"Kosten am Ende Wohlstand" So treffen Trumps Zölle den Flughafen und Airlines

Der Handelsstreit mit den USA könnte sich auch beim größten Arbeitgeber im Rhein-Main-Gebiet, dem Flughafen Frankfurt, auswirken. So reagieren Unternehmen, Verbände und Politik.
Am Frankfurter Flughafen schlagen die angekündigten Zölle von US-Präsident Donald Trump Wellen: Die Luftfahrtbranche blickt mit Sorge auf mögliche Folgen für Fracht und Flugbetrieb. Am größten Luftverkehrsknotenpunkt Deutschlands wird das Potenzial eines Handelskonflikts besonders genau beobachtet – im Passagier- wie im Frachtverkehr. Der Standort hat eine immense wirtschaftliche Bedeutung in der Region: Knapp 80.000 Menschen sind am Airport direkt beschäftigt.
Lufthansa meldet derzeit noch eine stabile Nachfrage auf den Transatlantik-Strecken. Auch der Flughafenbetreiber Fraport erkennt bislang keine direkten Auswirkungen auf den Passagierverkehr. Doch Branchenkenner warnen: Sollte die US-Inflation infolge eines Handelskonflikts steigen, könnte das die Kaufkraft der US-Kunden schwächen – mit Folgen für den Luftverkehr.
Zölle könnten auch Flugzeuglieferungen treffen
Viele Airlines, darunter auch die Lufthansa, warten dringend auf neue Langstreckenjets. Besonders Boeing hat mit massiven Produktionsproblemen zu kämpfen, die Lieferungen verzögern sich. Der amerikanische Flugzeughersteller könnte zudem ins Visier europäischer Gegenzölle geraten.
Die Zölle könnten die Lieferketten zwischen Europa und den USA zusätzlich belasten. Schon jetzt gelten sie als angespannt – besonders im Luftfahrtsektor. Airbus und Boeing, die beiden größten Flugzeughersteller der Welt, sind eng mit Zulieferern auf beiden Seiten des Atlantiks verflochten. Laut dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) drohen durch Trumps Vorstoß große wirtschaftliche Schäden. "Diese transatlantischen Zölle nutzen ausschließlich unseren Konkurrenten. Somit bremst der Westen seine eigene Wettbewerbsfähigkeit", sagte BDLI-Hauptgeschäftsführerin Marie-Christine von Hahn.
Branchenvertreter rechnen bei der Luftfracht mit den deutlichsten Auswirkungen. "Ohne Zweifel dürfte bei Handelshemmnissen das Volumen der Luftfracht zurückgehen", sagte Ralph Beisel vom Flughafenverband ADV. Besonders betroffen seien hochwertige Tech-Produkte, Autoteile oder Medikamente, die häufig per Flugzeug transportiert werden.
Arzneibranche reagiert
Der Logistikkonzern DHL beobachtet eine Umverlagerung von Handelsströmen. "Einiges wird sich verschieben", sagte DHL-Vorstand Thomas Meyer. Das müsse nicht unbedingt ein Nachteil sein – DHL sei in anderen Regionen gut positioniert. "Andere Länder wollen weiter handeln", betonte Meyer. Wie sich die Reaktionen der Kunden konkret auswirken, sei aber noch abzuwarten.
Lufthansa Cargo berichtet von gestiegener Nachfrage von EU-Arzneimitteln aus den USA. Mehrere große Pharmaunternehmen mit Produktionsstätten in Europa haben ihre Produktion hochgefahren und den Versand in die USA beschleunigt. Grund dafür sind vor allem drohende Zollerhöhungen auf Arzneimittel aus der EU.
Verbände und Politik alarmiert
Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte: "Zölle kosten am Ende immer Wohlstand." Er sprach von einer "Belastungsorgie für die Wirtschaft". Europa und Deutschland müssten mit einer "Antwort der Souveränität" reagieren – also mit strategischen Abkommen und besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um unabhängiger von US-Handelsentscheidungen zu werden.
Nach Zahlen der Industrie- und Handelskammer Hessen exportierte das Bundesland im Jahr 2024 Waren im Wert von 9,3 Milliarden Euro in die USA. Das entspricht elf Prozent aller hessischen Exporte. Besonders betroffen ist die Pharma- und Chemiebranche.
Die europäische Luft- und Raumfahrtindustrie fordert eine koordinierte Reaktion. Die französische Luftfahrtlobby Gifas, deren rotierende Präsidentschaft derzeit Airbus innehat, verlangt laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" "durchsetzungsfähige" Gegenmaßnahmen. Die Maßnahmen sollten so gestaltet sein, dass europäische Firmen mit hoher Abhängigkeit von US-Importen keine weiteren Nachteile erfahren.
- Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, dpa-afx und Reuters
- airliners.de: Lufthansa und Fraport beobachten Auswirkungen des US-Handelskriegs, abgerufen am 4. April 2025
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