Vergewaltigungen an Weiberfastnacht Sexualisierte Gewalt: "Auch an Karneval ist ein Nein ein Nein"
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Beim Kölner Karneval kommt es immer wieder zu sexualisierter Gewalt. Für Betroffene gibt es Hilfsangebote, die jedoch nicht alle wahrnehmen.
Die Eröffnung des Straßenkarnevals in Köln ist am Donnerstag über die Bühne gegangen. Laut der Polizei blieb es an Weiberfastnacht weitestgehend friedlich, die Schattenseiten des Karnevals aber lassen sich dennoch nicht leugnen: Zwei Vergewaltigungen wurden im Laufe des Tages und der Nacht auf Freitag zur Anzeige gebracht.
Sexualisierte Gewalt bleibt an den jecken Tagen ein Problem. Bereits nach dem 11.11.2024 hatte die Polizei einen besorgniserregenden Anstieg bei Sexualdelikten gemeldet. So kam es beim Sessionsauftakt im vergangen Jahr zu 22 Vorfällen solcher Art, unter anderem wurden sechs Vergewaltigungen angezeigt. Die tatsächlichen Fallzahlen aber dürften noch weitaus höher sein.
"Die Dunkelziffer ist bei Sexualverbrechen enorm hoch"
Irmgard Kopetzky vom "Frauen gegen Gewalt e.V." sagte im Gespräch mit t-online, dass die angezeigten Taten "nur die Spitze des Eisbergs" seien. Die Dunkelziffer sei bei Sexualverbrechen enorm hoch. "Die wirklichen Fallzahlen liegen in diesem Bereich generell zehn bis 20 Mal höher als die Zahl der angezeigten Straftaten", so Kopetzky. Das liege daran, dass nicht alle Opfer die Übergriffe anzeigen – etwa aus Scham, weil sie sich selbst eine Mitschuld geben oder befürchten, dass man ihnen nicht glauben wird.
Die Wurzel des Übels: Männer, die meinen, an Karneval sei alles erlaubt. Dabei muss es nicht zum Äußersten kommen. Anzügliche Sprüche, Grapscher und andere Belästigung erleben an den Karnevalstagen viele Frauen. "Da muss noch mehr Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass das auch an Karneval nicht in Ordnung ist. Dass es auch beim Feiern Grenzen gibt", so Kopetzky. Zwar werde dieses Bewusstsein größer, dennoch sei noch viel zu tun. Für viele Männer ist ein derartiges Verhalten nämlich normal.
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Sexualisierte Gewalt: Hilfsangebote an den Karnevalstagen
Um betroffenen Frauen zu helfen, war in der Vergangenheit das Edelgard-Mobil an den Karnevalstagen in Köln unterwegs. Dabei handelte es sich um eine mobile Hilfs- und Beratungsstelle der Kölner Initiative gegen sexualisierte Gewalt, an die sich Betroffene wenden konnten. Aktuell pausiert das Edelgard-Mobil allerdings – denn die weitere Finanzierung ist unsicher. Schutzräume und Hilfsangebote stellt die Initiative dennoch zur Verfügung.
So haben in diesem Jahr über die Karnevalstage verteilt verschiedene Frauen- und Mädchenberatungsstellen in den Stadtteilen geöffnet. Eine Übersicht stellt die Initiative gegen sexualisierte Gewalt im Internet bereit. Diese finden Sie hier. Auch gibt es einen Notruf für vergewaltigte Frauen, der Betroffenen zur Seite steht.
Der Notruf ist über die Telefonnummer 0221-562035 oder per E-Mail an mailbox@notruf-koeln.de erreichbar. Der Anrufbeantworter und die E-Mails werden von den Mitarbeiterinnen täglich mehrfach abgefragt – auch an Feiertagen und Wochenenden. Überdies bietet auch der Bund ein Hilfetelefon bei Gewalt gegen Frauen an. Dieses ist rund um die Uhr über die Nummer 116 016 zu erreichen.
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Karneval in Köln: "It's a dress, not a yes!"
Die Kölner Polizei hat zudem die Kampagne "It's a dress, not a yes!" ins Leben gerufen. Mit der Kampagne will die Polizei in den Sozialen Medien für den Themenbereich der sexualisierte Gewalt sensibilisieren – und klar machen, dass ein freizügiges Outfit keine Legitimation für Übergriffe ist.
Damit es gar nicht erst zu Übergriffen kommt, rät Irmgard Kopetzy Frauen dazu, nicht alleine an den Karnevalstagen unterwegs zu sein, sondern mit Freundinnen. "Man sollte seine Freundin auch nicht alleine mit Männern losziehen lassen, die sie gerade erst kennengelernt hat", erklärt Kopetzky weiter. Männer hingegen müssen begreifen, dass der Karneval kein rechtsfreier Raum und auch beim Feiern nicht alles erlaubt ist: "Auch an Karneval gibt es Grenzen, und ein 'Nein' ist auch dann immer noch ein 'Nein'."
- koeln.polizei.nrw: It‘s a dress, not a yes! – Worum es geht
- notruf-koeln.de: Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen
- Gespräch mit Irmgard Kopetzky vom Frauen gegen Gewalt e.V.