Reisepass im Check Für welche Länder Deutsche ein Visum beantragen müssen

Der deutsche Reisepass gehört zu den mächtigsten der Welt und ermöglicht es, unkompliziert in viele Länder zu reisen. Doch nicht immer kommen Deutsche ohne Visum aus. Ein Überblick.
Flug gebucht, Hotel reserviert – doch wie sieht es mit dem Visum aus? Diese Frage stellen sich viele Reisende erst kurz vor Urlaubsbeginn. Dabei können komplizierte Visaverfahren und lange Bearbeitungszeiten den Reisestart erheblich verzögern. Das Reiseportal HolidayCheck hat in einer umfassenden Untersuchung die Visabestimmungen für deutsche Staatsangehörige in 196 Ländern weltweit analysiert. Die Ergebnisse zeigen teils große Unterschiede bei Kosten, Bearbeitungszeiten und Aufenthaltsdauer.
Afrika
Während beliebte Reiseziele wie Südafrika, Marokko, Tunesien und die Seychellen visumfreie Einreisen für 90 bis 120 Tage ermöglichen, verlangen andere afrikanische Länder Visa mit teils aufwendigen Verfahren. Besonders kostspielig sind Visa für Kamerun (153 Euro), Äquatorialguinea und Nigeria (je 120 Euro), während die Bearbeitungszeiten von wenigen Tagen bis zu sechs Wochen variieren können und ein Besuch in der Botschaft teils unerlässlich bleibt.
Erfreulich ist der zunehmende Trend zu elektronischen Visa: 26 afrikanische Länder bieten derzeit e-Visa oder Visa bei Ankunft an, darunter beliebte Reiseziele wie Ägypten, Äthiopien, Kenia und Tansania. Für einige Länder wie Algerien, Eritrea, Libyen, Mali, Niger, Somalia, Sudan und die Republik Kongo bleibt der Gang zur Botschaft jedoch unumgänglich, da diese Länder nur klassische Visa anbieten.
Europa
Europa bleibt für deutsche Reisende dank EU und Schengen-Abkommen ein Paradies der Reisefreiheit. In nahezu allen europäischen Ländern ist ein 90-tägiger visumfreier Aufenthalt möglich – einzig Russland bildet mit seiner Visumpflicht (75,50 Euro, vier Tage Bearbeitungszeit) eine Ausnahme. In Belarus und Zypern sind 30 Tage Aufenthalt visumfrei. Wer nach Großbritannien will, muss ab dem 2. April 2025 die elektronische Einreisegenehmigung, die sogenannte ETA (Electronic Travel Authorization), einholen. Sie kostet derzeit 12 Euro, soll aber schon bald teurer werden (lesen Sie dazu hier weiter).
Asien
Während Japan, Singapur, Taiwan und die Türkei 90 Tage visumfreien Aufenthalt gewähren und Thailand immerhin 60 Tage ohne Bürokratie ermöglicht, fallen in anderen Ländern teils erhebliche Kosten an. China bietet aktuell eine temporäre Visumfreiheit bis Ende 2025 für Aufenthalte unter 30 Tagen, während Indien weiterhin auf einem e-Visum (96 Euro) besteht. Besonders kostspielig ist Bhutan mit seiner zusätzlichen "Sustainable Development Fee" von 200 USD pro Tag.
Ganz entspannt sieht Georgien den Aufenthalt von Deutschen. 360 Tage dürfen sie sich ohne Visum im Land aufhalten, in Armenien sind es 180.
Nordamerika und die Karibik
Die USA verlangen zwar die elektronische Einreisegenehmigung ESTA (19 Euro), ermöglichen damit aber einen 90-tägigen Aufenthalt (lesen Sie hier mehr zu Esta und was Sie beim Ausfüllen nicht falsch machen dürfen). Kanada und Mexiko stechen mit besonders großzügigen Regelungen hervor – hier dürfen sich deutsche Touristen bis zu 180 Tage ohne Visum aufhalten. Dies gehört zu den längsten visumfreien Zeiträumen im Vergleich. In Mexiko muss allerdings eine Einreisegebühr von 40 Euro pro Person entrichtet werden.
Südamerika
Südamerika bietet deutschen Reisenden eine bemerkenswerte Einheitlichkeit – alle Länder des Kontinents öffnen ihre Grenzen für 90 Tage ohne Visumpflicht. Ob Copacabana in Brasilien, Machu Picchu in Peru oder die Gletscher Patagoniens in Argentinien und Chile – bürokratische Hürden stehen nicht im Weg. Lediglich Suriname hebt sich mit einer Einreisegebühr von 50 Euro ab, verlangt aber ebenfalls kein Visum.
Ozeanien
Für Australien wird ein kostenloses elektronisches eVisitor-Visum benötigt, während Neuseeland eine elektronische Einreisegenehmigung (NZeTA) für 13 Euro verlangt. Die meisten pazifischen Inselstaaten gewähren deutschen Touristen großzügig 90 Tage visumfreien Aufenthalt.
Tipps für Reisende
Reisende sollten sich frühzeitig über aktuelle Einreisebestimmungen informieren und auf einen mindestens sechs Monate gültigen Reisepass, Nachweise für Reisekrankenversicherung, Rückreisetickets sowie ausreichende finanzielle Mittel achten. Bei Visaanträgen ist besondere Sorgfalt bei der Schreibweise persönlicher Daten geboten, da selbst kleine Fehler an der Grenze zu ernsthaften Komplikationen bis hin zur Einreiseverweigerung führen können.
Immer öfter werden Reisende in die USA derzeit davon aufgeschreckt, dass Deutsche bei der Einreise gestoppt oder gar in Abschiebehaft genommen werden. Was dahintersteckt, hat t-online mit Rechtsanwalt Jan Gregor Steenberg besprochen.
Zur Methodik
Für den Visa-Check 2025 hat HolidayCheck die Einreisebestimmungen für deutsche Staatsangehörige in 196 Ländern weltweit untersucht. Es wurden zwischen Januar und Februar 2025 aktuelle Daten vom Auswärtigen Amt, von Botschaften und Konsulaten sowie internationalen Reisebehörden gesammelt und ausgewertet. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die Art der erforderlichen Visa (traditionelles Visum, e-Visum, Visa on Arrival), die Kosten, Bearbeitungszeiten und erlaubte Aufenthaltsdauer gelegt. Wenn die Angaben nur in Monaten verfügbar waren, ging HolidayCheck von einem Monat mit 30 Tagen aus.
- holidaycheck.de: "Visum-Check: Brauche ich ein Visum für mein Urlaubsland?"
- bmi.bund.de: "Reisepass – Informationen zu Beantragung, Gültigkeit und Nutzung"
- Telefoninterview mit dem Rechtsanwalt Jan Gregor Steenberg