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Handelskonflikt: Donald Trump hat sich wohl bei Zollformel verrechnet


"Ausgesprochener Unsinn"
Trumps Team hat sich wohl bei Zollformel verrechnet

Von t-online, jha

Aktualisiert am 06.04.2025 - 10:13 UhrLesedauer: 3 Min.
Donald Trump: Er kündigt Zölle an.Vergrößern des Bildes
Donald Trump: Die zugrunde liegende Gleichung weist einen Fehler auf. (Quelle: Carlos Barria)
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Donald Trump rechtfertigt neue Strafzölle mit einer einfachen Formel. Doch seine Mitarbeiter haben wohl KI benutzt – und dabei einen großen Fehler gemacht.

Donald Trumps Regierung hat ihre neue Zollpolitik wohl auf eine fehlerhafte Formel gestützt. Das berichtet unter anderem die "Zeit". Die Berechnung der US-Zölle basiert auf einer Gleichung, mit der die angebliche Zollbelastung amerikanischer Waren durch Handelspartner ermittelt wird. Dazu zählt auch die EU. Im Fall Europas nannte Trump zuletzt einen Wert von 39 Prozent – dieser diente als Grundlage für einen Gegenzoll von 20 Prozent. Doch das Problem: Die Berechnung fußt offenbar auf falschen Annahmen.

Die Zölle sind Teil von Trumps Plan, sogenannte reziproke Handelsbeziehungen herzustellen. Das bedeutet: Die USA sollen so hohe Zölle erheben, wie sie selbst bei Exporten zahlen. Als Beleg präsentierte Trump vergangene Woche ein Pappschild mit Zollzahlen für verschiedene Regionen, darunter auch die EU. Die Werte, so das Weiße Haus, basieren auf einer "wirtschaftlich fundierten Formel". Doch wie sich zeigt, ist genau diese Formel fehlerhaft.

Im Zentrum steht der sogenannte "Preisweitergabe-Effekt": Die US-Regierung geht davon aus, dass Importpreise bei der Einführung von Zöllen nur um ein Viertel der Höhe des Zolls steigen – konkret: Ein Dollar Zoll führe zu 0,25 Dollar höheren Preisen in den USA. Das würde bedeuten, dass der Zollaufschlag die amerikanischen Konsumenten nicht allzu stark treffen würde.

Doch laut einer Studie von Harvard-Ökonom Alberto Cavallo, auf die sich Trumps Team ursprünglich bezogen hatte, ist dieser Wert deutlich höher: Realistisch sei ein Anstieg von rund 0,95 Dollar. Die Unternehmen geben die Extrakosten für Zölle demnach fast vollständig an ihre Kunden weiter.

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Vereinfachte Formel als politisches Instrument

Das hat große Auswirkungen: In der Gleichung der Regierung kürzen sich zwei Parameter durch die falsche Annahme heraus – was die Formel stark vereinfacht. Zurück bleibt eine simple Rechnung: Export minus Import ist gleich das Handelsdefizit, das dann durch den Importwert geteilt wird. Im Fall der EU ergibt das 235 Milliarden Dollar (Defizit) geteilt durch 605 Milliarden Dollar (Importe) = rund 0,39 bzw. 39 Prozent. Die hat Trump dann noch mal "aus Milde" halbiert und kommt somit auf 20 Prozent Zölle. Doch wenn man die realistischeren Werte einsetzt, wird das Ergebnis rund viermal kleiner als die 39 Prozent: Es sind etwa neun Prozent.

Der Ökonom Julian Hinz vom Kiel Institut für Weltwirtschaft erklärte in der "Wirtschaftswoche", dass die Annahmen der US-Regierung politisch opportun seien: Man unterstelle, dass ausländische Unternehmen die Preise senkten, um den Zollanstieg abzufedern. "Die Datenauswertungen zeigen aber: Das stimmt nicht. Nur ganz wenige ausländische Unternehmen haben ihre Preise verringert", so Hinz.

KI hat möglicherweise mitgerechnet

Noch bemerkenswerter ist ein anderer Verdacht: Die Formel könnte von einer generativen KI wie ChatGPT erstellt worden sein. Mehrere Medien, darunter "The Verge" und "Zeit", berichteten, dass KI-Modelle auf die Frage nach einer einfachen Methode zur Berechnung fairer Zölle sehr ähnliche Gleichungen liefern würden. Die von Trump verwendete Formel entspricht dabei einer Standardantwort, wie sie Chatbots auf entsprechende Prompts generieren.

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Der Journalist James Surowiecki hatte zuerst darauf hingedeutet, dass die Formel der Trump-Administration letztlich nur das Handelsdefizit durch den Importwert teilt.

"Extraordinary nonsense" (Ausgesprochener Unsinn) nannte Surowiecki diese Art der Berechnung.

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