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USA: Anhörung im US-Senat – Wer ist Moderator Pete Hegseth?


Pete Hegseth vor Anhörung im US-Senat
Seine Wahl schockierte sogar Trumps Umfeld


Aktualisiert am 14.01.2025 - 09:28 UhrLesedauer: 5 Min.
FILE PHOTO: U.S. President Donald Trump is interviewed by Fox and Friends co-host Pete Hegseth at the White House in WashingtonVergrößern des Bildes
Pete Hegseth und Donald Trump (Archivbild): Hegseth wird vom Moderator bei Trumps Lieblingssender Fox News zum Minister in seinem Kabinett. (Quelle: REUTERS/dpa-bilder)
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Mit Pete Hegseth hat Trump einen Moderator seines Lieblingssenders für den Posten des Verteidigungsministers nominiert. Heute zeigt sich, ob der umstrittene Kandidat auch den Senat überzeugen kann.

Das richtige Aussehen, eine Vergangenheit beim Militär und eine Karriere beim Lieblingssender seines neuen Chefs: Laut Insidern sind das die Gründe, die den designierten US-Präsidenten Donald Trump überzeugt haben, Pete Hegseth als künftigen Verteidigungsminister auszuwählen. Unklar ist, ob der US-Senat von dem politischen Neuling genauso überzeugt ist: Als Erster der von Trump nominierten Minister muss sich Hegseth heute hier einer Anhörung stellen.

Dass die Öffentlichkeit der Personalie Hegseth eher skeptisch gegenübersteht, könnte so wenigstens theoretisch noch zu einem Problem werden. Denn auch, wenn die Republikaner in der Kammer die Mehrheit stellen, reichen schon einige Abweichler aus, um die Bestätigung wenigstens zu verzögern. Auch deswegen hatte Trump präventiv angekündigt, seine Minister im Zweifelsfall auch ohne Zustimmung des Senats einzusetzen. Mit einer anderen Aussage hat er den Druck auf die Politiker seiner Partei zusätzlich erhöht: Für ihn kämen als Mehrheitsführer der Kammer nur jene infrage, die ihn bei den Befragungen unterstützen würden.

Auch Trump-Umfeld war überrascht

Hegseth ist in der Öffentlichkeit kein Unbekannter. Als Moderator beim konservativen Fernsehsender Fox News hat er Trump bereits in den vergangenen Jahren unterstützt und über die Verweichlichung der amerikanischen Truppen geschimpft. Beinahe hätte er so schon im letzten Trump-Kabinett einen Platz erhalten.

Doch auch wenn Trump schon vor acht Jahren mit einem Posten für Hegseth liebäugelte – damals war das Kriegsveteranenministerium im Gespräch – kam die im November publikgemachte Entscheidung für sein Umfeld überraschend. Ein Trump-Berater berichtet, dass der Fox-Moderator erst wenige Tage davor Teil der Kabinettsüberlegungen war.

Die Personalie dürfte auch für Deutschland eine Herausforderung sein. Nicht zuletzt, weil sich Hegseth in der Vergangenheit mit eindeutigen Aussagen zum Ukraine-Krieg positioniert hat. Wer also ist Pete Hegseth?

Von der Eliteuni nach Afghanistan

Hegseth wurde 1980 in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota geboren und ging dort zur Highschool. Im Anschluss besuchte er die Eliteuniversitäten Princeton und Harvard, wo er einen politikwissenschaftlichen Abschluss erwarb. Während seiner Zeit in Princeton spielte er Basketball in der Uni-Mannschaft und war Mitherausgeber der konservativen Studentenzeitung "The Princeton Tory".

Nach seinem Abschluss arbeitete er ab 2003 als Aktienanalyst bei der Investmentbank Bear Stearns und diente als Infanterieoffizier in der Nationalgarde von Minnesota. Es folgten Einsätze im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay und im Irak, wofür Hegseth mit mehreren hohen Militärehren ausgezeichnet wurde, darunter zweimal die Bronze Star Medal und zweimal die Commendation Medal. 2012 folgte ein Einsatz als Hauptmann in Afghanistan. Dort war Hegseth als Ausbilder für Aufstandsbekämpfung in einem Trainingszentrum in Kabul eingesetzt.

Bis 2015 war Hegseth nach eigenen Angaben Direktor der Veteranenorganisation "Concerned Veterans for America". Die Organisation setzt sich für die Privatisierung des Kriegsveteranenministeriums ein, mit dessen Leitung Trump ihn dann fast in seiner letzten Amtszeit betraut hatte.

Im Anschluss begann Hegseth 2014 seine Tätigkeit für den Sender Fox News. 2017 wurde er zum Co-Moderator der Sendung "Fox & Friends Weekend". Der Sender teilte am Dienstag mit, dass Hegseths Beschäftigungsverhältnis mit der Bekanntgabe seiner Kandidatenposition endete. Man wünsche ihm dafür alles Gute, hieß es. Privat ist Hegseth in dritter Ehe mit Jennifer Rauchet verheiratet, er hat insgesamt sieben Kinder.

Hegseth und Trump schätzen sich

Verteidigungsminister dürfte für Hegseth ein Traumjob sein. Schließlich ein Trump-Anhänger seit dessen letzten Wahlkampf im Jahr 2016. Zunächst hatte der Moderator damals zwar Marco Rubio und Ted Cruz favorisiert, doch nach Trumps Sieg in den Vorwahlen hatte er ihm schließlich seine Unterstützung ausgesprochen.

