dieser bietet eine Beschusssicherheit von Kaliber 9 Millimeter bis zu 44-Magnum und ist stark einbruchshemmend", heißt es in der Produktbeschreibung.
Ob Norma die Produkte tatsächlich gut verkauft, ist nicht bekannt. Der Panikraum ist derzeit um rund 20 Prozent reduziert worden. Auch der bei Norma angebotene Panzerdeckel-Notausstieg ging von 3.999 Euro auf 2.799 herunter. Wolfgang Stütz, Leiter Zentraleinkauf und Mitglied der Geschäftsleitung bei Norma, rechtfertigte in der "Lebensmittel Zeitung" die Experimentierfreudigkeit des Discounters. "Wir testen auch Artikel, die etwas ungewöhnlich sind. Deshalb kommen immer wieder neue Lieferanten auf uns zu."
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Was für Norma noch ein Nischenmarkt ist, könnte bald zum Milliardengeschäft werden, glaubt der BSSD. Spätestens wenn das Bundesamt für Bevölkerungsschutz, wie angekündigt, ein Handbuch mit empfohlenen Zivilschutzmaßnahmen für den Notfall herausgibt (lesen Sie hier mehr dazu), werde das Interesse seiner Meinung nach sprunghaft ansteigen. Die unsichere Weltlage führe bereits zu einem Umdenken in Deutschland, sagt Piejde.
- lebensmittelzeitung.net: "Nonfood: Warum Norma online auch Panikräume verkauft" (kostenpflichtig)
- norma24.de: "BSSD Defence Popup Panikraum BS226"