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Verhalten bei Gewitter: Fünf Irrtümer können tödlich enden


Verhalten bei Blitz und Donner
Irrtum oder Wahrheit? Bei Gewitter Zuflucht in einer Hütte suchen

dpa, ji, hs

Aktualisiert am 24.07.2024Lesedauer: 4 Min.
Blitzeinschlag in Nordrhein-Westfalen (Archivbild): Die Kinder im Pfingstlager in Soest bringen nur einen Schreck mit nach Hause.Vergrößern des BildesBlitzeinschlag in Nordrhein-Westfalen (Archivbild): Sind Sie zu Hause sicher? (Quelle: Thomas Rensinghoff/dpa)

"Buchen sollst Du suchen, Eichen sollst Du weichen" oder "Duschen ist bei Gewitter gefährlich": Das sind Ratschläge, sobald es anfängt zu donnern. Sollte man sie befolgen?

Es gibt viele Tipps, wie man sich bei einem Gewitter verhalten soll. Aber nicht alle sind wirklich sinnvoll. Wir haben fünf gängige Irrtümer zusammengetragen:

1. Irrtum: "Buchen sollst Du suchen, Eichen sollst Du weichen"

Stellen Sie sich während eines Gewitters keinesfalls direkt unter einen Baum, sondern halten Sie einen Abstand von etwa zehn Metern ein, um die Gefahr eines Überschlags möglichst gering zu halten. Die Volksweisheit "Buchen suchen, Eichen weichen" ist falsch, denn der Blitz macht keinen Unterschied zwischen verschiedenen Baumarten. Der Spruch entstand, da auf Buchenrinden nie sichtbare Zeichen eines Blitzeinschlages erkennbar waren. Das liegt jedoch nicht daran, dass der Blitz die Bäume meidet. Vielmehr ist die Rinde so glatt, dass der Regen, der bei einem Gewitter die Baumrinde herunterströmt, einen Wasserfilm bildet. Und dieser leitet den Strom des Blitzes direkt in die Erde. Der Stamm wird dabei nicht beschädigt.

Video | Richtiges Verhalten bei Unwetter: Das sollten Sie auf keinen Fall tun
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Quelle: t-online

Auch im Kontakt mit anderen Personen sollten Sie auf einen Abstand von mindestens einem Meter achten. Halten Sie sich auch von Masten, Metallzäunen oder anderen Bauten aus Metall fern, denn dort ist das Risiko für einen Blitzeinschlag ebenfalls sehr groß. Wer sich gerade an einem Badesee oder im Freibad aufhält, tut außerdem gut daran, sofort das Wasser zu verlassen, denn es besitzt eine hohe Leitfähigkeit.

2. Irrtum: Zuflucht in einer Schutzhütte suchen

Steht eine Schutzhütte auf freiem Feld, dann ist sie meistens der höchste Punkt in der Umgebung. Dort ist die Wahrscheinlichkeit für einen Blitzeinschlag erhöht. Suchen Sie nur dann Zuflucht in einer Schutzhütte, wenn sie mit einem Blitzableiter ausgestattet ist.

Können Sie kein sicheres Gebäude erreichen, dann sollten Sie möglichst einen niedrigen Punkt, beispielsweise eine Senke, auf dem freien Gelände suchen.

3. Irrtum: Bei Gewitter flach auf den Boden legen

Wenn Sie sich bei einem Gewitter im Freien aufhalten, dann ist es am sichersten, wenn Sie sich hinhocken – die Füße möglichst eng beieinander – und damit den Kontaktbereich zum Boden so gering wie möglich halten. Entgegen der landläufigen Meinung sollten Sie sich nicht auf den Boden legen. Auch breitbeiniges Stehen gilt es zu vermeiden.

4. Irrtum: Blitze schlagen nie zweimal an derselben Stelle ein

Blitze treffen vor allem hohe Gebäude oder Bäume. Wenn ein Ort schon von einem Blitz getroffen wurde, dann ist das keine Garantie, dass der Blitz hier nicht wieder einschlägt. Das Empire State Building in New York beispielsweise wird jedes Jahr um die 25 Mal vom Blitz getroffen. Orte, die für Blitzeinschläge bekannt sind, sollten Sie bei Gewitter besser meiden.

