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Berlin: Eine Münze entschied über das Rathaus von Friedrichshain-Kreuzberg


Politik mit "Glücksspielcharakter"
Als ein Fünfmarkstück über ein Berliner Rathaus entschied


04.04.2025 - 09:39 UhrLesedauer: 2 Min.
Fotomontage Münzwurf von Friedrichshain-KreuzbergVergrößern des Bildes
Fünf Mark und zwei Bezirksrathäuser (Fotomontage): Im Jahr 2000 lagen Kreuzberg und Friedrichshain im Clinch. (Quelle: Imago)
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Vor 25 Jahren: Zwei Rathäuser streiten sich über die Berliner Betriebsgebietsreform. Sie beenden den Streit mithilfe eines Fünfmarkstücks.

Der damalige Baustadtrat von Berlin-Kreuzberg, Matthias Stefke, erinnert sich. Hoch flog das Fünfmarkstück nicht – sagt er im Gespräch mit t-online in Gedanken an diese Sitzung vor genau 25 Jahren. Als der Heiermann auf dem Boden aufkam, hatten die Bezirksämter von Kreuzberg und Friedrichshain nach langen und ergebnislosen Debatten endlich eine Entscheidung: Das Rathaus des zusammengelegten Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg wird fortan in Friedrichshain liegen. "Das war einmalig. Nach meiner Erinnerung hat es so etwas seither nicht mehr gegeben", sagt Matthias Stefke heute.

Es war der 4. April 2000. Ein knappes Jahr später machte Berlin aus 23 Bezirken zwölf. Doch zwischen dem alten West-Berliner Kreuzberg und dem alten Ost-Berliner Friedrichshain kam keine Einigung zustande. Zur Frage, was zwischen den Verhandlungspartnern stand, zitierte der "Tagesspiegel" am Tag nach dem Münzwurf den damaligen Friedrichshainer Jugendstadtrat mit den Worten: "Befindlichkeiten auf beiden Seiten, die sich aufgetürmt haben."

Adler oder Zahl: "Ja, das kann man so machen"

In Anbetracht dieser Pattsituation tickte die Uhr besonders schnell. "Irgendwann musste es eine Entscheidung geben, weil die Verwaltungen Sicherheit brauchten, wie es für sie weitergeht", sagt Stefke 25 Jahre später. Wer genau die Idee für den Münzwurf hatte und aus wessen Hand das Geldstück in die Luft geschnippt wurde, kann er mit dem Abstand eines Vierteljahrhunderts nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Auch nicht, wer welche Seite der Münze wählte.

Aufschluss darüber geben die wenigen frei zugänglichen Presseberichte, die sich heute noch finden. Demnach war es offenbar der Friedrichshainer Bürgermeister Helios Mendiburu, der auf Zahl setzte. Sein Kreuzberger Gegenpart Franz Schulz habe es mit dem Bundesadler versucht, der auf der Rückseite jedes Fünfmarkstücks prangte. So zumindest legen es alte Presseberichte nah.

Bevor es ernst wurde, habe man sich noch beim Rechtsamt erkundigt, ob ein Münzwurf eine adäquate Lösung zur Entscheidungsfindung sei, sagt Matthias Stefke heute: "Die Antwort lautete: 'Ja, das kann man so machen.'" Geworfen habe Kreuzbergs Rechtsamtsleiter das Fünfmarkstück, wie "Welt" und "Tagesspiegel" später schrieben – mit dem bekannten und bis heute gültigen Ergebnis.

Es folgte eine Diskussion über angebliches "Glücksspiel"

Die Diskussionen zwischen den Bezirken waren damit aber keineswegs vorbei. Der Kreuzberger CDU-Fraktionschef etwa sagte laut "Berliner Zeitung", für vergleichbare Situationen sei unter bestimmten Voraussetzungen ein Losverfahren vorgesehen. "Aber eine Münze zu werfen, das kann man in der Kneipe machen", ärgerte sich der Christdemokrat.

Matthias Stefke lässt das im Rückblick kalt. Einen Unterschied sieht er zwischen einem Losentscheid und einem Münzwurf nämlich nicht. Beide Verfahren seien sich "ja vom Glücksspielcharakter her ähnlich", sagt er. "Das nimmt sich nichts."

Aus einer entscheidenden Partie Schach wurde angeblich nichts

Aus einer anderen kuriosen Idee soll dagegen nichts geworden sein: Angeblich war auch eine Entscheidungspartie Schach im Gespräch, um den künftigen Rathausstandort auszuspielen. Doch der Friedrichshainer Rathauschef Mendiburu habe sich an eine vorherige Niederlage gegen den Kreuzberger Schulz erinnert, wusste der "Tagesspiegel" seinerzeit zu berichten. Und so fiel die Wahl auf das Fünfmarkstück.

Für Matthis Stefke war das auch nach 25 Jahren die richtige Methode: "Im Nachhinein hat die Entscheidung einer Prüfung der Senatsverwaltung standgehalten. Und dann war es eben so."

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