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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Der begehrteste Trainer Deutschlands Im zweiten Anlauf könnte die Tür aufgehen
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Zum zweiten Mal in Folge könnte Sebastian Hoeneß den VfB Stuttgart ins internationale Geschäft führen. Gerade deshalb gilt er als heißeste Traineraktie in der Bundesliga.
Der Fluch der guten Tat hat auch Sebastian Hoeneß ereilt – wohlgemerkt nicht zum ersten Mal in den vergangenen Monaten. Seitdem der Trainer im April 2023 den VfB Stuttgart übernommen, vor dem Abstieg gerettet und in der Folgesaison in die Champions League geführt hat, keimen in aller Regelmäßigkeit Gerüchte über den vorzeitigen Abgang des 42-Jährigen aus dem Schwabenland auf. So auch in der laufenden Woche.
"Diesmal konnte ich wirklich nur schmunzeln", sagte Hoeneß am Donnerstag angesprochen auf einen Bericht des "Kicker", der eine "heiße Spur" zu RB Leipzig entdeckt haben will. "Es würde mich tatsächlich interessieren, wie sich diese Dinge entwickeln", so Hoeneß. Er sehe sich aber nicht veranlasst, sich "jedes Mal, wenn da aus meiner Sicht Dinge gefühlt aufgewärmt werden, dazu zu äußern". Im Sommer, das weiß auch Hoeneß, könnte sich das aber ändern.
Leipzig, Leverkusen, Dortmund – und eine Ausstiegsklausel
In Stuttgart besitzt der Sohn des ehemaligen Bayern-Spielers Dieter Hoeneß nämlich einen Vertrag bis 2027 – und in dem ist eine Ausstiegsklausel verankert. Für rund acht Millionen Euro soll er Medienberichten zufolge den Klub in wenigen Monaten verlassen können. Eine Summe, welche die Top-Vereine im In- und Ausland ohne Mühe zu stemmen imstande sein sollten.
Neben RB Leipzig, wo die Zukunft des aktuellen Trainers Marco Rose zuletzt Gegenstand von Diskussionen war, gilt Hoeneß in der Bundesliga in erster Linie auch in Leverkusen als Schattentrainer. Beim amtierenden Doublesieger besitzt der Spanier Xabi Alonso noch ein gültiges Arbeitspapier bis 2026. Doch der 43-Jährige steht ebenfalls bei diversen Spitzenvereinen ganz oben auf der Wunschliste. Insbesondere Real Madrid soll stark an seinen Diensten ab kommenden Sommer interessiert sein. Für den Fall eines Abgangs ihres Startrainers bräuchte die "Werkself" dementsprechend einen neuen Coach – und Hoeneß, der Berichten zufolge zwischenzeitlich schon als Top-Kandidat auf die Alonso-Nachfolge gehandelt wurde, würde automatisch wieder in den Fokus rücken.
Ein ähnliches Szenario könnte sich in Dortmund entwickeln. Erst vor Kurzem unterschrieb Niko Kovač als neuer Trainer bis 2026 bei den Westfalen. Er übernahm das Amt vom glücklosen Nuri Şahin. Doch sollte der Kroate den BVB in den kommenden Wochen nicht zurück in die Erfolgsspur führen, könnte sein Engagement womöglich schneller vorbei sein, als gedacht. Klar ist auch: Hoeneß galt laut Sky vor der Kovač-Verpflichtung in Dortmund als Top-Kandidat für den Sommer. Pikant wiederum: Die bereits erwähnte Ausstiegsklausel wäre für den BVB sicherlich keine finanzielle Hürde, doch sie gilt offenbar nur für Klubs, die in der kommenden Saison international spielen – und davon sind die "Schwarz-Gelben" aktuell weit entfernt.
Im vergangenen Sommer wollten zudem die englischen Spitzenklubs Manchester United und der FC Chelsea Hoeneß aus Stuttgart weglocken. Doch der Coach entschied sich dazu, dem VfB vorerst die Treue zu halten. "Ich habe mitbekommen, dass es von verschiedenen Vereinen Interesse gab. Das war nach der Saison, die wir gespielt haben, nicht ganz überraschend", sagte Hoeneß im November in einem "Welt"-Interview. Er habe sich aber Monate zuvor dazu entschlossen, zu bleiben. "Deswegen gab es von meiner Seite kein einziges Gespräch. Für mich war klar, dass ich beim VfB auch in dieser Saison etwas entwickeln und aufbauen möchte." Ein Umstand, der mit Blick auf die nächste Spielzeit zumindest wieder auf dem Prüfstein steht und die Tür für internationale Spitzenvereine im zweiten Anlauf möglicherweise aufgehen lässt.
Die wegweisenden Wochen beginnen gegen die Bayern
Am Donnerstag machte Hoeneß derweil deutlich, dass sein erster Ansprechpartner in der eigenen Zukunftsfrage der VfB Stuttgart ist. Mit seinem Arbeitgeber sei er im "ständigen Austausch", betonte der Übungsleiter. "Alles andere interessiert nicht." Die kommenden Wochen dürfte aber auch ihm ein Gefühl dafür geben, ob er seinen Weg beim VfB fortsetzen oder sich doch nochmal einer neuen Herausforderung stellen möchte.
In der Tabelle steht Hoeneß' Mannschaft momentan auf dem siebten Platz. Das reicht nach aktuellem Stand nicht automatisch für das europäische Geschäft. Doch zum einen steht der VfB im Halbfinale des DFB-Pokals und könnte sich mit dem Gewinn der Trophäe direkt für die Europa League qualifizieren. Zum anderen liegt das Team nur zwei Zähler hinter Mainz und Leipzig auf den Rängen fünf und sechs sowie drei Punkte hinter dem SC Freiburg, der mit Rang vier den letzten Champions-League-Platz belegt.
Die Chance, sich erneut für das internationale Geschäft zu qualifizieren, ist für Hoeneß und sein Team dementsprechend groß. Doch das Programm, das auf den VfB im kommenden Monat wartet, hat es in sich. Am Freitagabend empfängt Stuttgart in der Bundesliga den FC Bayern (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei t-online). Auch die Münchner galten zwischenzeitlich als potenzieller Abnehmer für Hoeneß, dessen Onkel Uli über Jahrzehnte als Patron über den deutschen Rekordmeister wachte. Beim FC Bayern steht Trainer Vincent Kompany aktuell nicht zu Debatte. Sollte der Erfolg unter dem Belgier langfristig ausbleiben, dürfte Hoeneß aber auch an der Säbener Straße wieder ein heißes Thema werden.
Nach der Partie gegen die Bayern reist der VfB am kommenden Wochenende zum kniffligen Auswärtsspiel bei Aufsteiger Holstein Kiel. Dann geht es im Kampf um die europäischen Plätze gegen zwei Schwergewichte der Liga. Zunächst gastiert Bayer Leverkusen in der MHPArena. Nach der Länderspielpause tritt Stuttgart beim Drittplatzierten Eintracht Frankfurt an. Spätestens dann dürfte klar sein, wohin der Weg des VfB in Zukunft führt – und welchen Sebastian Hoeneß daraufhin für sich einschlagen wird.
- youtube.com: "Pressekonferenz vor VfB Stuttgart - FC Bayern München"
- kicker.de: "Hoeneß und die heiße Spur zu RB"
- sport.sky.de: "Sebastian Hoeneß zählt beim BVB zu den absoluten Top-Kandidaten"
- welt.de: "Darum habe ich Manchester United und Chelsea abgesagt"
- Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
- Eigene Recherche