t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online - Nachrichten für Deutschland
Such IconE-Mail IconMenü Icon



HomePolitikAuslandInternationale Politik

USA: Deutsche Branchen von Donald Trumps Zöllen besonders betroffen


Donald Trumps Zollhammer
Diese deutschen Branchen trifft er besonders hart

Von t-online, jse

Aktualisiert am 03.04.2025 - 15:29 UhrLesedauer: 3 Min.
Donald Trump: Der US-Präsident verkündete die Zölle im Rosengarten des Weißen Hauses.Vergrößern des Bildes
Donald Trump: Der US-Präsident verkündete die Zölle im Rosengarten des Weißen Hauses. (Quelle: Evan Vucci)
News folgen

US-Präsident Trump verhängt drastische Zölle gegen die EU. Deutschlands Exportwirtschaft steht besonders unter Druck.

20 Prozent: So hoch sind die Zölle auf alle EU-Produkte, die US-Präsident Donald Trump am späten Mittwochabend deutscher Zeit verkündet hat. So gut wie jedes Land der Welt ist mit den neuen Zöllen belegt.

Als Exportnation trifft der Zollhammer Deutschland hart. 2023 ging jedes zehnte Exportgut aus Deutschland in die USA, der Wert der exportierten Waren lag bei fast 160 Milliarden Euro. Das Münchner ifo-Institut rechnet mit einem Rückgang der Ausfuhren in die USA von rund 15 Prozent. Diese Branchen und Unternehmen sind am stärksten betroffen.

Autoindustrie

Die USA sind der größte Absatzmarkt für deutsche Exportautos. 2024 lieferten deutsche Unternehmen 3,4 Millionen Pkw in die USA aus. Deren Wert: 135 Milliarden Euro. Kurz vor dem Zollhammer vom Mittwoch hatte Trump die Branche bereits mit Zöllen von 25 Prozent belegt. Es drohen Preissteigerungen von mehreren Tausend Euro pro Fahrzeug.

Der Ökonom Thomas Puls warnte bereits Ende März bei t-online, Trumps Zölle auf Autos und Fahrzeugteile würden weltweit in Lieferketten eingreifen und damit Verbraucher und Hersteller auf beiden Seiten des Atlantiks treffen.

Stark exponiert ist Porsche, da die Marke über keine eigenen Produktionskapazitäten in den Vereinigten Staaten verfügt. Gleichzeitig ist der US-Markt für Porsche von großer Bedeutung. Im Jahr 2024 gingen mehr als ein Viertel der Verkäufe nach Nordamerika.

Auch Zulieferer in Deutschland könnten stark betroffen sein. Internen Umfragen zufolge rechnen 86 Prozent der mittelständischen Betriebe mit negativen Folgen durch die Zölle – ein Drittel davon unmittelbar, rund die Hälfte über indirekte Effekte innerhalb der Lieferkette.

Viele deutsche Marken wie Mercedes oder BMW produzieren in Nordamerika, doch auch das ist problematisch. Denn selbst bei Autos "Made in the US" stammen viele Komponenten weiterhin aus anderen Ländern, insbesondere aus Mexiko oder Kanada.

Pharmabranche

Auch für deutsche Pharmakonzerne sind die USA der relevanteste Handelspartner. Allein 2024 exportierten sie Arzneimittel im Wert von rund 26,3 Milliarden Euro dorthin – rund ein Viertel der Gesamtausfuhren. Laut dem Bundesverband Pharmazeutische Industrie (BPI) zählen Bayer, Boehringer Ingelheim und zahlreiche kleinere Hersteller zu den Betroffenen. Die USA gelten mit 715 Milliarden Dollar Umsatz als weltweit größter Pharmamarkt, auf dem wegen hoher Medikamentenpreise besonders große Gewinne möglich sind.

In Deutschland beschäftigt die Branche rund 133.000 Menschen, rund 84 Prozent der Unternehmen sind kleinbetriebliche Hersteller. 2023 lag der Produktionswert bei 37,6 Milliarden Euro, exportiert wurden Waren im Wert von 113 Milliarden. Auch der deutsche Importmarkt könnte unter einem möglichen Handelskrieg leiden: Die USA liefern jährlich Arzneien im Wert von 12,4 Milliarden Euro nach Deutschland – darunter viele innovative Krebstherapien.

Maschinenbau

2023 war ein Rekordjahr für die Maschinenbauer. Die Branche exportierte ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr. Über den Atlantik lieferten deutsche Unternehmen Maschinen im Wert von fast 30 Milliarden Euro. Die US-Wirtschaft brummte, Bauprojekte wurden gefördert – Maschinen "made in Germany" waren gefragt. Die Zölle treffen diesen exportorientierten Wirtschaftszweig hart.

Moritz Kraemer, Chefvolkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sagt: "Baden-Württemberg ist überproportional betroffen." Deutsche Unternehmen hätten 2024 Waren im Wert von mehr als 160 Milliarden Euro in die USA exportiert - und damit deutlich mehr als in jedes andere Land. Die Exporte in die USA machten etwa 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. "Für Baden-Württemberg liegt dieser Wert bei um die 6 Prozent. Der Südwesten dürfte deshalb noch stärker leiden als Deutschland insgesamt."

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger warnt ebenfalls vor den Folgen von Trumps Politik. "Wenn sich die USA jetzt abschotten, steht für unsere heimische Wirtschaft viel auf dem Spiel", sagt er. "Je nach Unternehmen sprechen wir hier von Zusatzkosten sogar in dreistelliger Millionenhöhe. Betroffen sind insbesondere unsere Automobilhersteller und –Zulieferer, die Chemieindustrie sowie die Maschinenbauer."

Halbleiter

Deutschland verfügt über mehrere etablierte Unternehmen wie Infineon, Bosch, X-Fab und Siltronic. Damit gehört man zwar nicht zu den global führenden Halbleiterstandorten, beschäftigt aber immerhin rund 94.000 Menschen. Im Jahr 2024 exportierte Deutschland Halbleiter im Wert von 680 Millionen Euro in die USA – das entspricht etwa vier Prozent des gesamten Chipexports.

Viele der in Deutschland gefertigten Bauelemente fließen allerdings indirekt in den US-Markt, da sie in Fahrzeuge, Maschinen oder Elektroniksysteme integriert werden, die anschließend wieder exportiert werden. Von einem möglichen Handelskrieg könnte die Branche also gleich mehrfach betroffen sein.

Verwendete Quellen

Quellen anzeigenSymbolbild nach unten

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingAnzeigen

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
Meinung|Trumps Zölle gegen die Welt
Von Patrick Diekmann



Telekom