Jones Fashion aus Österreich "Ich möchte den Schlussstrich aus eigener Kraft ziehen"

Die österreichische Modekette Jones macht nach mehr als 50 Jahren Schluss. Der Gründer und Chef erklärt, woran der einstige Branchenpionier gescheitert ist.
Nach 53 Jahren hat sich die österreichische Modekette Jones aus dem stationären Handel verabschiedet. Wie der "Standard" berichtet, schließt das Wiener Unternehmen Ende Juni alle 30 eigenen Filialen, darunter 20 in Österreich. Auch zehn franchisegeführte Shops und mehr als hundert Verkaufsstellen im gehobenen Fachhandel sind vom Rückzug betroffen.
Grund für das Aus seien gestiegene Kosten, ein verändertes Kaufverhalten sowie die anhaltende Wirtschaftsflaute, wie Firmenchef Gabor Rose erklärte. Bereits 2019 und erneut 2023 hatte Jones Insolvenz anmelden müssen.
Rose begründete den Schritt in einer Erklärung mit der angespannten wirtschaftlichen Lage. "Trotz intensiver Sparmaßnahmen ist es uns nicht gelungen, eine tragfähige Lösung für die Zukunft von Jones zu erarbeiten." Bereits um das Unternehmen wirtschaftlich stabil zu halten, hätte der Umsatz jährlich um 15 Prozent steigen müssen. "Das trauen wir uns nicht zu", sagte Rose dem "Standard".
Mehr als fünf Jahrzehnte Mode für die Mittelklasse
Gegründet wurde Jones 1972 von Gabor Rose, der mit seiner Familie aus Budapest (Ungarn) nach Wien gekommen war. Anfangs produzierte er Blusen, später baute er ein Franchisesystem auf und expandierte ins Ausland. Die Marke stand für gehobene Damenmode im mittleren Preissegment – ein Bereich, der zunehmend unter Druck geraten ist.
Jones setzte über Jahrzehnte auf einen gepflegten Business-Look. Doch mit dem Verschwinden von Dresscodes und dem Trend zur Freizeitmode verlor dieser Stil zunehmend an Relevanz. Hinzu kamen Online-Konkurrenz, inflationsbedingte Kaufzurückhaltung und stark gestiegene Kosten für Mieten, Energie und Personal.
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Laut Rose war ein Weiterbetrieb unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich: "Ich möchte den Schlussstrich aus eigener Kraft ziehen." Ziel sei eine saubere Abwicklung ohne Schulden. Die Gläubigerquoten aus der Insolvenz 2023 werde das Unternehmen vollständig bedienen.
Neue Eigentümer, veränderter Markt
Die Jones-Filialen werden ab Sommer von drei anderen Modeunternehmen übernommen. "More & More", ein in München gegründetes und inzwischen in türkischem Besitz befindliches Unternehmen, ist bereits in 16 Ländern aktiv und sichert sich drei bis vier Standorte in Österreich. "Liberty Fashion" stammt ebenfalls aus Deutschland und war bislang nur mit einer Filiale in Innsbruck vertreten. Das Unternehmen plant, mindestens sieben weitere Flächen zu übernehmen. Dritter Käufer ist das Salzburger Modelabel "Musterzimmer", das mit dem Schritt nach Wien expandiert.
70 der zuletzt 107 Mitarbeitenden haben laut Rose gute Chancen, bei den Nachfolgern übernommen zu werden. Die restlichen wolle man bei der Jobsuche unterstützen.
Besonders prominente Lagen, wie der Flagship-Store am Graben im Zentrum Wiens, bleiben zunächst ohne Nachmieter. Laut Rose seien solche Innenstadtlagen inzwischen kaum noch finanzierbar.
Symbol für den Wandel in der Modebranche
Jones ist nicht das einzige Modeunternehmen, das in den vergangenen Jahren aufgeben musste. Die Branche steckt seit längerem in der Krise: Palmers, Esprit, Gössl und zuletzt Gerry Weber meldeten Insolvenz an. Die Verkaufsflächen im stationären Modehandel sind allein in Österreich in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent geschrumpft.
Die preisliche Mitte, in der sich Jones positionierte, wird laut Handelsexperten zunehmend zerrieben: zwischen Billigketten, die über Onlineplattformen skalieren, und hochpreisigen Labels mit starker Markenbindung. Zudem geben viele Konsumenten ihr Geld heute lieber für Reisen oder Gastronomie aus als für Kleidung.
Rose zieht dennoch ein versöhnliches Fazit: "Es war eine schöne Zeit, für die wir dankbar sind." Gemeinsam mit seiner Frau wolle er sich nun erst einmal eine längere Pause gönnen – zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Doch aus dem halben Jahrhundert Jones Fashion gebe es noch vieles, was sie verarbeiten müssten: "Noch ist der Kopf für Neues nicht frei."