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Trade Republic hält nicht, was es verspricht – Bafin kritisiert


Tagesgeld
Trade Republic hält nicht, was es verspricht

MeinungEin Gastbeitrag von Daniel Saurenz

Aktualisiert am 27.02.2025Lesedauer: 3 Min.
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Die Skyline des Frankfurter Bankenviertels bei Sonnenuntergang: Nicht alle Bankhäuser bieten Sparern noch gute Zinsen. (Quelle: IMAGO/Florian Gaul/imago)
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Die traumhaften Jahre für Sparer sind schon vorbei. Doch es gibt noch stattliche Zinsen. Passen Sie aber auf, wo Ihr Geld landet.

Zinsen sind für deutsche Sparer das Salz in der Suppe. Noch immer liegen Multimilliarden auf Tagesgeld- und Girokonten. Mitunter geschieht dies häufig nahezu unverzinst, gerade jüngere Anleger wählen ihren Broker aber speziell wegen der hohen Zinsen aus. Dabei gibt es häufig auch Ärger, so etwa aktuell bei Trade Republic.

Vorsicht vor schlecht verzinsten Konten

Mit Zinsen für Sparer ist es im Grunde nicht kompliziert. Die Europäische Zentralbank (EZB) legt bei ihren regelmäßigen Treffen mehrere sogenannte Leitzinssätze fest. Dazu gehört unter anderem der Einlagenzinssatz.

Er gibt an, zu welchen Bedingungen Geschäftsbanken kurzfristig Geld bei der EZB anlegen können. So lässt sich vermeiden, dass Liquiditätsüberschüsse ungenutzt bleiben. Zu Zeiten der Negativzinsen wurden Banken bestraft, wenn sie üppig Geld bei der EZB parkten. Mittlerweile wird das Guthaben wieder über Nacht bei der EZB belassen und bringt dabei einen Ertrag, aktuell sind es 2,75 Prozent Zinsen.

Daraus lässt sich auch ablesen, dass alle Banken, die deutlich weniger als 2,75 Prozent für ihre Tagesgeldkonten bieten, einen stattlichen Schnitt machen. Bei Sparkassen oder Volksbanken gibt es häufig eine Verzinsung von zweieinhalb Prozent unter dem aktuellen EZB-Zins. Um es einmal zu verdeutlichen: Wer 50.000 Euro auf einem schlecht verzinsten Giro- oder Tagesgeldkonto liegen lässt, schenkt seiner Sparkasse oder Volksbank in einem Jahr mal eben 0,025 mal 50.000 Euro gleich 1.250 Euro.

Daniel Saurenz von Feingold Research begleitet Sie als Experte durch das Börsengeschehen.
Daniel Saurenz von Feingold Research begleitet Sie als Experte durch das Börsengeschehen. (Quelle: Goldlicht Fotografie)

Daniel Saurenz

ist Finanzjournalist, Börsianer aus Leidenschaft und Gründer von Feingold Research. Mit seinem Team hat er insgesamt mehr als 150 Jahre Börsenerfahrung und bündelt Börsenpsychologie, technische Analyse, Produkt- und Marktexpertise. Bei t-online schreibt er über Investments und die Lage an den Märkten. Sie erreichen Daniel auf seinem Portal www.feingoldresearch.de. Alle Gastbeiträge von Daniel Saurenz lesen Sie hier.

Brokerwechsel per se sehr gute Idee

Diese Summe sollte allemal dazu animieren, zu einem Broker zu wechseln, der beim Tagesgeld vorn dabei ist. Doch man muss genau hinsehen. Die Consorsbank bietet beispielsweise für Neukunden kurzzeitig mehr als drei Prozent Zinsen. Bestandskunden werden aber mit einem Prozent abgefertigt. Beim früheren Marktführer ING ist das Prinzip das gleiche. Sehr gut unterwegs ist dagegen Smartbroker. Die Berliner liefern 2,5 Prozent auf Tagesgeld ohne Einschränkungen bis zu einem Anlagebetrag von 100.000 Euro. Damit bleibt man nur 0,25 Prozentpunkte unter dem aktuellen EZB-Zins.

