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Trump-Zölle schocken die Welt – Dax sackt ab, Gold auf Rekordhoch


Dax knickt ein
Trump-Zölle schocken die Welt – was Anleger jetzt wissen sollten

Von dpa, reuters, cho

03.04.2025 - 10:41 UhrLesedauer: 4 Min.
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Mit einer großen Tafel in der Hand präsentiert Trump seinen Zoll-Plan. (Quelle: reuters)
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Die angekündigten XXL-Zölle von US-Präsident Donald Trump verunsichern die Welt. Die Aktienmärkte reagieren mit Verlusten, der Goldpreis erreicht ein Allzeithoch.

Die internationalen Finanzmärkte sind am Donnerstag kräftig ins Wanken geraten. Mit der Verkündung eines umfassenden Zollpakets hat US-Präsident Donald Trump die Anleger weltweit verunsichert. Der Dax rutschte deutlich ab und markierte den tiefsten Stand seit Anfang Februar. Auch Rohstoffe gerieten unter Druck, während Gold als sicherer Hafen auf ein neues Allzeithoch kletterte. Experten schlagen angesichts der wirtschaftlichen Risiken Alarm – darunter auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel.

Dax sackt ab – alle Branchen unter Druck

Der deutsche Leitindex Dax fiel zum Handelsstart und verlor zuletzt 2,3 Prozent auf 21.873 Punkte. Damit erreichte er den niedrigsten Stand seit Anfang Februar. Auch der MDax der mittelgroßen Unternehmen geriet mit einem Minus von 2,44 Prozent auf 26.824 Punkte unter Druck. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab ebenfalls um über zwei Prozent nach.

Unter Druck gerieten so ziemlich alle Branchen. Schwer traf es zunächst Papiere von Autobauern und Chemiewerte, die sich jedoch anschließend wieder fingen. Aktien von Sportartikelherstellern wie Adidas und Puma brachen jeweils um die 9 Prozent ein, weil für sie der südostasiatische Raum ein wichtiger Produktionsstandort ist und Trump Länder aus dieser Region mit besonders hohen Zöllen überzieht.

Bereits seit Wochen hatte Trump mit massiven Zöllen gedroht, nun ließ er den Worten Taten folgen. Ab Samstag sollen Einfuhren aus sämtlichen Ländern pauschal mit zehn Prozent Zoll belegt werden. Für Exporte aus der Europäischen Union gilt sogar ein Satz von 20 Prozent – ein beispielloses Vorgehen. Stephen Dover, Marktstratege bei Franklin Templeton, spricht gar vom "Ende der Freihandelsära". Die Zölle von Trump seien insgesamt "viel höher als erwartet", sagte er.

Gold als sicherer Hafen auf Allzeithoch

Anleger flüchteten aus Aktien und investierten vermehrt in Staatsanleihen und Edelmetalle, die als sichere Anlagen gelten. Besonders stark gefragt war Gold. Der Preis für eine Feinunze (rund 31,1 Gramm) stieg in der Nacht auf Donnerstag an der Börse in London zeitweise auf das Rekordhoch von 3.167,84 US-Dollar. Zwar kam es anschließend zu Gewinnmitnahmen, doch zuletzt lag der Preis mit rund 3.128 Dollar immer noch auf sehr hohem Niveau.

"Die Aussicht auf eine Verlangsamung der Wirtschaft durch die Zölle nährt Spekulationen auf weitere Zinssenkungen der US-Notenbank", erklärt Analyst Kyle Rodda von der Handelsplattform capital.com. Das macht Gold als Anlageform attraktiver, denn es wirft keine Zinsen ab. Allein in diesem Jahr hat Gold bereits über 15 Prozent an Wert gewonnen.

Laut Deutsche-Bank-Experte Michael Hsueh dürfte die außerordentlich hohe Nachfrage auch in Zukunft anhalten – unter anderem durch Zentralbanken und chinesische Versicherungen.

Öl und Kupfer geben nach

Neben den Aktienmärkten gerieten auch die Rohstoffpreise unter Druck. Die Nordsee-Öl-Sorte Brent verbilligte sich um 2,5 Prozent auf 73,03 Dollar je Fass (159 Liter), US-Leichtöl WTI fiel auf 69,75 Dollar. Auch Industriemetalle wie Zinn, Aluminium, Kupfer und Nickel gaben um ein bis über drei Prozent nach.

"Die Kupfer- und Öl-Futures sind ein Gradmesser für das globale Wachstum, und die Nachfrage nach Öl hängt besonders stark von den Schwellenländern ab – vor allem in Asien, wo einige der Zölle besonders hoch ausfallen", erläuterte Vivek Dhar, Rohstoffstratege bei der Commonwealth Bank of Australia.

Bundesbank schlägt Alarm – EZB unter Zugzwang

Auch von offizieller Seite wächst die Kritik an der US-Handelspolitik. Bundesbankpräsident Joachim Nagel warnte vor einer Gefährdung der globalen ökonomischen Stabilität: "Falsch, weil im Ergebnis der Wohlstand aller angegriffen wird", sagte Nagel. Die Zölle würden das weltweite Wachstum bremsen und die Preise in die Höhe treiben. Insgesamt nehme der Grad der Verunsicherung der Marktteilnehmer spürbar zu.

Aus Sicht von Nagel ist dies keine gute Umgebung für stabile Finanzmärkte. "Dies wird auch Erreichtes in der Geldpolitik auf den Prüfstand stellen." Innerhalb der Europäischen Zentralbank müsse die Lage neu bewertet werden. Die nächste Zinssitzung der EZB findet in zwei Wochen in Frankfurt statt. Am Finanzmarkt liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung laut Händlern bereits bei über 80 Prozent.

"Insgesamt ist dies ein wirtschaftspolitischer Mix, der viele Verlierer sehen wird. Insbesondere in den USA", betonte Nagel. Er appellierte an die US-Regierung, die Tür für Gespräche offen zu halten.

Was Anleger jetzt wissen müssen

Turbulente Börsentage wie dieser führen oft zu Verunsicherung. Doch für langfristig orientierte Anleger gilt auch in Zeiten geopolitischer Spannungen: Ruhe bewahren. Wer breit gestreut in einen ETF-Sparplan investiert, sollte sich von kurzfristigen Schwankungen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Entscheidend ist, am eigenen Anlageziel festzuhalten – auch wenn die Weltwirtschaft kurzfristig durch politische Entscheidungen erschüttert wird. Lesen Sie hier, wie Sie einen ETF-Sparplan aufsetzen.

Insgesamt haben Zölle zwar einen kurzfristigen Einfluss, aber langfristig sind die Bewegungen an den Aktienmärkten abhängig von deutlich mehr Faktoren. Wer sein Portfolio dennoch unabhängiger von den USA aufstellen möchte, kann auf Alternativen zum beliebten, aber US-lastigen Aktienindex MSCI World setzen. Eine Möglichkeit ist der MSCI Europe, der sich stärker auf europäische Unternehmen konzentriert. Lesen Sie hier, welche Indizes noch infrage kommen.

Verwendete Quellen
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
Transparenzhinweis

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