Skandal um Wirecard Bericht: Scholz wusste bereits seit mehr als einem Jahr von Vorwürfen
Die fehlenden Milliarden beim Finanzdienstleister Wirecard werfen Fragen auf. Die deutsche Finanzaufsicht ist in Erklärungsnot. Nun steigt auch der Druck auf Finanzminister Olaf Scholz.
Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) ist einem Zeitungsbericht zufolge vor knapp eineinhalb Jahren über verdächtige Vorgänge beim Dax-Unternehmen Wirecard informiert worden. Scholz sei am 19. Februar 2019 darüber unterrichtet worden, dass die Finanzaufsicht Bafin "in alle Richtungen wegen Marktmanipulation ermittelt, das heißt sowohl gegen Verantwortliche der Wirecard AG als auch gegen Personen, bei denen Hinweise zur Beteiligung an Marktmanipulationen vorliegen", berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung".
Das Blatt zitiert dabei aus einem ihm nach eigenen Angaben vorliegenden Sachstandsbericht des Bundesfinanzministeriums an den Finanzausschuss des Bundestags.
Wirecard hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen eingestehen musste, dass in der Bilanz aufgeführte Barmittel von 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf asiatischen Bankkonten lagen, nicht auffindbar seien. Bafin-Präsident Felix Hufeld bezeichnete die Ereignisse als eine "Schande" für Deutschland. Scholz hat als Konsequenz aus dem Bilanzskandal eine Reform der deutschen Finanzaufsicht angekündigt.
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Schlüsselfigur legt Geständnis ab
In dem Skandal hat derweil ein zentraler Beschuldigter nach Angaben seines Anwalts ein Geständnis abgelegt. Der wegen Betrugsverdachts inhaftierte Ex-Chef der Wirecard-Tochter Cardsystems Middle East räumte demnach gegenüber der Staatsanwaltschaft München eine Tatbeteiligung ein.
"Mein Mandant hat sich freiwillig dem Verfahren gestellt und steht – im Gegensatz zu anderen – zu seiner individuellen Verantwortung", sagte dessen Strafverteidiger Nicolas Frühsorger der Nachrichtenagentur Reuters. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht dazu.
Der Mann hatte sich Anfang der vergangenen Woche den Strafverfolgern gestellt, wie die Staatsanwaltschaft am Tag seiner Verhaftung bestätigt hatte. Er war dafür aus Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten angereist, wo die Cardsystems Middle East eine zentrale Rolle im Asiengeschäft von Wirecard spielte. Dort vermuten die Ermittler einen Schwerpunkt der mutmaßlichen Manipulationen von Geschäftszahlen in Milliardenhöhe.
- Nachrichtenagenturen Reuters und AFP