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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Begriffserklärung Was versteht man unter Streik? Die Bedeutung einfach erklärt

Das Wort Streik wird in den Medien und im Arbeitsalltag sehr häufig verwendet. Doch was bedeutet er? Wir erklären die Bedeutung des Begriffs.
Bei einem Streik wird in der Regel die Arbeit niedergelegt. Damit möchten die Arbeitnehmer und Organisatoren bestimmte Ziele erreichen. Was noch dahintersteckt, erklären wir einfach und verständlich.
Die Bedeutung des Begriffs Streik
Verabredet sich eine größere Anzahl an Arbeitnehmern dazu gemeinsam und nach einem Plan sich zu weigern, ihrer Arbeit nachzugehen, wird das als Streik bezeichnet. Sie tun das, um bestimmte Ziele im Rahmen ihrer Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse zu erreichen. Das kann beispielsweise Lohnerhöhungen, Arbeitszeitverkürzungen oder Verbesserungen der Arbeitsbedingungen umfassen.
Ein Streik ist in Deutschland ein gesetzlich zulässiges Arbeitskampfmittel, das von Gewerkschaften organisiert werden muss, um tarifvertraglich regelbare Ziele durchzusetzen. Während eines Streiks ruht das Arbeitsverhältnis, und die Arbeitnehmer erhalten in der Regel kein Gehalt von ihrem Arbeitgeber, stattdessen zahlen Gewerkschaften oft Streikgeld an ihre Mitglieder.
Merkmale eines Streiks:
- Gewerkschaftliche Organisation: Ein Streik muss von einer Gewerkschaft geführt werden, um rechtmäßig zu sein.
- Tarifvertragliche Ziele: Der Streik muss sich auf tarifvertraglich regelbare Ziele konzentrieren.
- Planmäßige Arbeitsniederlegung: Die Arbeit wird gemeinsam und planmäßig niedergelegt.
- Rechtliche Grundlage: In Deutschland ist das Streikrecht durch das Grundgesetz geschützt.
Arten von Streiks
Es gibt verschiedene Arten von Streiks, die sich in ihrer Form, ihrem Motiv und ihrer Durchführung unterscheiden:
- Zu den Hauptformen des Streiks gehört die Arbeitseinstellung, bei der die Arbeitnehmer nicht am Arbeitsplatz erscheinen oder ihre Arbeit nicht aufnehmen. Bei einem Bummelstreik arbeiten die Arbeitnehmer langsamer als normal. Machen die Arbeitnehmer Dienst nach Vorschrift, befolgen Sie bei diesem Streik die Vorschriften übergenau, was zur Störung des Arbeitsablaufs führt.
- Daneben gibt es den Warnstreik – ein kurzer, begrenzter Streik zur Erhöhung des Drucks während Tarifverhandlungen. Bei einem Vollstreik (Flächenstreik) streiken alle Beschäftigten eines Wirtschaftszweiges. Während des Schwerpunktstreiks werden Streiks in ausgewählten Betrieben oder betriebswichtigen Abteilungen durchgeführt.
- Steht die Unterstützung für Kollegen eines anderen Betriebes im Vordergrund, spricht man von einem Solidaritätsstreik (Sympathiestreik). Streiken alle Arbeitnehmer einer Volkswirtschaft nennt sich das Generalstreik. Der Proteststreik umschreibt einen befristeten Streik gegen einen konkreten Vorfall. Und der Wellenstreik umfasst mehrere kurzfristige, unangekündigte Streiks von relativ kurzer Dauer.
- Weitere Streikformen umfassen den Abwehrstreik (Verhinderung von Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen), den Betriebsstreik (erfasst Beschäftigte eines bestimmten Betriebes), den Blitzstreik (kurzfristig organisierte Arbeitsniederlegung ohne vorherige Ankündigung), den Punktstreik (abwechselndes Bestreiken von Abteilungen oder Standorten, den Sitzstreik (Streikende verbleiben untätig am Arbeitsplatz) und den Wilden Streik (Streik ohne Unterstützung einer Gewerkschaft).
