Mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten berichten rund um die Uhr für Sie über das Geschehen in Deutschland und der Welt.
Zum journalistischen Leitbild von t-online.Über 1.000 Vorschläge Bürgerideen für die Zukunft des Kaufhofs in Nürnberg

Der Kaufhof soll neues Leben erhalten: Über 1.000 Bürgerideen wurden gesammelt und werden nun auf ihre Machbarkeit geprüft. Der Stadtrat entscheidet im Mai.
Seit Jahresbeginn sind bei der Stadt Nürnberg über 1.000 Vorschläge eingegangen, wie das ehemalige Kaufhof-Gebäude in der Königstraße in Nürnberg künftig genutzt werden könnte. Wirtschaftsreferentin Andrea Heilmaier (CSU) stellte am Donnerstag den aktuellen Stand der Bürgerbeteiligung vor. Nun wird geprüft, welche Ideen realisierbar sind.
"Wir merken, wie groß das Interesse an der Entwicklung des Gebäudes ist und wie emotional sich Nürnbergerinnen und Nürnberger damit identifizieren", betonte Heilmaier. Im Januar konnten Bürger ihre Ideen direkt vor Ort abgeben. Zusätzlich gab es rund 400 digitale Einsendungen.
Breites Spektrum an Nutzungsideen
Alle Altersgruppen und Bevölkerungsgruppen beteiligten sich an der Ideensammlung, so Heilmaier. Die Vorschläge sind vielfältig: Einige Bürger wünschen sich eine Nutzung als Einkaufszentrum mit einem Lebensmittelmarkt, Markengeschäften oder Fachhändlern. Auch die SPD brachte eine Idee ein: Sie schlägt eine Markthalle als zentralen Begegnungsort in der Innenstadt vor, an dem es "auch konsumfreie Begegnungsflächen für Jugendliche, Familien und Senior:innen" geben soll.
Andere bevorzugen eine Freizeitnutzung, etwa mit einem Indoorspielplatz, einer Kletterhalle oder einem Club. Auch gastronomische Angebote, Treffpunkte für Senioren, Ateliers oder Flächen für Vereine wurden vorgeschlagen. Zudem gab es Ideen für Lernräume, eine Bibliothek oder die Ansiedlung von Universitäten und Forschungseinrichtungen. Manche schlagen auch vor, Wohnungen, ein Hotel oder ein Bürgeramt in dem Gebäude unterzubringen.
Neben klassischen Nutzungskonzepten gab es auch unkonventionelle Vorschläge: Eine Hanfplantage mit Konsumraum, eine Rutsche, die durchs gesamte Gebäude führt, oder ein Haus für Stadttauben. "Es ist ein bunter Blumenstrauß an Ideen zusammen gekommen, der nun ausgewertet werden muss", sagte Heilmaier.
Systematische Prüfung der Vorschläge
Im ersten Schritt wird das Beratungsunternehmen BBE Handelsberatung GmbH die Ideen strukturieren und bewerten. "Es funktioniert wie ein Trichter: Erst werden die Anregungen gebündelt und dann anhand verschiedener Kriterien geprüft", erklärte Heilmaier. Entscheidend sei unter anderem, ob eine Idee den zentralen Standort benötigt oder anderswo umgesetzt werden könnte.
Auch der Platzbedarf spielt eine Rolle. Je flexibler eine Nutzung ist, desto höher sind die Chancen auf Umsetzung. Ein weiteres zentrales Kriterium ist die Wirtschaftlichkeit. Dauerhaft könne sich die Stadt keine Zuschüsse leisten. Zudem wird ein Investor benötigt, der die Umsetzung finanziert.
"Wir müssen darauf achten, dass jede Nutzung eine hohe Besucherfrequenz generiert, Kaufkraft in die Stadt bringt und Nürnberg voranbringt", betonte Heilmaier. Forschung und Wissenschaft könnten dem Standort ein Alleinstellungsmerkmal verleihen. Der Kaufhof sei ideal gelegen für eine Forschungseinrichtung. Man sei deswegen mit Forschungsinstitutionen und Universitäten im Gespräch.
Eine gemischte Nutzung, ein sogenannter Mixed-Use, mit verschiedenen Angeboten erscheint am wahrscheinlichsten. Anfang Mai sollen verschiedene Szenarien im Stadtrat vorgestellt werden, der am Ende die Entscheidung darüber trifft, wie der ehemalige Kaufhof genutzt werden soll.
- Eigene Recherche
- Pressemitteilung der SPD-Stadtratsfraktion vom 27. Februar 2025