Russische Sojus-Transportkapsel Heikler Weltraum-Außeneinsatz: Kosmonauten untersuchen Loch

Es ist nur zwei Millimeter klein – trotzdem muss das Loch an einer russischen Transportkapsel überprüft werden. Der Einsatz gilt als höchst komplex. Eine solche Reparatur ist gewöhnlich nicht vorgesehen.
Bei einem technisch heiklen Außeneinsatz im Weltraum haben zwei russische Kosmonauten ein rätselhaftes Loch an einer Sojus-Transportkapsel untersucht. Ziel der auf sechs Stunden angesetzten Mission am Dienstag war es, die rund zwei Millimeter kleine schadhafte Stelle zu untersuchen und die Möglichkeit einer Reparatur zu prüfen. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos stufte die Mission der Kosmonauten Oleg Kononenko und Sergej Prokopjew als "beispiellos in ihrer Komplexität" ein.
Der Außeneinsatz sei aber nötig, weil das Loch "klein, aber gefährlich" sei. Die Sojus-Kapsel ist derzeit an der Internationalen Raumstation ISS angedockt. Sie soll Raumfahrer zurück zur Erde bringen. Das Loch war bereits im August entdeckt worden, wurde aber noch nie direkt in Augenschein genommen.
"Es ist eine Herausforderung"
Die besondere Schwierigkeit liegt darin, dass die Sojus-Kapsel – anders als die ISS – nicht darauf ausgelegt ist, bei Weltraumspaziergängen repariert zu werden. Es gibt nicht einmal Haltegriffe für die im All schwebenden Kosmonauten. Der Einsatz vom Dienstag werde "in die Geschichte der Raumfahrt eingehen", sagte Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin.
"Es ist eine Herausforderung. Sergej und ich nehmen sie an", sagte Kononenko vor Verlassen der ISS. Außerhalb der Raumstation wurde er dann von Prokopjew mittels eines Schwenkarms in Position für die Untersuchung an der Sojus-Kapsel gebracht. Dort nutzte er ein Messer, um die Schutzhülle des Raumfahrzeugs zu öffnen und Proben zu entnehmen, die später auf der Erde analysiert werden sollten. Der Außeneinsatz dauerte 45 Minuten.
Wie ist das Loch entstanden?
Die Experten stehen vor einem Rätsel, wie sich das kleine Loch bilden konnte. In russischen Medien führte es zu wilden Spekulationen: Dort hieß es, ein US-Astronaut an Bord der ISS habe es absichtlich gebohrt, um schneller zur Erde zurückfliegen zu können. Roskosmos wies diese Spekulationen aber als "absolut inakzeptabel" zurück.
Die Behörde wollte allerdings nicht ausschließen, dass das Loch tatsächlich vorsätzlich verursacht worden sein könnte.
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Die ISS steht derzeit unter dem Kommando des deutschen Astronauten Alexander Gerst. Er soll am 20. Dezember mit zwei Crew-Kollegen auf die Erde zurückkehren. Für ihre Reise sind die Raumfahrer allerdings nicht auf die Sojus-Kapsel mit dem Loch angewiesen. Es befindet sich in einem Bereich der Kapsel, der nicht zur Rückreise genutzt wird.
- Nachrichtenagentur AFP