- Lesen Sie auch: Muss ich in einer Gewerkschaft sein, um zu streiken?
- Hier gehts weiter: Warnstreik am Flughafen trifft 150.000 Passagiere
Diese Ziele verfolgen Gewerkschaften bei einem Streik
Gewerkschaften verfolgen bei einem Streik hauptsächlich tariflich regelbare Ziele, um die Interessen der Arbeitnehmer durchzusetzen und das Ungleichgewicht zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern auszugleichen. Die wichtigsten Ziele sind:
- Lohnerhöhungen: Gewerkschaften streben oft höhere Löhne und Gehälter für die Beschäftigten an.
- Verbesserung der Arbeitsbedingungen: Dies kann kürzere Arbeitszeiten, mehr Urlaubstage oder bessere Sicherheitsstandards am Arbeitsplatz umfassen.
- Tarifliche Leistungen: Forderungen nach zusätzlichen Leistungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld.
- Arbeitszeitverkürzung: Gewerkschaften können für eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit bei gleichbleibendem Lohn streiken.
- Soziale Sicherheit: Durch höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen soll mehr Geld in die Sozialversicherungssysteme fließen.
- Kaufkraftsteigerung: Höhere Löhne sollen die Kaufkraft der Arbeitnehmer stärken und damit die Wirtschaft insgesamt fördern.
- Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg: Gewerkschaften fordern oft, dass Beschäftigte angemessen am Unternehmenserfolg beteiligt werden.
- Verhinderung von Reallohnverlusten: Insbesondere in Zeiten hoher Inflation zielen Streiks darauf ab, Reallohnverluste zu verhindern oder auszugleichen.
All diese Ziele müssen tarifvertraglich regelbar sein, um einen rechtmäßigen Streik zu begründen. Politische Ziele oder Forderungen, die nicht in den Bereich der Tarifautonomie fallen, sind nicht zulässig für einen legalen Streik in Deutschland.
Das passiert mit der Vergütung der Arbeitnehmer während eines Streiks
Während eines Streiks ergeben sich folgende Konsequenzen für die Vergütung der Arbeitnehmer:
- Für streikende Arbeitnehmer gilt der Grundsatz "Ohne Arbeit kein Lohn". Während der Streikdauer ruhen die Hauptleistungspflichten aus dem Arbeitsverhältnis, und die Beschäftigten haben keinen Anspruch auf Vergütung.
- Gewerkschaftsmitglieder erhalten als Kompensation für den Lohnausfall sogenanntes Streikgeld aus den Streikkassen ihrer Gewerkschaft. Die Höhe des Streikgeldes variiert je nach Gewerkschaft, Mitgliedsbeitrag und Dauer der Mitgliedschaft.
- Arbeitnehmer, die nicht Mitglied einer Gewerkschaft sind, erhalten in der Regel keine finanzielle Unterstützung während des Streiks.
- Auch nicht streikende, arbeitswillige Beschäftigte können ihren Vergütungsanspruch verlieren, wenn der Arbeitgeber den Betrieb aufgrund des Streiks ganz oder teilweise stilllegt oder die Arbeit aufgrund von Fernwirkungen des Streiks (z.B. Lieferengpässe) nicht fortgesetzt werden kann.
- Während des Streiks besteht kein Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
- Für die Dauer der Arbeitsniederlegung werden keine Beiträge zur gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung abgeführt.
- Streikende Arbeitnehmer haben während des Streiks keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.
Diese Regelungen gelten für rechtmäßige Streiks. Bei der Teilnahme daran müssen Arbeitnehmer keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen wie Abmahnungen oder Kündigungen befürchten.
- Deutscher Gewerkschaftsbund: "Was ist ein Streik und welche Rechte habe ich?"
- JURA.CC: "Streik"