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Wie Neu-Trainer Marco Rose Gladbach umkrempelt


Pressing, Power, Tempo
Wie Neu-Trainer Rose Gladbach umkrempelt

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Aus Rottach-Egern berichtet Alexander Kohne

Aktualisiert am 24.07.2019Lesedauer: 4 Min.
Aktiv an der Seitenlinie: Gladbachs neuer Coach Marco Rose.Vergrößern des Bildes
Aktiv an der Seitenlinie: Gladbachs neuer Coach Marco Rose. (Quelle: imago-images-bilder)
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Mit Marco Rose hat sich Gladbach einen der begehrtesten Trainer auf dem Markt gesichert. Er steht für einen spektakulären neuen Stil – und eine furiose Balljagd. Bisher läuft es für ihn beinahe zu glatt.

„Halt. Stopp. Du musst dahin laufen“ – diese Worte fallen im Training von Borussia Mönchengladbach derzeit sehr oft. Um dem Team seine Spielphilosophie einzuimpfen, unterbricht der neue Trainer Marco Rose die Einheiten auffallend oft, erklärt und veranschaulicht dabei mit vollem Körpereinsatz. Teilweise hat das Ganze den Charakter eines Taktik-Seminars. Aber Rose lässt seine Jungs auch richtig schwitzen. Im am vergangenen Sonntag beendeten Trainingslager in Rottach-Egern am Tegernsee dauerten einige Einheiten weit über zwei Stunden.

Der neue Gladbacher Stil

Und das ist auch nötig, denn Rose will den Gladbachern einen neuen Stil verpassen. Kapitän Lars Stindl beschreibt diesen gegenüber t-online.de so: „Es geht um aktiven Fußball, Pressing und schnelles Vertikalspiel.“ Blitzschnelles Umschalten, aggressives Pressing und Gegenpressing, spektakulärerer Hochgeschwindigkeitsfußball – das soll die Borussia in Zukunft auszeichnen. "Ich setze sehr auf Aktivität in allen Spielphasen", verdeutlicht Rose und ergänzt: „Wir wollen sehr aktiv gegen den Ball arbeiten, viel sprinten, das sind Dinge, die die Mannschaft in dieser Form so zuletzt nicht hatte.“

Bisher klappt das auffallend gut, denn vier von fünf Testspielen haben die Gladbacher gewonnen. Während des Trainingslagers am Tegernsee wurde der türkische Vizemeister Basaksehir mit 5:1 förmlich überrannt und auch beim 2:1 gegen Rayo Vallecano zeigte das Team gute Ansätze. Kein Wunder, dass um den neuen Trainer und seine Ideen ein regelrechter Hype entstanden ist. Gladbach-Manager Max Eberl ist daran nicht ganz unschuldig. Nach der Verpflichtung des neuen Trainers, der mit RB Salzburg zuletzt zweimal österreichischer Meister wurde und in der Europa League unter anderem Borussia Dortmund und RB Leipzig das Fürchten lehrte, sagte der Gladbach-Boss im ZDF-Sportstudio: „Es hat sich ergeben, dass ein sehr, sehr interessanter Trainer auf den Markt gekommen ist.“ Deshalb habe er die Chance genutzt, um „langfristig einen neuen Weg zu gehen.“ Trotz einer durchwachsenen Rückrunde lagen die Fohlen zu diesem Zeitpunkt wohlgemerkt auf Platz fünf der Tabelle mit guten Chancen, die Champions-League-Qualifikation zu schaffen. Trotzdem entschied sich Eberl für Rose – und gegen den von ihm geschätzten Dieter Hecking.

