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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Hartnäckiger Milbenbefall Ist bei Krätze eine Spontanheilung möglich?
Bei Krätze auf Spontanheilung warten und so die Therapie hinauszögern: Dies ist aus mehreren Gründen keine gute Idee. Welche das sind, erfahren Sie hier.
Krätze (Fachbegriff: Skabies oder Scabies) ist eine Hautkrankheit, die sich typischerweise durch starken Juckreiz und entzündliche Hautveränderungen bemerkbar macht. Ursache ist ein Befall mit Krätzmilben: Das sind winzige Parasiten, die sich – meist durch direkten Hautkontakt – von Mensch zu Mensch übertragen. Mehr dazu erfahren Sie hier:
- Krätze erkennen: Diese Symptome verursachen Krätzmilben
- Lästige Hautinfektion: Worin Krätze ihre Ursache hat
Für gewöhnlich bringt ein geeignetes Medikament gegen Krätze bei richtiger Anwendung schnelle Heilung. Wer jedoch hofft, von selbst zu genesen, riskiert, dass die ansteckende Krankheit chronisch verläuft und sich ausbreitet. Nur ganz vereinzelt heilt Krätze nach mehreren Jahren von allein ab.
Bei Krätze ist die Chance auf Spontanheilung somit gering. Das liegt vor allem daran, dass Krätzmilben auf den Menschen als Wirt spezialisiert sind. Sie können dauerhaft in dessen Haut leben und dort immer wieder neue Milbengenerationen hervorbringen:
- Nach Übertragung der Krätzmilben bleiben die Männchen auf der Hautoberfläche, wo sie nach unbefruchteten Weibchen suchen.
- Nach der Begattung sterben die Männchen. Die befruchteten Weibchen graben sich indessen in die oberste Hautschicht und bohren dort tunnelförmige Gänge.
- In diesen Milbengängen verbringen die Weibchen ihr restliches Leben und legen täglich ein bis drei Eier ab.
- Aus den Eiern schlüpfen nach zwei bis vier Tagen Larven, die an die Hautoberfläche kommen und sich binnen etwa drei Wochen zu fortpflanzungsfähigen Milben entwickeln.
- Die neue Generation Krätzmilben paart sich auf der Hautoberfläche, womit der Kreislauf von vorn beginnt.
Das bedeutet: Ohne wirksame Therapie vermehren sich die Krätzmilben. Ihre Anzahl steigt aber für gewöhnlich nur in den ersten Monaten und sinkt dann wieder. Zu verdanken ist dies natürlichen Abwehrmechanismen gegen Krätze. Für eine Spontanheilung reicht es zwar nicht, doch immerhin für die Beseitigung einiger Milben, sodass die Haut im Schnitt nur noch von rund zehn geschlechtsreifen Milbenweibchen gleichzeitig befallen ist:
- Kratzen kann die Krätzmilben zum Teil mechanisch beseitigen oder töten. Der Drang, sich zu kratzen, kommt von dem starken Juckreiz, der bei Krätze infolge von Abwehrreaktionen des angeborenen und erworbenen Immunsystems auf den Parasitenbefall entsteht.
- Einen Teil der Krätzmilben kann das Immunsystem direkt beseitigen – zumindest über die erworbene Abwehrreaktion, die sich gezielt gegen bestimmte Eiweiße der Milben richtet. Diese setzt nach der ersten eher allgemeinen Abwehr durch das angeborene Immunsystem ein und entspricht einer verzögerten allergischen Reaktion vom Spättyp.
Natürliche Abwehrmechanismen können Krätze nicht heilen
Wer ein gut funktionierendes Immunsystem hat, verfügt also wenigstens über einen gewissen Schutz vor Krätzmilben. Doch in der Regel kann auch die gezielte Immunreaktion gegen Krätze weder eine Heilung herbeiführen noch eine erneute Ansteckung verhindern.
Dies führt zu einem weiteren Grund dafür, dass bei Krätze eine Spontanheilung unwahrscheinlich ist: Betroffene können sich selbst (und enge Kontaktpersonen) ohne wirksame Behandlung nämlich immer wieder anstecken – zum Beispiel über bereits benutzte (und gemeinsam genutzte) Bettwäsche, Handtücher oder Kleidung.
Mitwirkung aller Kontaktpersonen ist wesentlich
Darum empfehlen Fachleute, immer sofort ein ärztlich verordnetes Mittel gegen Krätze anzuwenden – und zwar gleichzeitig bei allen Betroffenen und deren engen Kontaktpersonen: Nur dann stehen die Chancen auf Heilung gut. Wichtig ist zudem, nach der Therapie
- sofort Bettwäsche, Handtücher und getragene Kleidung zu wechseln und die benutzten Textilien zu waschen,
- möglicherweise vorhandene Krätzmilben auch von anderen Textilien (wie Stofftieren) und von Gegenständen zu beseitigen sowie
- mindestens 36 Stunden lang auf Kuscheln, Sex und andere enge Körperkontakte zu verzichten.
- Lesen Sie hierzu auch "So lässt sich Krätze wirksam behandeln" und "Bei Krätze Wohnung reinigen – so machen Sie es richtig".
Übrigens: Auch Krätzmilben auf der Hautoberfläche lassen sich durch Waschen beseitigen – jedoch nicht Milben und Eier in der Haut. Bei intensiver Körperpflege ist der Befall dennoch mitunter so gering, dass er kaum Hautveränderungen hervorruft: Dies ist auch bekannt als gepflegte Krätze. Eine Spontanheilung der Hautkrankheit ist allerdings selbst bei extremer Hygiene äußerst unwahrscheinlich.
Vollständige Heilung kann etwas dauern
Wenn alle Beteiligten das ihnen verordnete Mittel gegen Krätze richtig anwenden und die Hygienetipps gewissenhaft umsetzen, stehen die Chancen auf Heilung gut: In der Regel ist die Ansteckungsgefahr bereits 36 Stunden nach wirksamer Behandlung vorbei – auch wenn die Haut noch länger juckt und gerötet ist. Sofern es nicht zu einem erneuten Befall kommt, sind die Symptome aber normalerweise nach spätestens sechs Wochen verschwunden.
- Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
- "Skabies (Krätze)". Online-Informationen von AMBOSS: www.amboss.com (Stand: 26.7.2024)
- "Skabies (Krätze)". Online-Informationen von Deximed: deximed.de (Stand: 18.7.2024)
- "Das angeborene und das erworbene Immunsystem". Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 12.7.2023)
- "Krätze (Skabies)". Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 9.3.2022)
- Sunderkötter, C., et al.: "Epidemiologie, Diagnostik und Therapie der Skabies". Deutsches Ärzteblatt, Jg. 118, Heft 41, S. 695–704 (15.10.2021)
- "Krätzmilbe". Online-Informationen des Umweltbundesamts: www.umweltbundesamt.de (Stand: 4.3.2019)
- "Skabies (Krätze) – RKI-Ratgeber". Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 1.6.2016)
- Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e. V. (DDG): "Diagnostik und Therapie der Skabies" (PDF). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/052 (Stand: 31.1.2016)