In Deutschland ist die kreisfreie Stadt Kempten im Allgäu der Ort mit den meisten Blitzeinschlägen, gefolgt von Ostallgäu und Garmisch-Partenkirchen, so der Siemens Blitzatlas (BLIDS). Aber auch in München und Potsdam sowie in Stuttgart ist die Blitzdichte sehr hoch. Ruhiger ist es in Brandenburg an der Havel, Hof und in Oldenburg.

5. Irrtum: Duschen und Telefonieren ist bei Gewitter unproblematisch

Auch Telefon-, Rohr- oder Stromleitungen sind vor Blitzen nicht sicher. Blitze können nämlich auch indirekt übertragen werden, wie beispielsweise durch feuchtes Gras oder Zäune. Vom Boden aus kann ein Blitz auf die Leitungen oder Rohre überspringen, sich darüber verteilen und schließlich jemanden treffen.

Deshalb kann es vorkommen, dass man beim Telefonieren mit schnurgebundenen Telefonen, an elektronischen Geräten, Antennenkabeln oder an Armaturen im Badezimmer einen kleinen elektrischen Schlag abbekommt. Dieser ist meist kaum spürbar, da der Blitz im Verlauf seines Weges immer mehr an Energie verliert. Sie sollten aber dennoch zur Sicherheit bei einem Gewitter das Duschen oder Baden unterlassen, auch wenn die Badewanne geerdet ist. Die Benutzung von Handys oder Funk-Headsets dagegen ist unproblematisch.

Vorbereitung auf ein Gewitter: Elektrogeräte schützen

Schon bei der Ankündigung eines Gewitters sollten Sie sich gut vorbereiten. In Haus und Wohnung ist es ratsam, alle Elektrogeräte wie Radios, DVD-Player, Computer und Fernsehgeräte vom Netz zu nehmen. Alternativ können Sie an jedem Stecker auch einen Überspannungsschutz gegen Blitzeinschlag installieren. Gerade bei teuren Geräten ist der Blitzschutz eine lohnende Investition, denn Schäden durch indirekte Blitzschläge sind nicht immer automatisch durch die Hausratversicherung abgedeckt.

Autos bieten Schutz vor Blitzen

Falls Sie gerade in Ihrem Auto sitzen und keinen Schutz in einem Gebäude suchen können, sollten Sie den Wagen nicht verlassen. Autos wirken als geschlossene Metallkonstruktionen nach dem Prinzip eines sogenannten faradayschen Käfigs wie Blitzableiter: Fahrzeuge können zwar vom Blitz getroffen werden, leiten diesen aber nach außen hin ab.

Trotzdem sollten Sie im Auto während des Gewitters möglichst nicht den Metallrahmen berühren und die Fenster geschlossen halten. Wenn Sie ganz auf Nummer sicher gehen möchten, sollten Sie den Wagen bei Gewitter aber besser anhalten, denn falls ein Blitz während der Fahrt in der Nähe einschlägt, könnten Sie sonst durch den Schreck einen Unfall verursachen.

Parken Sie Ihr Auto bei einem Gewitter am besten in einer Garage. Falls das nicht möglich ist, sollten Sie den Wagen nicht unbedingt unter Bäumen oder in der Nähe von Häusern abstellen, wo es durch herabstürzende Äste oder Dachziegel beschädigt werden könnte.

Vom Blitz getroffen – was tun?

Ein Blitzschlag kann zu ernsthaften Verletzungen wie beispielsweise Lähmungen, Verbrennungen, Gehirn- und Herzschädigungen führen. Oftmals bleiben davon Langzeitschäden zurück. Schlimmstenfalls tritt ein Herzstillstand ein. Dabei kommt es unter anderem darauf an, wie stark die Elektrizität ist, die durch den Körper fließt, an welcher Stelle des Körpers der Blitz eindringt, und ob das Opfer direkt oder indirekt (durch Überschlag von einem anderen Objekt) getroffen wird.

Wichtig sei es laut dem Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung (ABB) des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik Informationstechnik (VDE), schnell zu reagieren, den Rettungswagen zu rufen und dem Betroffenen Erste Hilfe zu leisten. Ist die Person nur leicht verletzt, bringen Sie sie an eine geschützte Stelle.

Um einem Schock vorzubeugen, sollte die Person viel trinken. Verletzungen oder Verbrennungen müssen sofort versorgt werden. Bringen Sie einen Bewusstlosen in die stabile Seitenlage. Wenn die Person einen Atem- oder Herzstillstand hat, sollten Sie direkt mit Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage beginnen.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Eigene Recherche
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