Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.
Was Meinungen von Nachrichten unterscheidet.Anlagetrend der Woche Die brisante 1.000-Euro-Aktie im Dax
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Die Landesbank Baden-Württemberg hat ebenso wie die Deka neue Fonds mit dem Schwerpunkt Verteidigung im Rennen. Sicherheit und Waffen sind en vogue.
Anlegerlieblinge an der Börse, das war früher eine klare Sache. Bei deutschen Anlegern lagen entweder Telekom, Allianz oder Mercedes vorn oder große Technologie-Unternehmen. Es dominierten Apple, Microsoft oder Google. Mittlerweile aber gibt es kaum noch einen Handelstag, an dem bei Lynx-Broker, bei der Börse München oder bei Smartbroker aus Berlin nicht die Aktie von Rheinmetall ganz oben auf der Liste steht.
Am Börsenplatz Gettex gab es 2025 bisher drei Aktien, die fast immer dominieren: der US-Chiphersteller Nvidia, der US-Softwarekonzern Palantir und eben – Rheinmetall. In der Fondsbranche wartet man derweil schon darauf, dass Rüstungskonzerne als ESG-konform (also konform mit ökologischen und sozialen Kriterien sowie Kriterien guter Unternehmensführung, Anm. d. Red.) gelabelt werden.
Bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und bei der Deka, der Wertpapierbank der Sparkassen, stehen zwei Fonds im Schaufenster, die sich mit Verteidigung beschäftigen. Bei der Deka heißt der Fonds "Security and Defense", zu Deutsch: Sicherheit und Verteidigung, bei der LBBW "Sicher leben". Für beide Fonds gilt, dass man "nur" in Rüstungsunternehmen westlicher Firmen investieren will.
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Zur Person
Daniel Saurenz ist Finanzjournalist, Börsianer aus Leidenschaft und Gründer von Feingold Research. Mit seinem Team hat er insgesamt mehr als 150 Jahre Börsenerfahrung und bündelt Börsenpsychologie, technische Analyse, Produkt- und Marktexpertise. Bei t-online schreibt er über Investments und die Lage an den Märkten. Sie erreichen ihn auf seinem Portal www.feingoldresearch.de. Alle Gastbeiträge von Daniel Saurenz lesen Sie hier.
Ethik – kompliziert …
Nun sind ethische Motive bei der Geldanlage immer eine komplexe Sache. Was für den einen gut ist, ist für den anderen schon verwerflich. Bayer ist mit seiner Katastrophenfusion mit Monsanto sicher kein Traum für viele Anleger. Ebenso wenig will man vielleicht wissen, wie und wo Adidas, Inditex oder Nestlé ihre Geschäfte machen und der Umwelt begegnen.
Vor allem aber kommen neue Fondsprodukte dann, wenn ein Trend auch schon sehr weit gelaufen ist. Rheinmetall hat seinen Firmenwert in den letzten vier Jahren nicht weniger als verzehnfacht. Trendfolgende Analysten setzen nun noch einen drauf. Denn Kursziele jenseits der 1.000-Euro-Marke sind im Dax rar gesät – doch Rheinmetall scheint fest entschlossen zu sein, diesen exklusiven Club zu betreten.
Die Aktie des Rüstungskonzerns notiert bereits bei knapp 1.000 Euro, ein Niveau, das selbst die erfahrensten Anleger kurz innehalten lässt. Erste Analysten wie jene der UBS liegen schon bei 1.200 Euro im Kursziel – frisch herausgegeben nach der Bundestagswahl. Doch ist der Höhenflug bei Rheinmetall fundamental gerechtfertigt oder ein Produkt überhitzter Fantasie?
Rüstung als Wachstumsmotor – und die Politik liefert die Argumente
Nach der Münchener Sicherheitskonferenz verdichten sich die Zeichen: Europas Verteidigungsstrategie steht vor einer Zeitenwende. Mit dem Trump-Comeback im Weißen Haus wächst die Unsicherheit, ob der jahrzehntelange Schutz durch die USA noch garantiert ist. Die Folge? Europa muss strategisch nachrüsten – und zwar mit Nachdruck. "Deutschland allein könnte seine Verteidigungsausgaben von aktuell gut zwei Prozent des BIP auf drei bis vier Prozent anheben. Grob gerechnet führt ein Anstieg um einen Prozentpunkt zu etwa 40 Milliarden Euro an Mehrausgaben pro Jahr", rechnet Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets vor.
Rheinmetall steht als einer der Hauptprofiteure bereit: Schon aus dem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen könnte sich der Konzern schätzungsweise etwa 40 Prozent der Aufträge gesichert haben. Dank eines breit gefächerten Portfolios – von Munition über Panzer hin zu Logistiksystemen – dürften in den kommenden Jahren auch weitere Nato-Staaten an die Düsseldorfer Türen klopfen. Kurz gesagt: Die langfristige Wachstumsgeschichte liest sich gut.
Ein teures Vergnügen – die Bewertung mahnt zur Vorsicht
Doch so rosig das fundamentale Bild auch sein mag – der Markt hat es längst eingepreist. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 30 basierend auf den Gewinnprognosen für die nächsten zwölf Monate notiert Rheinmetall deutlich über der eigenen historischen Bandbreite der vergangenen Jahre von 10 bis 20, so die Daten von Lynx-Broker.
Zum Vergleich: Andere Rüstungsriesen wie der italienische Konzern Leonardo, Thales aus Frankreich oder Hensoldt werden mit einem 2025er-KGV von unter 20 bewertet. Ein stolzer Aufschlag, auch im Branchenvergleich. Anfang 2022 und 2024 folgten auf explosive Anstiege ebenso plötzliche Konsolidierungen. Mediale Schlagzeilen wären dann garantiert, wenn die Aktie 1.000 Euro erreicht. Doch aus Stimmungssicht wäre dies womöglich eher ein Signal zur Vorsicht.
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