Ein "Gamechanger" Berliner Feuerwehr führt Triage-System bei Notrufen ein

Rekord-Einsatzzahlen belasten die Berliner Feuerwehr zunehmend. Nun soll ein neues Priorisierungssystem Abhilfe schaffen. Ist es ein "Gamechanger"?
Die Berliner Feuerwehr reagiert auf die anhaltende Überlastung ihrer Rettungsdienste mit einem neuen Priorisierungssystem. Ab dem 25. März sollen Notrufe nach einem fünfstufigen System kategorisiert und entsprechend abgearbeitet werden, teilte Feuerwehrsprecher Vinzenz Kasch dem rbb mit. "Der Rettungsdienst in Berlin steht unter großem Druck. Wir versuchen gerade alles, um für uns selber die Reserven zu schaffen, für die wichtigen Notfälle immer noch einen Rettungswagen übrig zu haben", sagte Kasch.
Allein im Januar 2025 rückte die Feuerwehr zu einem neuen Rekordwert von 44.000 Einsätzen aus. Insbesondere die aktuelle Grippewelle sorgte für einen sprunghaften Anstieg: "Während der Grippesaison wurden wir deutlich häufiger wegen Atemwegsbeschwerden alarmiert", erklärte Manuel Barth, Sprecher der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) Berlin-Brandenburg, dem rbb.
Nach fünf Dringlichkeitskategorien unterteilt
Das neue, deutschlandweit einmalige System basiert auf einer umfassenden Datenanalyse von 2,9 Millionen Datensätzen zu bisherigen Rettungseinsätzen. Es sieht fünf Dringlichkeitskategorien vor.
Unter Kategorie 1 fallen akut lebensbedrohliche Situationen wie Herz-Kreislauf-Stillstände oder Bewusstlosigkeit. Hier soll binnen zehn Minuten ein Notarzt vor Ort sein. Das seien rund 5 Prozent der Fälle. Zur Kategorie 2 gehören Brustschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Atemnot oder stärkere Blutungen. Die Einsätze machen den größten Teil (etwa 40 Prozent) aus. Unter Kategorie 3 sind Patienten mit Bauch- und Rückenschmerzen, Traumata oder Vergiftungen ohne schwere Symptome. Das sind rund 35 Prozent.
Die Kategorien 4 und 5 (zusammen rund 20 Prozent) umfassen weniger kritische Fälle wie ungefährliche Blutungen oder psychische Krisen ohne akute Fremdgefährdung. Außerdem werden darin nicht-dringliche Notfälle gelistet, die an den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung weitergeleitet werden können.
Laut Tagesspiegel wird damit auch die Qualifikation des Personals entsprechend der Dringlichkeit angepasst: Je nach Bedarf werden Rettungssanitäter, Notfallsanitäter oder Notärzte entsandt. Bei weniger schweren Fällen müssen Patienten künftig mit Wartezeiten von 15 bis 20 Minuten rechnen, erklärt Feuerwehrsprecher Kasch. Zudem sollen Rettungswagen vorrangig nur noch in ihrem vorgesehenen Bereich eingesetzt werden.
Neues System wird nicht alle Probleme lösen
Die Gewerkschaft bezeichnet das neue System als "Gamechanger". "Die Berliner Feuerwehr kann hierbei bundesweit Vorbild sein", sagte DFeuG-Sprecher Barth dem Tagesspiegel. Er betont jedoch auch, dass das System nicht alle Probleme lösen wird: "Wir müssen die Möglichkeit haben, die Anrufer an die passenden Versorger wie etwa sozialpsychiatrische Dienste weiterzuleiten."
Auch nach Einführung des neuen Systems können strukturelle Probleme bleiben. "Wir können auf Dauer nicht die Engpässe an Terminen bei Fachärzten, Psychiatern und Psychotherapeuten kompensieren", warnte Barth.
- tagesspiegel.de: Berliner Feuerwehr führt neues Triage-System ein
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