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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Konkurrenz für Tiguan und Co. Gut und günstig: Mischt der Bigster den SUV-Markt auf?

Mit dem Bigster wagt sich Dacia in ein neues Segment vor. Viel Platz, großer Kofferraum, mehr Komfort – und trotzdem unter 30.000 Euro. Das SUV im Test.
Der Dacia Bigster ist nicht nur ein neues Modell in einem für Dacia vollkommen neuen Segment – er ist ein Statement der Günstigmarke. Mit 4,57 Metern Länge ist das SUV im Format von VW Tiguan und Co. das größte Auto, das die rumänische Renault-Tochter je gebaut hat. Gebaut wird er in Mioveni (Rumänien) und im Werk Casablanca (Marokko). Ziel: ein echtes Kompakt-SUV zum typischen Dacia-Preis. Der Einstieg liegt bei 23.990 Euro, die Version mit Hybridantrieb bleibt unter 30.000 Euro – in einem Segment, in dem der Bestseller VW Tiguan rund 60 Prozent teurer startet.
Optisch bleibt sich Dacia beim Bigster treu: robust, klar gezeichnet, keine Spielereien. Erstmals gibt es optional eine Zweifarblackierung (mit schwarzem Dach). In der Ausstattung "Extreme" kommen bronzefarbene Designelemente an Außenspiegeln, Dachträgern und Frontschürze hinzu. Und wie fährt er? Wir machen den Kurztest.
t-online-Kurztest – was ist das?
Immer wieder laden Fahrzeughersteller zu sogenannten Fahrveranstaltungen ein – hier können Journalistinnen und Journalisten neue Modelle für einige Stunden oder einen Tag Probe fahren. Dabei handelt es sich nicht um einen ausführlichen Alltagstest, sondern um eine erste Einschätzung: Wie wirkt das Auto auf den ersten Kilometern? Was fällt sofort positiv oder negativ auf? Unsere Eindrücke stammen also aus einem kompakten Zeitraum – mit dem Ziel, Ihnen möglichst schnell einen authentischen Eindruck von dem neuen Modell zu vermitteln.
Platzangebot als große Stärke
Viel Platz – das ist einer der größten Trümpfe des Bigster. Vorne wie hinten überzeugt er mit viel Kopf- und Beinfreiheit. Die dreigeteilte Rückbank (40:20:40) lässt sich erstmals per Easy-Fold-Funktion und mit Hebelzug aus dem Kofferraum umklappen und macht so Platz für bis zu 1.851 Liter Ladevolumen. Standard sind 667 Liter – das ist mehr als bei vielen Konkurrenten. Im Gepäckabteil ist alles ordentlich mit einem wenn auch etwas dünnen Teppich ausgelegt. In der "Extreme"-Version schützt eine dicke Gummimatte die Fracht vor dem Verrutschen. Die Matte lässt sich auch umdrehen – auf der Rückseite ist sie ein klassischer dicker Teppich.
Das optionale große Glasdach (57 cm Öffnung) bringt viel Licht in den Innenraum – positiv fällt auf: Es wird mit einem echten Rollo verschlossen. Weniger gelungen: Die Sicht nach hinten ist durch die breite D-Säule und die stark zulaufende Fensterlinie spürbar eingeschränkt – auch wenn Rückfahrkamera und Parksensoren hier unterstützen. Eine dritte Sitzreihe ist beim Bigster übrigens nicht vorgesehen – das soll dem ungefähr gleich langen Familienvan Jogger vorbehalten bleiben.
Der Ladeboden bleibt auch bei umgelegter Rückbank eben, die Dachreling ist modular und lässt sich mit zwei Schrauben zum Querträger umbauen. Wer will, bekommt optional ein voll integrierbares Doppelbett namens "Sleep Pack", das in unter zwei Minuten aufgebaut ist.
Innenraum und Bedienung
Das Cockpit orientiert sich am Duster. Je nach Ausstattung gibt es hier jedoch ein größeres digitales Kombiinstrument (sieben bis zehn Zoll) und wie gehabt einen 10,1-Zoll-Touchscreen in der Mitte sowie eine klassische Schalterleiste für die Steuerung der Klimaanlage. Apple CarPlay und Android Auto lassen sich kabellos verbinden.
Die Sitze bieten ausreichend Seitenhalt und Komfort, der Fahrersitz lässt sich in den höheren Ausstattungsvarianten erstmals elektrisch feinjustieren, vor und zurück muss man ihn allerdings weiterhin manuell schieben. Im Fond kommen erstmals eigene Lüftungsdüsen zum Einsatz – auch ein Novum bei Dacia.
Kleine Schwächen im Detail: Die kabellose Ladeschale hat einen etwas wackeligen Gummieinsatz, das Kofferraumrollo ist eher dünn ausgeführt, und die elektrische Heckklappe hat nur einen statt üblicherweise zwei Motoren, was etwas instabiler wirkt als bei der Konkurrenz – hier merkt man die Sparsamkeit dann doch.
So fährt er
Hybrid 155 (gefahrene Ausstattung: "Journey")
Der neue Hybridantrieb mit insgesamt 155 PS feiert im Bigster Premiere. Das System kombiniert einen 1,8-Liter-Saugbenziner (statt noch 1,6 Liter im Duster) mit 107 PS, eine 50-PS-E-Maschine, einen Generator und ein Multi-Mode-Getriebe mit vier Gängen für den Verbrenner und zwei für den Elektromotor. Klingt komplex, funktioniert aber gut: Anfahren passiert immer elektrisch, und in der Stadt fährt der Bigster laut Dacia bis zu 80 Prozent der Zeit ohne Benzin.
