Hunderte Millionen unterschlagen? Russische Justiz klagt Milliardär an

Es ist ein schwerer Schlag gegen die russische Wirtschaftselite: Der Konzernchef Wadim Moschkowitsch steht wegen mumaßlicher Unterschlagung vor Gericht.
Die russische Justiz wirft dem in Untersuchungshaft sitzenden Milliardär Wadim Moschkowitsch Unterschlagung von umgerechnet 330 Millionen Euro vor. Die Staatsanwaltschaft habe am Mittwoch eine entsprechende Anklage gegen den Gründer des größten russischen Agrarkonzerns Rusagro erhoben, meldete die staatliche Agentur Tass. Moschkowitsch hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Sollte er schuldig gesprochen werden, drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.
Moschkowitschs Vermögen wird auf 2,7 Milliarden Dollar geschätzt. Vergangene Woche hatte ein Moskauer Gericht gegen ihn eine Untersuchungshaft verhängt.
Seit Jahren keine Verhaftung hochrangiger Managerin Russland
Die strafrechtliche Verfolgung des Geschäftsmanns hat die russische Wirtschaftselite erschüttert. Denn gegen einen solch hochrangigen Manager sind die Behörden seit Jahren nicht mehr vorgegangen. Zuletzt kam es 2018 zur Verhaftung des Gründers der Versand- und Logistikgruppe Summa, Ziyavudin Magomedov, und 2014 zum Hausarrest des AFK Sistema-Aktionärs Vladimir Yevtushenkov im Jahr 2014.
Moschkowitsch hatte in den Wirren des postsowjetischen Russlands zunächst Computer verkauft, bevor er einen der mächtigsten landwirtschaftlichen Betriebe Russlands aufbaute. Der 57-Jährige ist auch früherer Senator des Gebiets Belgorod, für das er im russischen Föderationsrat, dem Oberhaus des Parlaments, gesessen hatte.
Rusagro zählt zu den größten russischen Landwirtschaftsfirmen und produziert vor allem Zucker, Fleisch, Öle und Fette. Der 1995 von Moschkowitsch gegründete Konzern wuchs stark auf dem einheimischen Markt, nachdem Russland 2014 die Einfuhr von EU-Lebensmitteln verboten hatte.
- Nachrichtenagenturen Reuters und dpa