Trotz Forderungen nach Rückzug SPD-Chefin Esken erhebt Anspruch auf führende Rolle
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Saskia Esken will eine zentrale Rolle in möglichen Koalitionsverhandlungen spielen. Aus der Partei erfährt sie jedoch Widerstand.
Die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken beansprucht eine führende Position in möglichen Sondierungs- und Koalitionsgesprächen mit der Union. "Sondierungen und Koalitionen werden von Parteien verhandelt. Insofern versteht es sich, dass die Parteivorsitzenden die Delegation zu diesen Gesprächen anführen", erklärte ein SPD-Sprecher auf Anfrage des "Tagesspiegel" am Mittwoch.
Ob Esken darüber hinaus ein Ministeramt oder die Vizepräsidentschaft des Bundestages anstrebt, ließ der Sprecher offen. Er betonte, dass Regierungsämter traditionell erst am Ende von Koalitionsverhandlungen festgelegt würden. In SPD-Kreisen kursiert jedoch die Annahme, Esken könnte für den Posten einer Bundestagsvizepräsidentin infrage kommen.
Reiter: Klingbeil statt Doppelspitze
Während Esken ihren Führungsanspruch in den Koalitionsgesprächen betont, sieht Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter die Zukunft der SPD in einer alleinigen Führung durch Lars Klingbeil. Er hält eine klare Machtposition für notwendig, um eine starke Verhandlungsposition gegenüber der CDU/CSU zu sichern. Das Thema Doppelspitze sollte der Vergangenheit angehören, betonte Reiter. Er hält Klingbeil für den geeigneteren Kandidaten: "Er ist sympathisch, klar und kann sich gut ausdrücken."

Am heutigen Mittwoch wurde der SPD-Co-Vorsitzende Lars Klingbeil mit 85,6 Prozent der Abgeordnetenstimmen zum neuen Fraktionsvorsitzenden der SPD gewählt, womit er Rolf Mützenich in seiner bisherigen Rolle ablöst.
Reiter plädiert für eine stärkere Positionierung der SPD in der politischen Mitte und sieht Esken eher als Vertreterin des linken Parteiflügels. Ihre skurrilen Auftritte in der Vergangenheit seien für ihn ein Problem gewesen, so Reiter. Während Personalentscheidungen für die SPD von zentraler Bedeutung sind, betonte Reiter, dass der Fokus nun auf einer schnellen Regierungsbildung liegen müsse: "Jeder Monat, in dem es jetzt keine Regierung gibt, wird der AfD neues Futter geben."
- Vorabmeldung des Tagesspiegels
- Mit Material der Nachrichtenagentur dpa