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Foto Benjamin FeingoldAusgewählt von unserem Börsenexperten Benjamin Feingold
Für das im Beitrag vorgestellt Tagesgeldangebot existieren zahlreiche attraktive Alternativen, etwa Festzins-Anleihen. Das ausgewählte Papier ist noch in der Zeichnungsphase und bietet einen jährlichen Zinssatz von 2,1 Prozent. Der Nennbetrag liegt bei 1000 Euro und ist zu 100 Prozent geschützt.
Für wen geeignet?Mittel- bis Langfristanleger
In welcher Marktsituation geeignet?Für Sparer in allen Marktsituationen geeignet
Risikoklasse:Gering
Laufende Gebühren: Keine
Eine alternative Festzins-Anleihe für Tagesgeld ist das ebenfalls in der Zeichnungsphase befindliche Papier mit der ISIN DE000LB5R768. Der Nennbetrag (1000 Euro) ist vollumfänglich geschützt, der Zinssatz beträgt 2,35 Prozent. Laufzeitende ist im März 2029.
Für wen geeignet?Langfristanleger
In welcher Marktsituation geeignet?Für Sparer in allen Marktsituationen geeignet
Risikoklasse: Gering
Laufende Gebühren: Keine

Bafin tritt auf den Plan

Noch minimal besser war eigentlich das Angebot von Trade Republic. Doch die Finanzaufsicht Bafin bemängelte dieses nun. Denn das Geld der Kunden landet offenbar nicht so sicher dort, wo es landen sollte. Bereits Anfang Februar waren Trade Republic und auch Scalable Capital von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg aufgefordert worden, eine Unterlassungserklärung abzugeben.

Der Vorwurf lautet wie folgt: Beide Neobroker parken die Einlagen ihrer Kunden in sogenannten Geldmarktfonds, die einem anderen Risikoprofil als ein klassisches Tagesgeld unterliegen. Dies sei Kunden in der Werbung allerdings nicht klar verständlich gemacht worden. Geldmarktfonds könnten Schwankungen unterliegen und theoretisch Verluste für Anleger produzieren. Am 12. Februar reichte die Verbraucherzentrale gegen Trade Republic Klage am Landgericht Berlin II ein.

Der Vorwurf ist in der Tat nicht ganz von der Hand zu weisen – Finanzmarktkrisen der vergangenen Jahrzehnte stützen ihn durchaus. Danach hat auch die Bafin Trade Republic wegen seines Tagesgelds angezählt. Eine Sonderprüfung hat man noch nicht eingeleitet, jedoch stehen Bafin und Trade Republic nach Angaben der Berliner in intensivem Austausch. Für Kunden ist nun wichtig, eine klare Darstellung zu erhalten, wo ihr Geld wirklich landet. Denn auch bei Neo-Brokern ist Vertrauen und saubere Information das A und O.

In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Trade Republic würde seine Debitkarte als Kreditkarte bewerben. Dies ist falsch. Richtig ist: Anfang 2024 kritisierte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die Werbung die Trade-Republic-Bezahlkarte als irreführend, weil wichtige Bedingungen für das "Saveback"-Programm unklar waren – etwa die Begrenzung auf 15 Euro pro Monat und die Voraussetzung eines Sparplans ab 50 Euro. Trade Republic gab daraufhin eine Unterlassungserklärung ab und ergänzte ein Infofeld auf der Webseite, das diese Details verständlicher macht.

Verwendete Quellen
  • Eigene Meinung
Transparenzhinweis
  • Der Artikel stellt keine Kauf- oder Anlageberatung dar. Auf Finanzanalysen von Dritten hat die t-online-Redaktion keinen Einfluss.

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