Der Übergang zwischen den Antrieben ist größtenteils unauffällig – nur beim Tritt aufs Gas gibt es eine kurze Verzögerung, bis der Antrieb anspricht. Dafür liegt der Verbrauch im Test bei sehr guten 5,7 Litern. Das leicht erhöhte Drehzahlniveau bei laufendem Verbrenner bei Innenstadttempo von 50 km/h fällt dank verbesserter Dämmung (Akustikverglasung, dickere Isolierung) kaum auf. Auch die Bremsen überzeugen: sie greifen direkt zu und sind klar dosierbar. Bei höheren Geschwindigkeiten ab 100 km/h sind allerdings aufgrund der hoch aufbauenden Karosserie Windgeräusche klar zu hören.
TCe 140 Mildhybrid (gefahrene Ausstattung: "Extreme")
Und auch wenn sich rund 65 Prozent der Käufer in Deutschland für den Hybrid mit Automatikgetriebe entscheiden – Automatik ist in diesem Segment sehr üblich, entsprechend stark nachgefragt und nur beim Hybriden erhältlich –, gilt: Auch der Mildhybrid mit 140 PS macht viel Spaß.
Der handgeschaltete Saugbenziner mit Unterstützung durch einen Riemenstartergenerator fühlt sich etwas direkter an: Die Kupplung lässt sich sauber dosieren, der Motor legt kräftig los. Im Vergleich zum Hybrid spricht der TCe 140 flotter an – was vor allem auf Landstraßen für mehr Fahrspaß sorgt. Die Schaltwege sind in Ordnung, könnten aber knackiger sein.
Weitere Motorisierungen
Neben dem getesteten Hybrid und dem Mildhybrid bietet Dacia noch zwei weitere Varianten an:
TCe 130 4x4: bekannt aus dem Duster, mit fünf Fahrmodi inklusive Automatikstellung – die Allradversion mit Handschaltung
Mildhybrid-G: LPG-Variante mit zwei Tanks, für den Wechsel zwischen LPG und Benzinantrieb. Diese Variante ist noch nicht homologiert, verspricht aber mehr als 1.400 Kilometer Reichweite – ideal für Viel- und Langstreckenfahrer.
Eine elektrifizierte Allradlösung mit E-Motor an der Hinterachse ist für Ende des Jahres angekündigt.
Technische Daten (Auszug)
Länge/Breite/Höhe: 4,57 m / 1,85 m / 1,66 m
Radstand: 2,65 m
Bodenfreiheit: 22 cm
Kofferraumvolumen: 667–1.851 Liter
Verbrauch (WLTP): ab 4,7 l/100 km
Wendekreis: 10,97 m
Ausstattungen und Preis
Der Bigster startet in der Ausstattung "Essential" und 140-PS-Benziner mit manuellem Sechsganggetriebe bei 23.990 Euro. Dann fährt er unter anderem mit 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, fester Dachreling, manueller Klimaanlage, Parksensoren und -kamera hinten sowie elektrischen Fensterhebern vorn und hinten vor. Zum Vergleich: Ein VW Tiguan ist 60 Prozent teurer, startet bei 38.250 Euro.
Ab der Ausstattung "Expression" (ab 24.990 Euro) gibt es eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, eine elektrische Parkbremse, Regensensor, elektrisch anklappbare Spiegel sowie die im Verhältnis 40:20:40 klappbare Rückbank mit Mittelarmlehnen-Funktion. Ab diesem Ausstattungsniveau gibt es optional auch Allradantrieb für jeweils 3.000 Euro extra.
Die laut Dacia bei den Kunden vor allem beliebten höchsten Ausstattungslinien "Extreme" und "Journey" richten sich an unterschiedliche Zielgruppen: Die "Extreme"-Modelle (ab 26.990 Euro) versprühen mit Kupfer-Zierelementen einen rustikaleren Charme. 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, modulare Dachreling, Panorama-Schiebedach, schlüsselloses Zugangssystem, Navi und Soundsystem sind hier inklusive.
Die elegantere Version "Journey" (ab 26.840 Euro) verfügt über eine Zweifarbenlackierung, eine elektrische Heckklappe, ein schlüsselloses Zugangssystem, eine hohe Mittelkonsole mit Armlehne, einen elektrisch einstellbaren Fahrersitz und eine adaptive Geschwindigkeitsregelung (Tempomat).
Der Hybrid mit 155 PS kostet in der Ausstattung "Expression" ab 28.590 Euro, die Topausstattungen sind knapp 2.000 Euro teurer.
Motor | Leistung | Essential | Expression | Journey | Extreme |
---|---|---|---|---|---|
TCe 140 | 140 PS | 23.990 € | 24.990 € | 26.840 € | 26.990 € |
TCe 130 4x4 (Allrad) | 130 PS | - | 27.990 € | - | 29.990 € |
Hybrid 155 | 155 PS | - | 28.590 € | 30.440 € | 30.590 € |
Fazit
Der Bigster ist in Teilen kein typischer Dacia mehr – und genau das dürfte vielen gefallen. Er bietet viel Platz, ein durchdachtes Bedienkonzept, überzeugende Antriebe und Ausstattung auf Augenhöhe mit deutlich teureren Mitbewerbern. Kann er damit VW Tiguan, Nissan Quashqai und Co. Konkurrenz machen? Zumindest bei den preissensiblen Kunden, die viel Auto für faires Geld wollen. Ja, im Detail merkt man noch, wo gespart wurde. Doch wer Gutes aus beiden Welten sucht – viel SUV und überschaubarer Preis –, dürfte hier fündig werden. Und da wiederum ist er doch wieder ein typischer Dacia.
- Eigene Erfahrungen
- Dacia Pressematerial