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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Hummels' Wechsel nach Italien Der unerfüllte Traum

In seiner Karriere hat Mats Hummels bislang viele Titel sammeln können. Einer bleibt aber unerreichbar – wie womöglich auch ein schöner Abschluss.
Zum Abschied schaute Mats Hummels noch einmal auf die wichtigsten Stationen seiner Karriere zurück: sein Bundesliga-Debüt als 18-Jähriger für den FC Bayern, seine fünf Meisterschaften mit den Münchnern (2017, 2018, 2019) und Borussia Dortmund (2011, 2012) und natürlich die magische Nacht von Rio mit dem WM-Pokal in der Hand. "Ich kämpfe gerade mit den Emotionen", sagte der 78-malige Nationalspieler. Dann verkündete er, seine Karriere im Sommer zu beenden.
- Hummels beendet seine Karriere: Er hatte seine Widersacher umgegrätscht
Nach knapp 17 Jahren und nicht im Trikot des deutschen Rekordmeisters oder vom BVB, sondern dem Shirt der AS Rom, wo er seit letztem Sommer spielt. In seinem emotionalen Video tauchten allerdings keine Bewegtbilder im Trikot der "Giallorossi" auf – und das wohl aus gutem Grund.
Zuletzt ging es für den 36-Jährigen in Italien nämlich Auf und Ab. Nach seinem Start im vergangenen September musste Hummels lange auf seinen ersten Einsatz warten. Und auch nach seinem Debüt gegen Florenz (1:5) musste sich der frühere BVB-Star erneut gedulden, ehe er wieder ran durfte. Ende Dezember bekam er dann die Chance, feierte sogar beim 2:0-Derbysieg gegen Lazio Rom seinen dritten Startelf-Einsatz in Folge. Laut italienischen Medienberichten wollten die Römer das Arbeitspapier des Innenverteidigers, das im Sommer ausläuft, sogar verlängern.
Von der italienischen Presse wurde Hummels im Januar hochgelobt. So schrieb die "Gazzetta dello Sport": "Hummels beflügelt AS Rom. Der Klub will Mats ein weiteres Jahr behalten." Auch "Corriere dello Sport" sprach von einem "Gladiator der Mannschaft".
"Hummels unverzeihlich"
Nur wenige Wochen später saß er aber wieder vermehrt auf der Bank – und ließ seinen vermeintlichen Frust in den sozialen Medien raus. Auf Instagram zeigte sich der Profi im März gut gelaunt als Tourist vor einer römischen Brücke und in einem Restaurant. Dazu schrieb er: "Den Oscar für den längsten Urlaub bekommt …" – wohl eine Anspielung auf Roma-Eigentümer Dan Friedkin, der als Produzent des Films Anora fünf Oscars gewann.
Offenbar versteckte sich dahinter aber auch Kritik an seinen geringen Einsatzzeiten in den vergangenen Wochen. Wie der "Corriere dello Sport" berichtete, haben das Klubmanagement und Trainer Claudio Ranieri ihm dies verübelt. Die Beziehung zwischen Verein und Spieler nahm an Anspannung zu, eine Verlängerung über den bis zum 30. Juni laufenden Vertrag hinaus war plötzlich wieder auszuschließen.
"Der Abschied rückt näher", kommentierte das Blatt. Und dann kam es noch dicker: Mit einer Notbremse in der elften Minute hatte Hummels das Aus der Roma in der Europa League gegen Athletic Bilbao (1:3) besiegelt. Der Innenverteidiger verschuldete mit seinem riskanten Tackling nach eigenem Fehlpass die frühe Rote Karte und ließ seine Mannschaft in Unterzahl gegen Athletic Bilbao zurück.
Die Medien stürzten sich auf den Deutschen: Die "Gazzetta dello Sport" titelte schlicht: "Hummels unverzeihlich". "Corriere dello Sport": "Hummels macht einen elementaren Fehler, begeht dann ein sehr gefährliches Foul, das jedoch nicht rot war. Aber ein Spieler wie er darf sich solche Fehler nicht erlauben."
Ein versönliches Ende?
Nach wilden Monaten verkündete Hummels nun am Freitag: Im Sommer ist Schluss. Der Profi beendet seine Karriere. Dreimal gewann der Abwehrrecke den DFB-Pokal – 2012 mit Borussia, 2019 mit den Bayern, 2021 wieder mit den Westfalen. Nur mit der Champions League wollte es nicht klappen. Auch das Finale 2024 in Wembley gegen Real Madrid ging knapp verloren, es sollte sein letztes Spiel für den BVB sein.
Der Traum vom Henkelpott wird für immer unerfüllt bleiben. Immerhin hat er nach dem verrückten Jahr in Italien noch die Chance, auf eine Versöhnung mit Klub und Presse – und einen für seine Karriere angemessenen Abschied. Für die Roma wird Hummels noch maximal achtmal auflaufen. Das nächste Mal am Sonntag gegen Juventus Turin, das letzte Mal am 25. Mai im Auswärtsspiel gegen den FC Turin.
- Eigene Recherche
- Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und SID