Bewährtes aus der Hecking-Ära soll bleiben

Das zeigt: Für Eberl geht es um etwas Grundsätzliches. Er will das Team neu ausrichten, weiß aber auch, dass das nicht von heute auf morgen geht: „Der neue Trainer ist kein Magier. Es kann schnell gehen, bis alle Rädchen ineinandergreifen, vielleicht dauert es aber auch länger.“

Trotz des frischen Windes, den Rose mit nach Gladbach gebracht hat, will er nicht alles auf den Kopf stellen. Bewährte Elemente aus der Hecking-Ära sollen weiter ihren Platz haben. „Sich nur über Pressing zu definieren, ist mir zu wenig. Wenn der Gegner hintendrin steht, müssen wir ja auch etwas mit dem Ball anfangen können“, verdeutlicht Rose. Sein Kapitän Stindl ergänzt: „In bestimmten Situationen sind auch andere Dinge gefragt sind: Dass man mal Ballbesitz hat, Ruhe ins Spiel bringt und dann den Umschaltmoment findet. Beide Stile zusammenzubringen, wird die große Kunst sein.“

Rose und sein Team

Um das hinzubekommen, baut Rose auf ein vertrautes Team – aus Salzburg hat er seine Co-Trainer Alexander Zickler und René Maric mitgebracht. Und die haben besondere Aufgaben: Ex-Bayern-Star Zickler ist speziell für die Offensivkräfte zuständig, Maric für die Taktik – und dass, obwohl er erst 26 Jahre ist. Zuvor war Maric führender Autor beim Online-Taktikportal „Spielverlagerung.de“ und hat es über Umwege in den Profi-Fußball geschafft. Für ihn ist die Bundesliga Neuland – ebenso wie für Athletiktrainer Patrick Eibenberger und Stefan Lainer, die Rose ebenfalls aus Salzburg mitgebracht hat.


Mit zwölf Millionen Euro ist Stefan Lainer teuerster Neuzugang der Gladbacher – und eine hochinteressante Verpflichtung. Mit 26 Jahren spielt der 15-fache österreichische Nationalspieler erstmals außerhalb seiner Heimat und soll über die rechte Defensivseite ordentlich Dampf machen. Im Trainingslager zeigte er diesbezüglich bereits gute Ansätze. Ganz anders steht es bei Breel Embolo (für zehn Millionen Euro aus Schalke gekommen), der in Rottach-Egern größtenteils individuell trainierte und nach seiner schweren Fußverletzung langsam ans Team herangeführt werden soll. Nach nur 48 Bundesligaspielen in den vergangenen drei Jahren für Schalke will der 22-jährige Angreifer endlich mal langfristig verletzungsfrei bleiben, um sein großes Potenzial auszuschöpfen.

Weltmeister-Sohn jetzt im Gladbach-Trikot

Großes Potenzial hat auch Marcus Thuram. Außerdem trägt er einen prominenten Nachnamen. Der 21-jährige Sohn des französischen Welt- und Europameisters Lilian Thuram wurde erst am Montag für neun Millionen Euro vom französischen Erstligaabsteiger EA Guingamp verpflichtet.


Er soll auf der linken offensiven Außenbahn für Belebung sorgen – genau da, wo vorher Thorgan Hazard gewirbelt war. Den Belgier zog es für rund 25,5 Millionen Euro zu Borussia Dortmund. Sein Abgang schmerzt und soll gemeinsam ausgeglichen werden: „Es wird nicht eine einzige Person geben, die ihn ersetzt. Jeder hat dafür bestimmte Qualitäten“, verdeutlicht Stindl. Ob die Gladbacher nun stärker oder schwächer als in der vergangenen Saison sind, will der Kapitän allerdings nicht eindeutig beantworten. Sicher ist bisher nur, dass Trainer Rose auch in den nächsten Tagen oft das Training unterbrechen wird. Denn bis zum Pflichtspiel-Start in zweieinhalb Wochen im DFB-Pokal gegen den SV Sandhausen gibt es noch viel zu tun.

Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen vor Ort
  • Kicker: Alles bleibt anders (Print-Ausgabe von 18. Juli 2019, S. 2-3)

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