Trump wiederum schätzt Hegseth und hat immer wieder betont, er finde ihn "klug". CNN zitiert eine Quelle, die sagt: "Trump ist zudem davon überzeugt, dass er das Aussehen hat." Ob er damit lediglich sein optisches Erscheinungsbild oder das Gesamtpaket aus dekoriertem Veteran und fernsehbekanntem Konservativen meint, wird nicht deutlich, aber beide Interpretationen sind denkbar.

In seiner Erklärung zu Hegseths Nominierung sagte Trump nun: "Pete hat sein ganzes Leben als Kämpfer für die Truppen und für das Land verbracht." Und weiter: "Pete ist hart, klug und ein wahrer Anhänger des Mottos 'America First'. Mit Pete an der Spitze sind Amerikas Feinde gewarnt – unser Militär wird wieder großartig sein, und Amerika wird niemals klein beigeben."

Trumps Umfeld ist geschockt

In Washington sorgte die Entscheidung unterdessen bei vielen für Unverständnis. Ein Beamter des Verteidigungsministeriums sagte zu CNN: "Alle sind einfach schockiert." Auch ein ehemaliger Trump-Beamter sagte, er sei von der Auswahl "schockiert" und erwarte, dass es Bemühungen geben werde, "ihn zu Fall zu bringen".

Der Schock könnte daher rühren, dass sich Hegseth erheblich von Trumps vorherigen Verteidigungsministern unterscheidet. In seiner ersten Amtszeit hatte er zunächst den Vier-Sterne-General James Mattis für das Amt ausgewählt. Es folgte Mark Esper. Mit beiden überwarf sich Trump. Esper übte im Nachgang harsche Kritik an Trump, vor allem auch wegen dessen Verhalten rund um den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021.

Im Vergleich zu seinen hochdekorierten und politisch erfahrenen Vorgängern wirken Hegseths Militärerfahrungen auf viele nur mäßig überzeugend. "Wer zum Teufel ist der Typ?", kommentierte ein anonymisierter Lobbyist aus dem Militärsektor im Magazin "Politico" die Nominierung. Und auch unter Republikanern stieß die Entscheidung damals nicht auf Begeisterung. Die republikanische Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska kommentierte die Personalie erst einmal nur mit "wow", der Senator Todd Young aus Indiana, der Trump teilweise kritisch gegenübersteht, sagte, er müsse erst mehr über Hegseth erfahren.

Was Hegseth seinen Posten tatsächlich eingebracht haben könnte, mutmaßt Eric Edelmann, Top-Berater unter Ex-Präsident George W. Bush: Trump lege größten Wert auf Loyalität. "Es wirkt, als sei eines der Hauptkriterien, wie gut Leute Donald Trump im Fernsehen verteidigen."

Ukraine-Krieg "verblasst im Vergleich mit Wokeness"

Doch nicht nur Hegseths Qualifikationen sind umstritten. Noch während seiner Zeit bei Fox pflegte er engen Kontakt zu Trump und überzeugte ihn, mehrere Soldaten zu begnadigen, die wegen Kriegsverbrechen verurteilt worden waren. Der Schritt erfolgte gegen den Rat des damaligen Verteidigungsministers Mark Esper. Zudem berichtete Hegseth weiter über die Fälle, ohne dabei seine eigene Rolle offenzulegen.

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Zusätzlich sorgte er in den vergangenen Jahren mit mehreren Aussagen für Kontroversen. So sprach er sich gegen den Einsatz von Frauen im Militär aus. In einem Podcast wiederholte er kürzlich die Thesen aus seinem Buch "The War on Warriors": "Es hat uns nicht effektiver gemacht, es hat uns nicht tödlicher gemacht, es hat das Kämpfen komplizierter gemacht. (...) Wir haben alle mit Frauen gedient, und sie sind großartig", so Hegseth in der "Shawn Ryan Show". "Aber unsere Institutionen müssen das nicht an Orten fördern, an denen traditionell (...) Männer in diesen Positionen fähiger sind."

Er unterstrich zudem eine Position, die er in den vergangenen Jahren in verschiedenen Versionen immer wieder vorgebracht hatte: Die Diversitätsprogramme des Militärs müssten abgeschafft werden. "Die woke Scheiße muss weg", so Hegseth wörtlich. Seine Wut auf Initiativen für mehr Diversität in der amerikanischen Armee geht so weit, dass er sie als schlimmer einstuft als den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nur Tage nach Kriegsbeginn sagte er: "Was in der Ukraine passiert, ist wichtig. Aber es verblasst im Vergleich mit der Kriminalität, die ich auf den Straßen beobachte, mit der Wokeness, die ich in unserer Kultur sehe und der Inflation." Er sprach sich zudem mehrfach gegen amerikanische Unterstützung für die Ukraine aus.

Mit Hegseth als aller Wahrscheinlichkeit kommendem Verteidigungsministers hat Trump also jemanden, der viele seiner Positionen uneingeschränkt teilt. Für Deutschland und die EU könnte das vor allem mit Blick auf den Ukraine-Krieg schwierige Verhandlungen mit den USA bedeuten.

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