Schlag gegen Cybercrime Ermittler heben Darknet-Server in Ex-Nato-Bunker aus

Das Darknet ist für Ermittler eine Sisyphosarbeit. Kaum ist ein kriminelles Portal geschlossen, erscheint das nächste. Jetzt wurde jedoch ein entscheidender Fortschritt gemacht – und ein ganzes Rechenzentrum beschlagnahmt.
Im Kampf gegen Verbrechen im Internet haben deutsche Ermittler erstmals einen großen Server-Anbieter für illegale Geschäfte im Darknet ausgehoben. Insgesamt 13 Täter stehen im Verdacht, als Betreiber eines Rechenzentrums in einem ehemaligen Nato-Bunker in Traben-Trarbach an der Mosel zahlreiche Webseiten gehostet zu haben, über die international agierende Kriminelle ihre Machenschaften betrieben, wie die Generalstaatsanwaltschaft am Freitag in Koblenz mitteilte. Sieben Tatverdächtige wurden am Donnerstagabend bei einer großen Aktion verhaftet. Das Darknet ist ein abgeschirmter Teil des Internets.
Zu den Taten von Kriminellen, die über die Server in Rheinland-Pfalz abliefen, gehörten den Angaben zufolge der Vertrieb von Drogen, gefälschten Dokumenten und gestohlenen Daten. Zudem wurden Kinderpornografie verbreitet und großangelegte Cyberangriffe durchgeführt.
Nach fünf Jahren Ermittlungen am Ziel
Kunden der Tatverdächtigen sollen unter anderem die Betreiber des weltweit zweitgrößten Darknet-Marktplatzes für Drogen, "Wall Street Market", gewesen sein – den hatten Ermittler im Frühjahr zerschlagen. Auch der Angriff auf 1,25 Millionen Telekom-Router Ende November 2016 wurde laut Generalstaatsanwaltschaft über einen Server im Cyberbunker gesteuert.
Ein derartiger Hoster sei erstmals in Deutschland ausgehoben worden, hieß es am Freitag. Ein Webhoster stellt die Infrastruktur für eine Internetpräsenz zur Verfügung.
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Bei der Zugriffsaktion mit Unterstützung von Spezialeinheiten wie der GSG9 habe es Durchsuchungen in Deutschland und im benachbarten Ausland gegeben. Sie sei Ergebnis von fast fünf Jahre langen Ermittlungen gewesen. Am Mittag wollen die Ermittler über weitere Details informieren.
- Nachrichtenagentur dpa