"Hat mich sehr befremdet" Witwe von Walter Lübcke kritisiert Merz scharf
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Die Aussage von Friedrich Merz über den ermordeten Walter Lübcke stößt auf scharfe Kritik. Jetzt meldet sich die Witwe zu Wort.
Das Wahlkampfgetöse am Vorabend des Wahlsonntags scheint dem Unionskanzlerkandidaten Friedrich Merz auf die Füße zu fallen. Unter lautstarkem Protest aus der Zivilgesellschaft hielten die Unionsparteien am Samstag im Münchener Löwenbräukeller ihren Wahlkampfabschluss ab. Merz richtete daraufhin das Wort direkt an die Demonstranten vor dem Gebäude: "Ich frage mal die Ganzen, die da draußen rumlaufen, Antifa und gegen rechts: Wo waren die denn, als Walter Lübcke in Kassel ermordet worden ist von einem Rechtsradikalen?"
Nun meldet sich die Witwe des ermordeten CDU-Politikers, Irmgard Braun-Lübcke, zu Wort. Sie sagte der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen", dass Merz' Äußerung sie und ihre Familie "sehr befremdet" habe und sie das "so nicht stehen lassen" wolle.
Tausende demonstrieren für Demokratie
Ihr sei es wichtig, klarzustellen, dass es entgegen der Aussage von Merz nach der Ermordung ihres Mannes "ein starkes, gesellschaftlich breites Bekenntnis zu unserer Demokratie und unseren Werten gab". Damals seien Tausende Menschen auf die Straßen gegangen – in Wolfhagen, wo Lübcke lebte, in Kassel sowie in vielen anderen Städten und Orten in ganz Deutschland.
Ein breites Bündnis aus Linken, Liberalen und Konservativen habe sich damals "klar gegen Gewalt, Hass und Hetze sowie eindeutig für Demokratie, Freiheit und Menschlichkeit positioniert. Dies gab uns als Familie sehr viel Kraft und zeigte, wir sind nicht allein", so die Witwe des Verstorbenen.
Sie warb darum, dass man sich gerade in Zeiten, in denen die Demokratie unter Druck gerate, ein Beispiel an ihrem Mann nehmen solle. Ziel müsse es sein, gesellschaftliche Gruppen zusammenzuführen, um für gemeinsame Werte einzustehen.
Habeck nennt Merz einen Lügner
Auch Wirtschaftsminister Robert Habeck meldete sich zu Wort und bezichtigte den womöglich nächsten Kanzler Merz der Lüge. Am Sonntag sagte er über Merz: "Er hat gesagt, dass diejenigen, die jetzt gegen das Abstimmungsverhalten mit der AfD demonstrieren, sich nicht gegen den Mord an Walter Lübcke geäußert hatten – und das ist einfach eine Lüge. Wir waren damals alle da, und man muss sich fragen, ob die Union damals die richtigen Konsequenzen gegen rechts gezogen hatte. Das ist der eigentliche Skandal gewesen."
Walter Lübcke wurde 2019 von dem Rechtsextremisten Stephan Ernst auf der Veranda seines Wohnhauses durch einen Kopfschuss ermordet. Der Täter wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.
- Eigene Recherche
- hna.de: "Reaktionen auf Merz-Rede vor der Wahl: 'Ernsthaft verstörend'"