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Was Meinungen von Nachrichten unterscheidet.Müllers Aus hinterlässt Fragen Sein Wortbruch entlarvt Bayerns Krise

Der Umgang mit Thomas Müller bei dessen nun beschlossenem Abschied hinterlässt Fragen beim FC Bayern. In deren Zentrum steht auch ein anderer: Sportvorstand Max Eberl.
Zumindest war es Thomas Müller vorbehalten, sein nach 17 Profijahren und einem Vierteljahrhundert insgesamt nun feststehendes Aus als Spieler des FC Bayern selbst offiziell zu verkünden. Das ganz große Debakel haben er und die Verantwortlichen damit gerade noch einmal abgewendet, obwohl Müllers bevorstehender Abschied bereits in den vergangenen Tagen an die Öffentlichkeit durchgesickert war.
Müller wählte größtenteils versöhnliche Worte in seinem über die sozialen Netzwerke verbreiteten emotionalen Abschiedsbrief (mehr dazu lesen Sie hier). Der Rekordspieler (743 Pflichtspiele) und Champions-League-Sieger von 2013 und 2020 sowie Weltmeister von 2014 verteilte gleichzeitig aber noch zwei verbale Spitzen.
Müller stellte noch einmal klar, dass er in seiner aktuellen Rolle gerne auch noch ein weiteres Jahr für seinen Herzensklub gespielt hätte und schrieb: "Auch wenn dies nicht meinen persönlichen Wünschen entsprach, ist es wichtig, dass der Verein seinen Überzeugungen folgt." Genauso betonte er, dass ihm "das Hin und Her in der Öffentlichkeit während der vergangenen Wochen und Monate verständlicherweise nicht gefallen" habe.
Die Causa Müller hinterlässt Fragen
Die Causa Müller hinterlässt tatsächlich einige Fragen. Etwa die, ob man so mit einem der verdientesten Spieler der Klubgeschichte umgehen kann und all das noch dem stets von den Oberhäuptern der vermeintlichen Bayern-Familie gepredigten "Mia-san-mia"-Gedanken entspricht. Unter anderem die beiden ehemaligen Kapitäne Thomas Helmer und Lothar Matthäus hatten beides zuletzt mit einem klaren Nein beantwortet. Man kann sie durchaus verstehen. Das war nicht Bayern-like.
Denn das Müller-Aus beim FC Bayern ist jetzt zwar ein Ende mit Schrecken und kein Schrecken ohne Ende geworden. Ein unwürdiges ist es trotzdem – sowohl für Müller, aber vor allem auch für den FC Bayern.
Eberl steht jetzt als Lügner da
Von Müllers Spitzen dürften sich nun vor allem Sportvorstand Max Eberl und Ehrenpräsident Uli Hoeneß angesprochen fühlen. Eberl hatte Müller schließlich noch am 10. Januar gesagt: "Thomas braucht ja nicht groß zu verhandeln. Wenn er sagt, er hat Lust weiterzumachen, dann werden wir uns in die Augen schauen, dann schauen wir uns den Kader an, und dann wird es weitergehen. Das wird wahrscheinlich das kürzeste Gespräch." Weil der Verein Müller aber gar kein Vertragsangebot mehr gemacht hat, muss sich Eberl jetzt den Vorwurf gefallen lassen, sein Wort gebrochen zu haben. Er steht in der Öffentlichkeit jetzt quasi als Lügner da.
Den von ihm ausgestellten vermeintlichen Freifahrtschein zur Vertragsverlängerung hatte Hoeneß schon Ende Februar ausgerechnet bei der Premiere der Thomas-Müller-Doku "Einer wie keiner" wieder einkassiert. "Den Thomas beim FC Bayern zu behalten, den würde ich in fünf Jahren noch gerne hier haben. Aber es kann auf die Dauer nicht die Lösung sein, dass er bei uns auf der Bank sitzt. So ein Karriereende würde ich ihm nicht wünschen", sagte er damals t-online.
Das sei Müllers großer Karriere "nicht würdig". Und konkret zu der von Eberl zur Formsache erklärten Vertragsverlängerung sagte Hoeneß: "Das weiß ich nicht. Ich glaube schon, dass der FC Bayern und Thomas Müller gemeinsam eine Entscheidung treffen müssen, denn wir sind ja nicht auf dem Basar, wo jeder machen kann, was er will."
Dass Eberl das beim FC Bayern schon längst nicht mehr gestattet ist, wurde bereits in den vergangenen Wochen und Monaten mehr und mehr deutlich. Unter anderem auch bei dem zwischenzeitlich vom Aufsichtsrat zurückgezogenen Vertragsangebot an Joshua Kimmich, auf das sich Eberl bereits mit dem Spieler verständigt hatte. Oder auch im Zuge der kostspieligen Vertragsverlängerung mit Alphonso Davies. Die finalen Verhandlungen führte in all diesen genannten Fällen schon nicht mehr Eberl, sondern Jan-Christian Dreesen. Der Vorstandsboss war es auch nun, der im brisanten Fall Müller noch eine für (fast) alle Seiten gesichtswahrende Lösung erwirkte.
Er wird den Bayern fehlen
Der Rekordmeister wird Müller zukünftig jedenfalls mit Sicherheit nicht nur auf dem Platz vermissen, sondern vor allem auch daneben. Als inoffizieller Außenminister hat "Radio Müller" mit seinem ihm nach wie vor eigenen Charme als bayerischer Lausbub in den vergangenen beiden Jahrzehnten schließlich so manche Krise der Bayern stets souverän wegmoderiert. Mit diesem Paket, das Müller verkörpert, ist er zweifellos einzigartig – einer wie keiner eben. Nicht umsonst werben die Münchner aktiv um ihn als zukünftigem Bayern-Boss.
Dass dem Rekordmeister als solcher ein echter Kommunikationsprofi, wie Müller es ist, gut zu Gesicht stehen würde, hat der Umgang mit dem Abschied der Klublegende noch einmal allen deutlich vor Augen geführt. Müller weiß jetzt aus eigener Erfahrung zumindest schon mal, welche Fehler er als möglicher zukünftiger Verantwortlicher in solchen Fällen besser nicht machen sollte. Auf die hätte er aber ganz sicher gerne verzichtet.
- Eigene Meinung
- Mixed-Zone-Gespräch mit Uli Hoeneß am 26. Februar bei der Filmpremiere "Thomas Müller – Einer wie keiner"
- Aussagen von Max Eberl bei der Pressekonferenz am 10. Januar